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BIPAR mid-term meeting 2026
© eap.at
Versicherungsmakler und Berater in Versicherungsangelegenheiten, Fachverband

BIPAR mid-term meeting 2026 in Wien: Branchentreffen der europäischen Versicherungsmakler:innen

Die European Federation of Insurance Intermediaries (BIPAR) zu Gast in Österreich

Lesedauer: 6 Minuten

25.01.2026

Wien war Austragungsort des BIPAR mid-term meetings 2026. Die europäische Interessenvertretung der Versicherungsvermittler, BIPAR, brachte damit Vertreter:innen aus ganz Europa in der österreichischen Bundeshauptstadt zusammen. Rund 120 europäische Branchenvertreter:innen diskutierten in Wien aktuelle regulatorische Weichenstellungen, Marktbedingungen und Zukunftsfragen der Versicherungsvermittlung.

Die Entscheidung für Wien ist nicht zuletzt dem langjährigen und intensiven Engagement des Fachverbands der Versicherungsmakler und Berater in Versicherungsangelegenheiten zu verdanken.

Bedeutung von Österreichs Mitarbeit im europäischen Maklerverband BIPAR

BIPAR vereint 47 nationale Verbände aus 31 Ländern und vertritt über diese Versicherungsagent:innen, Versicherungsmakler:innen und Finanzvermittler auf europäischer Ebene. Ziel ist es, faire regulatorische Rahmenbedingungen, funktionierenden Wettbewerb, hohen Verbraucherschutz und einen leistungsfähigen Versicherungsmarkt sicherzustellen. Zudem fungiert BIPAR als politische Unterstützungs‑ und Informationsplattform für die nationalen Mitgliedsverbände sowie als Brücke zu den europäischen Institutionen.

KommR Christoph Berghammer, MAS, Fachverbandsobmann der österreichischen Versicherungsmakler und bis Mitte des Vorjahres Mitglied des BIPAR‑Vorstands, betont: "Dass Wien als Austragungsort des BIPAR mid-term meetings ausgewählt wurde, ist auch ein Zeichen der Anerkennung für die konsequente europäische Arbeit unseres Fachverbands. Österreich bringt sich auf Augenhöhe in zentrale Zukunftsfragen der Branche ein."

Yorck Hillegaart, Präsident der European Federation of Insurance Intermediaries (BIPAR)
© eap.at Yorck Hillegaart, Präsident der European Federation of Insurance Intermediaries (BIPAR)

Yorck Hillegaart, Präsident von BIPAR, ergänzte, dass die langjährige Arbeit von Christoph Berghammer besonders gewürdigt wird: "Sein fachliches Engagement im Management Board von BIPAR und die vertrauensvolle, über die Jahre gewachsene freundschaftliche Zusammenarbeit haben wesentlich dazu beigetragen, dass die Anliegen der österreichischen Makler:innen in Europa gehört werden."

Starker "Österreich‑Vormittag" als inhaltlicher Höhepunkt

Ein besonderer Programmpunkt des Treffens war der vom Fachverband organisierte "Österreich‑Vormittag" am Donnerstag. Dabei wurden nationale Perspektiven mit europäischen Entwicklungen verknüpft und zentrale Zukunftsthemen der Versicherungs‑ und Finanzvermittlung beleuchtet.

Dr. Nadine Wiedermann‑Ondrej, Vertreterin der Staatssekretärin im Bundesministerium für Finanzen und ausgewiesene Expertin für finanz‑ und pensionspolitische Fragestellungen, widmete sich in ihrem Impuls den Themen der betrieblichen Altersvorsorge, der privaten Pensionsvorsorge (Stichwort: dritte Säule) sowie der damit eng verbundenen Finanzbildung. Aus der Perspektive des Bundesministeriums für Finanzen spannte sie den Bogen von den demografischen Rahmenbedingungen über die wachsende Bedeutung ergänzender privater Vorsorgemaßnahmen bis hin zur nationalen Finanzbildungsstrategie.

Finanzbildung sei eine zentrale Voraussetzung für fundierte und eigenverantwortliche Vorsorgeentscheidungen – insbesondere vor dem Hintergrund der langfristigen Herausforderungen in der staatlichen Pensionsfinanzierung. Die dritte Säule könne dabei einen wesentlichen Beitrag zur Schließung individueller Vorsorgelücken leisten, sofern sie verständlich, transparent und professionell vermittelt werde.

Ministerialrat MMag. Stefan Trojer aus dem Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus beleuchtete in seinem Beitrag die zentralen regulatorischen Rahmenbedingungen für Versicherungsvermittler:innen in Österreich. Als zuständiger Experte für die aufsichtsrechtliche Betreuung der Versicherungsvermittlung sowie für die Prävention von Geldwäsche ging er insbesondere auf aktuelle und kommende europäische Regelungsvorhaben mit unmittelbarer Bedeutung für die Vermittlerpraxis ein.

