Zum Inhalt springen
Draxler, Basic und Markowitz mit Wasserski und Wakeboard
© WKK | Peter Just

Wörthersee-Debatte: Wirtschaft warnt vor Schaden für Tourismusstandort Kärnten

Der Wörthersee ist Naturjuwel und wirtschaftliche Lebensader zugleich. Vertreter aus Wirtschaft und Tourismus warnen vor den Folgen der aktuellen Debatte rund um Seendialog, Motorbootabgabe und mögliche Nutzungseinschränkungen. Ohne Planungssicherheit drohen negative Auswirkungen auf Nächtigungen, Investitionen und Arbeitsplätze in der gesamten Region.

Lesedauer: 5 Minuten

Einen Moment bitte. Ladevorgang läuft ...
0:00
Audio konnte nicht geladen werden. Erneut versuchen
0:00
0:00
Aktualisiert am 11.03.2026

Rund um den Wörthersee läuft derzeit ein Prozess, der grundsätzlich Chancen bietet: der sogenannte Seendialog. Ziel ist es, Schutz und Nutzung der Seen langfristig in Einklang zu bringen. Gleichzeitig sorgt die öffentliche Diskussion der vergangenen Wochen bei vielen Betrieben entlang des Sees für zunehmende Verunsicherung. Vor allem die Debatten über mögliche Einschränkungen im Bootsverkehr, steigende Abgaben oder neue Nutzungsregeln treffen eine Region, deren wirtschaftliche Existenz eng mit Tourismus, Freizeitwirtschaft und regionaler Wertschöpfung verbunden ist. Gerade unmittelbar vor Beginn der Sommersaison sehen viele Unternehmerinnen und Unternehmer daher die Gefahr, dass ein negatives Standortbild entsteht, das Investitionsentscheidungen und Buchungen bereits jetzt beeinflusst. 

Ergebnisoffenheit statt Vorfestlegung

Der angekündigte Seendialog müsse daher tatsächlich offen geführt werden. Die Wirtschaft stelle Schutzmaßnahmen nicht infrage, so WK-Vizepräsidentin Nika Basic: „Aber was wir aktuell erleben, ist eine Debatte, die Verunsicherung erzeugt und das ausgerechnet kurz vor der Saison. Es entsteht der Eindruck, dass Ergebnisse bereits vorweggenommen werden und am Ende weniger Attraktivität für Gäste übrigbleibt.“ Nachhaltigkeit bedeute für die Wirtschaft immer zweierlei: Maßnahmen müssten ökologisch vertretbar, aber auch ökonomisch sinnvoll sein. Betriebe entlang der gesamten Wertschöpfungskette müssen systematisch eingebunden werden. „Wenn der Schutz ernst gemeint ist, dann braucht es auch wirtschaftliche Stabilität. Sonst verlieren wir Arbeitsplätze, Investitionen und Akzeptanz“, so Basic. 

Wörthersee ist Marke, Identität und Wertschöpfungskette

Seit mehr als sechs Jahrzehnten prägt der Motorbootsport das Image des Wörthersees. Er ist Teil der touristischen Identität und kein Randphänomen. An dieser Marke hängt eine breite wirtschaftliche Struktur mit zahlreichen Bootsverleihen, Service- und Reparaturbetrieben, Handel, Eventveranstaltern, Sportvereinen sowie einem breiten Angebot an Hotellerie und Gastronomie. Hannes Markowitz, Geschäftsführer der Veldener Tourismusgesellschaft, betont: „Wenn gleichzeitig Abgaben erhöht und Nutzungseinschränkungen diskutiert werden, sendet das ein fatales Signal an eine qualitätsorientierte Zielgruppe. Buchungsentscheidungen fallen jetzt. Investitionsentscheidungen fallen jetzt.“ Er warnte zudem vor einer pauschalen Stigmatisierung einzelner Nutzergruppen: „Wer Zweitwohnsitzbesitzer oder Motorbootfahrer pauschal zum Problem erklärt, schadet der gesamten regionalen Wirtschaft.“ 

Wörthersee als Eventsee und Standortfaktor für junge Menschen

Der Wörthersee steht nicht nur für Natur und Erholung, sondern auch für Sport, Events und eine lebendige Freizeitkultur. Gerade für jüngere Zielgruppen spielt diese Verbindung aus Wasser, Sport und Veranstaltungen eine wichtige Rolle, wie Basic betont: „Der Wörthersee ist auch ein See für junge Menschen. Wassersport, Veranstaltungen und sportliche Großevents wie etwa Wake the Lake in Krumpendorf oder die Wasserski-Show in Pörtschach schaffen Erlebnisse, die Gäste anziehen und Wertschöpfung in die Region bringen. Diese Dynamik darf nicht verloren gehen.“ Gerade vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung müsse Kärnten darauf achten, seine Attraktivität als Lebens- und Arbeitsstandort zu stärken. „Viele junge Menschen haben ohnehin das Gefühl, dass in Kärnten zu wenig passiert. Wenn wir unsere wenigen Leuchttürme selbst schlechtreden oder abtragen, verstärken wir diesen Eindruck. Der Wörthersee ist nicht nur Tourismus, sondern auch Standortqualität. Wer ihn ruhigstellt, beschleunigt die Abwanderung“, so Basic. 

