Nachschau: Lehre mit Zukunft in der Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft
Nachwuchs sichern
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Am 12. Mai 2026 lud der Fachverband Entsorgungs- und Ressourcenmanagement zu einer umfassenden Informationsveranstaltung rund um die Lehrlingsausbildung in der Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft in die Wirtschaftskammer Österreich nach Wien ein.
Unter dem Titel „Lehre mit Zukunft“ stand insbesondere der Lehrberuf der Entsorgungs- und Recyclingfachkraft im Mittelpunkt. Ziel der Veranstaltung war es, interessierte Unternehmen sowie bestehende Lehrbetriebe über die Voraussetzungen, Chancen und Unterstützungsangebote der Lehrlingsausbildung zu informieren.
Branchenüberblick und Bedeutung der Lehre
Bereits in der Eröffnung der Veranstaltung wurde die zentrale Bedeutung der Nachwuchssicherung für die Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft eindrucksvoll hervorgehoben. Thomas Kasper, Obmann des Fachverbandes Entsorgungs- und Ressourcenmanagement, unterstrich in seiner Begrüßung die wesentliche Rolle qualifizierter Fachkräfte für eine moderne, innovationsgetriebene Kreislaufwirtschaft. Insbesondere in einer Branche, die tagtäglich einen unverzichtbaren Beitrag zur öffentlichen Daseinsvorsorge leistet, sind gut ausgebildete Mitarbeiter:innen der Schlüssel für nachhaltige Entwicklung, Versorgungssicherheit und technologische Weiterentwicklung.
Kasper verdeutlichte die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung der Branche anhand aktueller Kennzahlen: Österreichweit verarbeitet die Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft jährlich rund 70 Millionen Tonnen Abfälle, erwirtschaftet etwa 20 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigt rund 31.500 Mitarbeiter:innen.
Aktuelle Zahlen zum Lehrberuf „Entsorgungs- und Recyclingfachkraft“
Aktuell werden österreichweit 31 Lehrlinge im Lehrberuf Entsorgungs- und Recyclingfachkraft ausgebildet. Die Zahl der aktiven Lehrbetriebe liegt derzeit bei 25 Unternehmen. Auch wenn die Zahlen in den vergangenen Jahren eine stabile Entwicklung zeigen, wurde deutlich, dass angesichts des steigenden Fachkräftebedarfs und der bevorstehenden Pensionierungswelle noch erhebliches Ausbaupotenzial besteht. Gerade deshalb kommt der Lehrlingsausbildung eine strategische Bedeutung zu – nicht nur zur Sicherung des eigenen Fachkräftebedarfs, sondern auch zur langfristigen Stärkung der gesamten Branche. Die Ausbildung zur Entsorgungs- und Recyclingfachkraft verbindet technische, naturwissenschaftliche, organisatorische und rechtliche Inhalte und eröffnet damit ein breites Spektrum an beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten – ein Beruf, der ökologische Verantwortung, technische Innovation und gesellschaftlichen Nutzen in besonderer Weise vereint.
Präsentationen
Formale Voraussetzungen für Lehrbetriebe
Im Anschluss an die Eröffnung gab die Lehrlingsstelle Wien einen umfassenden Überblick über die formalen Voraussetzungen zur Anerkennung als Lehrbetrieb. Erläutert wurden insbesondere die rechtlichen und betrieblichen Anforderungen, die für die Ausbildung von Lehrlingen erfüllt sein müssen. Besonderes Augenmerk lag auf dem sogenannten Feststellungsbescheid, der Voraussetzung für die erstmalige Ausbildung von Lehrlingen ist. Zudem wurden Ausbildungsverbünde als praxisnahe Möglichkeit vorgestellt, fehlende Ausbildungsinhalte gemeinsam mit Partnerbetrieben oder externen Einrichtungen abzudecken.
Die Ausbildung im Betrieb
Die Lehrlinge verbringen etwa 20% der Zeit in der Berufsschule und 80% der Zeit im Lehrbetrieb. Ein besonderer Fokus wurde daher auf die Ausbildung in der Praxis gelegt – Florian Fischer, KAB Kärntner Abfallbewirtschaftung GmbH, berichtete über die Herausforderungen und Chancen im Ausbildungsalltag. Dabei wurde deutlich, dass die Lehrlingsausbildung weit über die reine Wissensvermittlung hinausgeht. Entscheidend seien vor allem die persönliche Begleitung, die Förderung junger Menschen sowie die langfristige Sicherung qualifizierter Mitarbeiter:innen für die Branche. Besonders hervorgehoben wurde die Vielseitigkeit des Lehrberufs, der technische, organisatorische, rechtliche und kaufmännische Inhalte verbindet.
Aktuelle Aspekte der Berufsausbildung
Im weiteren Verlauf informierten Vertreterinnen des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus über aktuelle Entwicklungen in der dualen Berufsausbildung. Vorgestellt wurden unter anderem laufende Modernisierungen von Lehrberufen, neue Kompetenzanforderungen im Bereich Digitalisierung und Nachhaltigkeit sowie die zunehmende Bedeutung sogenannter „Green Skills“. Darüber hinaus wurde die höhere berufliche Bildung präsentiert, die neue Entwicklungsperspektiven für Fachkräfte nach der Lehre eröffnet. Besonders betont wurde dabei die Rolle der Lehre als gleichwertiger Bildungsweg innerhalb des österreichischen Bildungssystems.
Förderungen und Unterstützungsleistungen
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Förderungen und Unterstützungsangeboten für Lehrbetriebe und Lehrlinge. Die Lehrlingsstelle Wien präsentierte die wichtigsten bundesweiten Förderinstrumente – von der Basisförderung über Förderungen für Ausbildungsverbünde bis hin zu Unterstützungen für Vorbereitungskurse zur Lehrabschlussprüfung. Zusätzlich wurden spezielle Fördermöglichkeiten für Erwachsene in Lehrausbildung erläutert.
„Lehre statt Leere“: Individuelles Coaching für Lehrbetriebe und Lehrlinge
Mit der Initiative „Lehre statt Leere“ wurden Coaching- und Unterstützungsangebote für Lehrlinge und Betriebe vorgestellt, die individuelle Fragstellungen bearbeiten. Die Initiative versteht sich als ergänzende Begleitung im Ausbildungsalltag und soll insbesondere bei Herausforderungen in der Zusammenarbeit unterstützen.
Berufsschule Linz 3: Ein wichtiger Partner in der Lehrausbildung
Den Abschluss bildete ein Interview mit Rainer Hacker (Berufsschuldirektor) und Michael Purkarthofer (Berufsschuldirektor Stellvertreter) der Berufsschule Linz 3, die österreichweit für die schulische Ausbildung der Entsorgungs- und Recyclingfachkräfte zuständig ist. Dabei wurde die enge Zusammenarbeit zwischen Schule, Betrieben und Fachverband hervorgehoben. Diskutiert wurde unter anderem die Vielseitigkeit des Berufsbildes, das naturwissenschaftliche, technische, rechtliche und organisatorische Inhalte verbindet und damit zahlreiche Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb der Branche eröffnet.
Fazit
Die Veranstaltung machte insgesamt deutlich, dass die Lehrlingsausbildung in der Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft nicht nur eine Investition in den eigenen Betrieb, sondern auch in die Zukunft der gesamten Branche darstellt. Die zahlreichen Praxisberichte und Unterstützungsangebote zeigten eindrucksvoll, dass Betriebe bei der Ausbildung junger Fachkräfte umfassend begleitet werden und die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ausbildung bereits heute vorhanden sind.