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Sparte Industrie

Dashboard Energie-Zukunft: Volkswirtschaftlicher Background

Lesedauer: 5 Minuten

19.01.2026

Energiekostenintensität

  • Im Jahr 2022 liegt die Energiekostenintensität (EKI) der Herstellung von Waren Österreichs mit durchschnittlich 3,2 % um rd. einen Prozentpunkt höher als 2020 (2,2 %).
  • Der Anteil der energieintensiven Industrie am gesamten Produktionswert Österreichs hat sich seit 2020 fast verdoppelt, da infolge gestiegener Energiepreise mehr Branchen energieintensiv sind.
  • Europaweit nimmt die EKI infolge der immens gestiegenen Energiepreise deutlich zu.
  • Die energieintensive Industrie weist eine zunehmende strukturelle Verwundbarkeit gegenüber anhaltend hohen Energiekosten auf.

Die Energiekostenintensität stellt die vom Unternehmenssektor aufgebrachten Aufwendungen für Energie dem erwirtschafteten Produktionswert gegenüber.

Ausgewiesen in Prozentanteil des Produktionswerts gibt sie Aufschluss darüber, wie stark ein Unternehmen in seinen Tätigkeiten durch Energiekosten bestimmt wird.

Ab einer EKI von über 3 % gilt eine Branche in aller Regel als energieintensiv. Dieser Schwellenwert spielt u.a. im nationalen sowie im EU-Recht eine wichtige Rolle für den Bezug etwaiger staatlicher Unterstützungs- und Entlastungsmaßnahmen.

Die Unternehmen der Herstellung von Waren in Österreich tätigten 2022 im Durchschnitt Käufe von Energie, die rd. 3,2 % ihres Produktionswerts entsprechen, dies ist um etwa einen Prozentpunkt mehr als im Jahr 2020.

Im Ländervergleich der energieintensiven Industriebranchen landet Österreich auf Rang 7 von 15. Die Energiekostenintensität hat in den letzten beiden Jahren in sämtlichen beobachteten Ländern deutlich zugenommen, im Mittel um 1,1 Prozentpunkte auf 2,9%. (2020: 1,8 %) – eine Folge der dramatisch gestiegenen Energiekosten in Europa.

Grafik Standortvergleich
© Quelle: IWI, 2025

In Österreich erwirtschaftete die energieintensive Industrie 2022 rd. 11,7 % des gesamtwirtschaftlichen Produktionswerts, wodurch Österreich im oberen Drittel des analysierten Samples 15 europäischer Staaten positioniert ist. Somit hat sich der Produktionsanteil der energieintensiven Industrie in Österreich seit dem Jahr 2022 (6,0 %) beinahe verdoppelt, da aktuell wesentlich mehr heimische Unternehmen bzw. Industrien infolge der immensen Energiepreise als energieintensiv gelten.

In der europäischen Wirtschaft im Allgemeinen und in der österreichischen Wirtschaft im Speziellen herrscht strukturell eine höhere Vulnerabilität / Sensitivität gegenüber steigendem Kostendruck durch überdurch-schnittliche Energiepreise, wobei keine wirklich nachhaltige Entspannung der Energiekrise in Sichtweite ist.

Volkswirtschaftliche Effekte der energieintensiven Industrie

  • Die energieintensive Industrie betrifft uns alle – sie sichert Arbeitsplätze, stärkt die wirtschaftliche Resilienz und fördert die Unabhängigkeit Österreichs.
  • Die energieintensive Industrie Österreichs trägt im Jahr 2023 mit 51,1 Mrd. € mittel- und unmittelbar zur Wertschöpfung der heimischen Volkswirtschaft bei.
  • Insgesamt werden dadurch 15,4 Mrd. € an gesamtwirtschaftlichen Fiskal- und Sozialbeitragseffekten ausgelöst.
  • In Summe sichert die energieintensive Industrie rd. 607.000 Arbeitsplätze in Österreich ab.

Die Industrie bedingt durch ihre Verflechtungen innerhalb der Volkswirtschaft gesamtwirtschaftliche Leistung in Form von Produktion, Wertschöpfung und Beschäftigung über das eigene direkte Wirtschaften hinaus (direkte, indirekte, induzierte Effekte). Damit wirkt sie als Anker des heimischen Wohlstands und Beschäftigung. Indirekte Effekte ergeben sich durch die Nachfrage der Industrieunternehmen bei Zulieferunternehmen, Händlern und Dienstleistern. Induzierte Effekte entstehen über die (direkt und indirekt) bedingte Beschäftigung bzw. die beglichenen Gehälter sowie den dadurch möglichen Konsum bzw. Investitionen.

