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Präsidium der Wirtschaftskammer Kärnten
© WKK | Peter Just

Wirtschaftsparlament setzt auf Standortabkommen

Präsident Mandl plädiert für mehr Unternehmertum, fordert einen „gesellschaftlichen Ruck“ ein und freut sich über einen einstimmigen Rechnungsabschluss für 2025.

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Aktualisiert am 19.05.2026

In seiner Rede zur wirtschaftlichen Lage Kärntens vor dem heutigen Wirtschaftsparlament verzichtete Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Mandl auf Beschönigungen: Österreich stecke weiterhin in einer schwierigen konjunkturellen Phase. „Die Industrie hat zu kämpfen, die Investitionsbereitschaft ist gedämpft, die Wettbewerbsfähigkeit steht unter Druck. Hohe Energiepreise, Bürokratiekosten, steigende Arbeitskosten, die demografische Entwicklung und eine insgesamt verhaltene Stimmung bremsen viele Betriebe aus. Die geopolitischen Herausforderungen verdüstern dieses Bild weiter“, fasste Mandl die Ausgangssituation für das Jahr 2026 zusammen. Dennoch sieht der Unternehmervertreter die Wirtschaft am Ende eines „Tals der Tränen“.  

Kein Henne-Ei-Problem

Bei einem „kleinen Exkurs über den Zustand der Gesellschaft“ kritisierte Mandl leidenschaftlich den öffentlichen Diskurs, in dem es vorwiegend um Umverteilung, NGO’s und die Unterstützung sozial Benachteiligter gehe. Vom Sparen im System oder der bitteren Wahrheit, dass Geld zuerst verdient werden wolle, bevor man es verteilen könne, sei hingehen nie die Rede, beanstandete Mandl: „Alles ist selbstverständlich, und wenn das Geld nicht reicht, dann holen wir es über Vermögens- und Erbschaftssteuern halt bei denen, wo wir glauben, dass noch etwas zu holen ist. So kann es nicht weitergehen - es muss einen gesellschaftlichen Ruck geben, um den Wohlstand im Land zu sichern!“  

„Corona war nichts dagegen“

Besonders im wichtigsten Exportmarkt Deutschland kämpfe die Wirtschaft mit Problemen. Vor den rund 100 Delegierten zum Kärntner Wirtschaftsparlament zitierte Mandl aus einem Interview der Chefin des deutschen Paradeunternehmens Trumpf, Nicola Leibinger-Kammüller: „Seit Kriegsende war die wirtschaftliche Lage in Deutschland noch nie so dramatisch. Da war Corona nichts dagegen… Es kommt alles zusammen. Marode Strukturen in jeder Hinsicht. Hohe Zinsen, Inflation, Rezessionsgefahr, hohe Energiepreise und die gigantische chinesische Welle, die den europäischen Markt flutet. Gleichzeitig bröckelt die Allianz mit Amerika. Diktatorische Tendenzen – möglicherweise autoritäre Strukturen selbst in Frankreich.“ Ist das der perfekte Sturm? „Das trifft es. Dazu die totale Überforderung des Rentensystems. Aber wir haben eine gewählte Regierung, die die Möglichkeit hat, die Dinge zum Guten zu wenden.“ 

Bundesregierung setzt richtige Schritte

Vieles in dieser beunruhigenden Bestandsaufnahme treffe auch auf Österreich zu. Hier habe die Bundesregierung allerdings bereits begonnen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, als Beispiele nannte Mandl die Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel des täglichen Bedarfs und die Reduktion der Lohnnebenkosten: „Das ist für unsere Wettbewerbsfähigkeit ein Schritt in die richtige Richtung, wenngleich auch ein kleiner.“ 

Wirtschaft wächst wieder

Diesen Kurs müsse die heimische Politik nun halten: Viele Unternehmen stünden derzeit vor Herausforderungen: zurückhaltende Aufträge, steigender Kostendruck und schwierige Finanzierungsbedingungen. „Das betrifft Industrie und Gewerbe genauso wie Handel, Tourismus oder Dienstleistungsbetriebe. Und dennoch sehen wir – wenn auch verhaltene - Anzeichen eines Aufschwungs: Nach zwei Jahren in Folge mit BIP-Rückgängen hat vor allem der Dienstleistungssektor im Jahr 2025 für ein Ende der Rezession und einen leichten Anstieg der österreichischen Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent gesorgt. Auch die Industrie konnte im Gesamtjahr bei sehr unterschiedlichen Branchentrends insgesamt positiv zum Ergebnis beitragen. Mandl: „Jetzt ist nicht die Zeit für Resignation. Jetzt ist die Zeit für Reformen, für unternehmerischen Mut und entschlossenes Handeln!“ 

