Finanzdienstleister, Fachverband
Spar- und Investitionsunion (SIU)
Ziele, Inhalte und Ausblick
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20.03.2026
Die EU-Kommission hat eine Strategie für eine Spar- und Investitionsunion (Savings and Investment Union, SIU) vorgelegt. Die Spar- und Investitionsunion soll den Zugang zu Kapital bzw. Kapitalmärkten für EU-Bürger und Unternehmen verbessern und dadurch die europäische Wirtschaft stärken.
Ziel des Vorschlages
- Die Spar- und Investitionsunion (Savings and Investments Union, SIU) wurde von der Europäischen Kommission als Weiterentwicklung bzw. Neuauflegung der Capital Markets Union (CMU) konzipiert. Seit dem Frühjahr 2025 hat die Europäische Kommission eine Strategie für die SIU verabschiedet.
- Ersparnisse von Bürger:innen und institutionellen Anlegern sollen besser mit produktiven Investitionen verbunden werden, um Kapital für Unternehmen, Innovationen, Infrastruktur, digitale und grüne Transformation etc. bereitzustellen.
- Für private Haushalte soll die SIU neue Wege eröffnen, Ersparnisse nicht nur als klassische Bankeinlagen zu halten, sondern in langfristige, renditestärkere Kapitalmarkt-Instrumente zu investieren (z. B. Fonds, Renten, Unternehmensbeteiligungen).
- Für Unternehmen — insbesondere KMU und innovative Firmen — soll die SIU den Zugang zu Kapital erleichtern, gerade dort, wo Bankkredite nicht ausreichen oder nicht passen. Damit sollen Innovation, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit der realen Wirtschaft gestärkt werden.
- Die SIU adressiert dabei nicht nur Kapitalmärkte, sondern auch das Bankensystem und das regulative Umfeld insgesamt, somit eine breite Reform der Finanz- und Investitionsökonomie der EU.
- Die SIU soll helfen, die großen Investitionsbedarfe der EU (z. B. für Digitalisierung, Ökologisierung, strategische Projekte, Innovation) besser zu finanzieren.
Wesentliche Inhalte der SIU
Die Strategie der SIU basiert auf vier zentralen Bereichen:
- Bürger & Ersparnisse — Kleinanlegern soll ein leichterer Zugang zu Kapitalmärkten und Investitionsmöglichkeiten geboten werden, etwa durch neue Anlageformen und Förderungen (z. B. für Altersvorsorge). Dies umfasst insbesondere folgende Initiativen:
- Investitionen & Finanzierung — Bessere Kapitalversorgung und Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmen, besonders für KMU.
- Integration & Skalierung — Abbau regulatorischer und aufsichtsrechtlicher Hindernisse, damit Finanzmärkte und Investitionen über Grenzen hinweg einfacher funktionieren; Harmonisierung innerhalb der EU.
- Effiziente Aufsicht im Binnenmarkt — Gleichbehandlung aller Marktteilnehmer, unabhängig vom Standort, durch gemeinsame Aufsichts- und Regulierungsstandards.
Aktueller Stand und Ausblick
- Der offizielle Startschuss der SIU-Strategie war am 19.3.2025 durch die Europäische Kommission.
- Im September 2025 kündigte die Kommission eine Strategie zur Förderung der Finanzkompetenz von EU-Bürger:innen an. Ziel ist es, einen besseren Zugang, ein besseres Verständnis und eine größere Beteiligung am Kapitalmarkt zu erreichen.
- Es wurde eine Empfehlung für EU-weit einheitliche Spar- und Anlagekonten (EU-SIAs) vorgelegt. Das Ziel besteht darin, Kleinanlegern eine einfache und steuerlich attraktive Möglichkeit zu bieten, in die Kapitalmärkte zu investieren.
- Für das Jahr 2027 ist eine Halbzeitüberprüfung der SIU geplant, um den Fortschritt und die Wirkung der Maßnahmen zu evaluieren.
- Am 10.9.2025 stimmte das Plenum des Europäischen Parlaments über den nicht bindenden Initiativbericht des ECON-Ausschusses zur Erleichterung der Finanzierung von Investitionen und Reformen zur Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit sowie zur Schaffung einer Kapitalmarktunion ab.
- Im Dezember 2025 hat der Rat der EU-Minister eine Position zur Revitalisierung des EU-Verbriefungsmarkts (ein zentrales Element der SIU) vereinbart. Mit diesem Schritt soll die Marktliquidität verbessert und mehr Investitionen in reale Wirtschaftstätigkeiten ermöglicht werden.
- Im Dezember 2025 erfolgte eine vorläufige Trilogeinigung zur Retail Investment Strategy
- Die Europäische Kommission hat am 4.12.2025 Vorschläge für ein umfassendes Gesetzespaket zur Finanzmarktaufsicht und -integration vorgelegt. Damit sollen Hindernisse im Finanzmarkt beseitigt und das Potenzial des EU-Binnenmarkts für Finanzdienstleistungen besser ausgeschöpft werden. Hindernisse im Handel, Nachhandel und Asset Management sowie beim Passporting und bei grenzüberschreitenden Aktivitäten sollen beseitigt werden. Zur Harmonisierung und Aufsichtskonvergenz sollen der ESMA direkte Aufsichtsbefugnisse eingeräumt werden (bei Anbietern von Kryptowerte-Dienstleistungen, Zentralverwahrern).