Durch die heimische energieintensive Industrie wird ein gesamtwirtschaftlicher Umsatz in der Höhe von 188,1 Mrd. € in Österreich im Jahr 2023 ausgelöst. Dabei beläuft sich der direkte – unmittelbar in den Unternehmen der energieintensiven Branchen erwirtschaftete – Umsatz auf 108,7 Mrd. €. Hinzu kommen 50,2 Mrd. € durch die mittels Nachfrage bedingte Umsätze (indirekt) sowie 29,2 Mrd. € an Umsätzen über den ermöglichten Konsum bzw. Investitionen (induziert). 

Die gesamtwirtschaftlich generierte Wertschöpfung liegt bei 51,1 Mrd. €, davon sind 21,0 Mrd. € an Wertschöpfung direkt auf die energieintensive Industrie zurückzuführen; sowie 17,8 Mrd. € auf indirekte und 12,3 Mrd. € auf induzierte Wertschöpfungseffekte.

Summa summarum sichert die energieintensive Industrie mehr als 607.200 Beschäftigungsverhältnisse Österreichs ab (gesamtwirtschaftlicher Anteil: 12,1%). Davon beschäftigen die energieintensiven Unternehmen rd. 252.000 Personen selbst; zusätzlich werden rd. 234.500 Beschäftigungsverhältnisse indirekt sowie 120.800 induziert gesichert.

Insgesamt betragen die durch die energieintensive Industrie im Jahr 2023 gesamtwirtschaftlich ausgelösten Fiskal- und Sozialbeitragseffekte 15,4 Mrd. € (exkl. KÖSt), davon 5,5 Mrd. € direkt, 4,6 Mrd. € indirekt sowie 5,3 Mrd. € induziert.

Grafik
© Quelle: IWI, 2025
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© Quelle: IWI, 2025
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© Quelle: IWI (2025) auf Basis der Statistik Austria, Input-Output-Tabellen 2021, Volkwirtschaftliche Gesamtrechnung 2023
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© Quelle: IWI (2025) auf Basis der Statistik Austria, Input-Output-Tabellen 2021, Volkwirtschaftliche Gesamtrechnung 2023

Verhältnis Energieverbrauch und Produktion

  • Die Industrie hat ihre Produktion gesteigert, ohne mehr Energie zu verbrauchen, wird aber seit 2021 durch überdurchschnittlich steigende Energiepreise belastet.
  • Effizienzsteigerung der Industrie: obwohl der reale Produktionswert über die Jahre deutlich zunimmt, bleibt der mengenmäßige Energieeinsatz weitgehend konstant.
  • Trennung zwischen Energieeinsatz und -kosten: Die Aufwendungen für Brenn- und Treibstoffe steigen ab dem Jahr 2021 massiv an, während der tatsächliche Energieeinsatz kaum zunimmt. Die Kostensteigerungen sind somit preisbedingt und werden nicht durch höheren Verbrauch verursacht, die Energiekostenintensität nimmt deutlich zu.
  • Im Jahr 2023 bricht die Produktion der Industrie infolge wirtschaftlicher Unsicherheiten und anhaltend hoher Energiepreise ein, wodurch der Energieverbrauch sinkt. Die Energiekostenintensität bleibt weiterhin hoch.

Verhältnis Energieverbrauch und Produktion

  • Die Industrie hat ihre Produktion gesteigert, ohne mehr Energie zu verbrauchen, wird aber seit 2021 durch überdurchschnittlich steigende Energiepreise belastet.
  • Effizienzsteigerung der Industrie: obwohl der reale Produktionswert über die Jahre deutlich zunimmt, bleibt der mengenmäßige Energieeinsatz weitgehend konstant.
  • Trennung zwischen Energieeinsatz und -kosten: Die Aufwendungen für Brenn- und Treibstoffe steigen ab dem Jahr 2021 massiv an, während der tatsächliche Energieeinsatz kaum zunimmt. Die Kostensteigerungen sind somit preisbedingt und werden nicht durch höheren Verbrauch verursacht, die Energiekostenintensität nimmt deutlich zu.
  • Im Jahr 2023 bricht die Produktion der Industrie infolge wirtschaftlicher Unsicherheiten und anhaltend hoher Energiepreise ein, wodurch der Energieverbrauch sinkt. Die Energiekostenintensität bleibt weiterhin hoch.
Grafik
© Quelle: IWI (2025) auf Basis der Statistik Austria, Nutzenergieanalyse, Leistungs- und Strukturstatistik, Erzeugerpreisindex nach Wirtschaftsbranchen
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© Quelle: IWI (2025) auf Basis der Statistik Austria, Nutzenergieanalyse, Leistungs- und Strukturstatistik, Erzeugerpreisindex nach Wirtschaftsbranchen

 

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