Wertschöpfung und Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel

Die aktuellen Nächtigungszahlen zeigen, wie sensibel die Region wirtschaftlich reagiert: 1.446.307 Übernachtungen im Sommerhalbjahr 2025 entsprechen 15,3 Prozent aller Kärntner Sommernächtigungen. Diese Dimension verdeutlicht die wirtschaftliche Bedeutung der Region. Eine Modellrechnung zeigt mögliche Auswirkungen: Ein Rückgang der Gäste um zehn Prozent führt zu rund 34 Millionen Euro weniger Bruttowertschöpfung in Kärnten und gefährdet rund 490 Arbeitsplätze. Bei einem Rückgang um 20 Prozent sinkt die Wertschöpfung um rund 68 Millionen Euro und etwa 980 Arbeitsplätze geraten unter Druck. „Es geht hier nicht um Symboldebatten, sondern um reale wirtschaftliche Effekte. Wenn das unternehmerische Risiko steigt und der Ertrag sinkt, wandert Kapital ab“, sagt Herwig Draxler, Leiter der Wirtschaftspolitik in der Wirtschaftskammer Kärnten.  

Schutz ja – aber faktenbasiert

Der Schutz der Seen steht für die Wirtschaft außer Frage. Der Wörthersee ist ein sensibles Ökosystem, gerade deshalb ist eine sachliche Analyse der tatsächlichen Ursachen entscheidend. Laut Fachunterlagen sind verstärkte Planktonbildung infolge der Klimaerwärmung sowie natürliche Entkalkungsprozesse wesentliche Faktoren für die Wassertrübung. Dadurch verändert sich der Nährstoffhaushalt im See. Davon profitieren bestimmte Fischarten wie der Karpfen - seine Wühltätigkeit beeinflusst allerdings wiederum den Wasserpflanzenbestand und das Ökosystem. „Das Klima können wir nicht kurzfristig verändern. Deshalb müssen wir dort ansetzen, wo wir wirksam gegensteuern können“, so Draxler. Dazu zählen ein gezieltes Fischereimanagement, die Abfischung problematischer Bestände und ein konsequentes Monitoring. Auch bei Nutzungsthemen braucht es Präzision statt Pauschalität. So sei beim Wellenschlag entscheidend, Abstand und sensible Zonen differenziert zu betrachten. Der bestehende Mindestabstand zum Ufer reduziere die Wirkung auf ufernahe Bereiche deutlich. 

Wenn über Uferverbauungen diskutiert wird, betrifft das in der Regel öffentliche Flächen wie Strandbäder oder Promenaden – also Bereiche, die aktiv gemanagt werden können. Zudem spielt auch der Untergrund eine Rolle für die Ansiedlung von Wasserpflanzen. Sanierungsmaßnahmen müssen daher dort ansetzen, wo sie ökologisch tatsächlich sinnvoll sind. „Es gibt ökologische Stellschrauben, ohne deshalb gleich Sport und Tourismus abzustellen – etwa das Hotspot-Management, die Wahl von Zeitfenstern, den Schutz sensibler Uferabschnitte oder punktuell technische Lösungen wie mobile Wellenbrecher. Schutz und Nutzung schließen einander nicht aus, wenn man es sachlich und faktenbasiert angeht“, unterstreicht Draxler. 

Fairer Prozess statt Symbolpolitik

Die Wirtschaft fordert daher einen ergebnisoffenen Seendialog, eine seriöse Bewertung der wirtschaftlichen Auswirkungen sowie ein Ende der negativen Standortkommunikation. „Es hat wenig Sinn, jetzt einzelne Maßnahmen zu beschließen und damit den See wirtschaftlich herunterzufahren, wenn der Seendialog noch gar nicht abgeschlossen ist und seine Ergebnisse noch gar nicht vorliegen“, betont Draxler. Entscheidungen müssten auf einer fundierten Analyse basieren und die Auswirkungen auf Tourismus, Betriebe und Arbeitsplätze berücksichtigen: „Ziel bleibt ein Wörthersee, der geschützt und gleichzeitig lebendig bleibt – als Naturjuwel und als wirtschaftliche Lebensader Kärntens.“

Weitere interessante Artikel
  • Spartenobmann Raimund Haberl
    Haberl: Vatertag ist ein wichtiger Umsatzbringer für den Kärntner Einzelhandel
    Weiterlesen
  • Tag der Gründung machte Lust auf Selbstständigkeit
    Tag der Gründung machte Lust auf Selbstständigkeit
    Weiterlesen
  • Wirtschaftskammer-Präsident Jürgen Mandl, Manuel Kapeller-Hopfgartner, Obmann der WK-Fachgruppe Seilbahnen, Landesrat Sebastian Schuschnig
    Seilbahnen wollen Kärnten zu einem Aushängeschild für nachhaltigen Wintertourismus machen
    Weiterlesen