Aus Möglichkeiten Wertschöpfung machen

Denn Kärnten verfüge über enormes Potenzial, hob Mandl hervor: „Wir haben innovative Betriebe, engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, starke Familienunternehmen und internationale Leitbetriebe. Wir haben Chancen in Zukunftsbereichen wie dem Holzbau, der Industrie, der Logistik, der Technologieentwicklung oder im gemeinsamen Wirtschaftsraum der AREA Süd. Jetzt geht es darum, aus diesem Potenzial auch Wertschöpfung zu machen.“ 

Wirtschaft steht hinter Standortabkommen

Umso mehr begrüßt Mandl, dass der neue Landeshauptmann Daniel Fellner unseren Vorschlag eines Standortabkommens für Kärnten im Sinne eines Schulterschlusses zwischen Politik und Sozialpartnern positiv aufgenommen habe. „Denn eines ist klar: Wenn wir im internationalen Wettbewerb bestehen wollen, dann brauchen wir eine gemeinsame Kraftanstrengung. Ich sehe hier gute Signale. Und ich sage auch ganz offen: Diese Signale machen Hoffnung. Entscheidend wird aber sein, dass aus guten Gesprächen konkrete Maßnahmen werden. Kärnten braucht keine Überschriftenpolitik, sondern Umsetzungspolitik.“ 

Kammer bleibt starker Partner

WK-Direktor Meinrad Höfferer berichtete über die Servicebilanz der Wirtschaftskammer, die ein starker Partner an der Seite ihrer Mitglieder bleibe. Allein im vergangenen Jahr haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kammer tausende Beratungen durchgeführt – von Förderberatungen über Rechtsauskünfte bis hin zu Export-, Gründungs- und Nachfolgefragen. Die Serviceleistungen, die in der WK Kärnten penibel digital aufgezeichnet werden, umfassten 2025 mehr als 215.000 Leistungsstunden im Gegenwert von über 40 Millionen Euro für mehr als 39.000 Betriebe in Kärnten. Besonders hob Höfferer die Aufgaben des übertragenen Wirkungsbereichs wie beispielsweise mehr als 3000 Lehrabschluss- und Meisterprüfungen oder mehr als 4000 ausgestellte Exportdokumente hervor: „Wir sind hier im Auftrag des Staates tätig - aber Rechnung kann ich dem Herrn Marterbauer dafür keine stellen.“ 

Gleichstellung beim Wochengeld

Vizepräsidentin Astrid Legner betonte die Vorreiterrolle der WK Kärnten bei der Gleichbehandlung von schwangeren Unternehmerinnen, deren Wochengeld nunmehr nach jahrelangem Kampf automatisch ausbezahlt werde. Während des Wochengeldbezugs seien nunmehr auch keine Sozialversicherungsbeiträge mehr fällig, dafür bekämen Bezieherinnen bei Fortführung ihres Betriebs 550 Euro Zuschuss. Vizepräsidentin Nika Basic präsentierte die Einrichtung einer Task Force zum Thema Betriebsnachfolge im BMWET und den Start des Programms „nextgenAustria“.  

Rechnungsabschluss 2025

Der vom Wirtschaftsparlament einstimmig beschlossene Rechnungsabschluss der Kammer für das Jahr 2025 weist einen Abgang von Euro -36.546,33 auf. Die Umsatzerlöse und sonstigen betrieblichen Erträge beliefen sich auf Euro 35.791.582,85 und waren um 1,3 % höher als der Voranschlag. Unter Berücksichtigung des Finanzerfolges lagen die Gesamteinnahmen bei Euro 37.052.190,81. Die gesamten betrieblichen Aufwendungen, der Personalaufwand und Materialaufwand, sowie die Zinsertragssteuer beliefen sich auf Euro 34.237.555,11. Die Investitionen haben Euro 2.186.803,88 betragen. Euro 664.378,15 wurde den zweckgebundenen Rücklagen zugewiesen. Die Wirtschaftskammer hat eine solide finanzielle Basis und kann ihre Investitionen in Bildungsmaßnahmen, Digitalisierung und notwendige Infrastruktur künftig umsetzen. Die Rechnungsabschlüsse der Fachgruppen weisen insgesamt einen Bilanzverlust von Euro -543.551,96 aus.

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