Dabei spannte er den Bogen von den Erfahrungen aus der nationalen Umsetzung der Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD) und der Versicherungsvermittlungsrichtlinie (IMD) bis hin zu den Herausforderungen der bevorstehenden nationalen Implementierung der RIS in die österreichische Gewerbeordnung, die maßgeblich die zukünftigen rechtlichen Rahmenbedingungen der Branche prägen wird.

Best-Advice-Prinzip: Sicherstellung qualitätsvoller Versicherungsvermittlung

Prof. Mag. Erwin Gisch, MBA, Geschäftsführer des Fachverbands der Versicherungsmakler und Berater in Versicherungsangelegenheiten, skizzierte die zentralen Strukturen des österreichischen Versicherungsmarkts, der mit mehr als 50 Millionen Verträgen und einem Prämienvolumen von rund 21,4 Milliarden Euro zu den versicherungsintensivsten Märkten Europas zählt.

Trotz einer vergleichsweise hohen Marktkonzentration ist die Versicherungsvermittlung stark durch kleine und mittlere Unternehmen geprägt und regional verankert. Als wesentliches Qualitätsmerkmal nannte Gisch das seit 1996 bestehende eigenständige Maklergesetz mit dem Best-Advice-Prinzip, das eine treuhänderische Interessenwahrung und qualitätsvolle Beratung sicherstellt. Darüber hinaus bietet der Fachverband mit der Rechtsservice- und Schlichtungsstelle (RSS) eine eigene Serviceeinrichtung an, die als anerkanntes Best-Practice-Modell für die außergerichtliche Konfliktlösung gilt.

"Women Wanted" auf dem BIPAR mid-term meeting 

Katharina Freingruber, LL.B., Fachgruppenobfrau der Versicherungsmakler im Burgenland, Geschäftsführerin der CREDO Versicherungsmakler GmbH und Leiterin des Arbeitskreises "Women Wanted", stellte die Initiative des Fachverbands zur Stärkung von Frauen in der Versicherungsvermittlung vor. Ziel sei es, Sichtbarkeit, Vernetzung und Karrierechancen systematisch auszubauen.

Teilnehmerinnen des Women Wanted Get‑together auf dem BIPAR mid-term meeting 2026 in Wien
© Lichtblick KG | Sabine Klimpt Teilnehmer:innen des "Women Wanted Get‑together"

"Women Wanted" verstehe sich dabei nicht nur als Projekt, sondern als Plattform und Impulsgeber für strukturelle Weiterentwicklung in der Branche.

Mit Netzwerktreffen, Sichtbarmachung weiblicher Role-Models und Initiativen wie "Versicherungsmakler:in macht Schule" leiste die Initiative einen wichtigen Beitrag zur Nachwuchsarbeit und zur langfristigen Sicherung von Vielfalt und Fachkräften. 

Bereits am Vorabend des BIPAR mid-term meetings lud der Fachverband zum "Women Wanted Get‑together" in Wien. Rund 25 Teilnehmer:innen aus dem In‑ und Ausland – Frauen ebenso wie unterstützende männliche Branchenvertreter – nutzten das Format für Austausch und Vernetzung.

Ein besonderer Höhepunkt war die Keynote von Dr. Judit Havasi, Vorstandsvorsitzende der DONAU Versicherung, die in ihrem Impuls zu Female Leadership eindrucksvoll aufzeigte, wie Führung, Verantwortung und Vielfalt zusammenspielen. Zudem unterstrich eine Videobotschaft von Martha Schultz, erste weibliche Präsidentin der Wirtschaftskammer Österreich, die Bedeutung sichtbarer weiblicher Vorbilder. Das Get‑together machte deutlich: "Women Wanted" versteht Gleichstellung als gemeinsame Aufgabe – getragen von starken Role-Models und internationaler Unterstützung.

Europäischer Austausch in kulturellem Rahmen

Auch das Rahmenprogramm des BIPAR mid-term meetings bot Gelegenheit zum intensiven internationalen Austausch. Die europäische Delegation ließ den ersten Konferenztag bei einem vom Fachverband organisierten und von der Vienna Insurance Group (VIG) gesponserten Abendprogramm ausklingen.

Eine Führung mit Österreich‑Bezug im Leopold Museum sowie anschließende Networking‑Gelegenheiten in der "Libelle" im MuseumsQuartier boten einen informellen Rahmen für Gespräche und Vernetzung über Ländergrenzen hinweg.

Der Freitagvormittag, an dem der zweite Teil des mid term meetings stattfand, rundete die insgesamt äußerst erfolgreiche Konferenz ab.

Christoph Berghammer abschließend: "Der intensive Dialog mit unseren europäischen Partnerverbänden zeigt, dass viele Herausforderungen national unterschiedlich erscheinen, in Wahrheit aber europäische Lösungen brauchen. Das BIPAR mid-term meeting in Wien hat dafür ein starkes Signal gesetzt."

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