EPU mit Leidenschaft selbständig – Arbeiten in der Pension gewinnt deutlich an Bedeutung
Laut jüngster WKÖ-Statistik gibt es in der gewerblichen Wirtschaft in Österreich 376.112 Ein-Personen-Unternehmen (EPU), das sind um 3,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Ihr Anteil an den aktiven WKÖ-Mitgliedern liegt bei 62,1 Prozent.
Lesedauer: 4 Minuten
"376.112 EPU und ein Anteil von mehr als 62 Prozent zeigen klar: Ein-Personen-Unternehmen sind ein Schlüsselfaktor der heimischen Wirtschaft. Sie beleben Regionen und Branchen, stehen für unternehmerische Dynamik und brauchen dafür verlässliche, praxistaugliche Rahmenbedingungen", sagt Martha Schultz, Präsidentin der Wirtschaftskammer Österreich.
Besonders hoch ist der EPU-Anteil in den Sparten Gewerbe und Handwerk (69,2 Prozent), Information und Consulting (60,5 Prozent) sowie Handel (51,6 Prozent). In einzelnen Branchen dominieren EPU deutlich – etwa in der Personenberatung und Personenbetreuung (98,0 Prozent), im Direktvertrieb (93,2 Prozent), im Kunsthandwerk (89,5 Prozent) und in der Berufsfotografie (88,4 Prozent). Ohne Personenbetreuung gibt es in der gewerblichen Wirtschaft 319.172 EPU.
Selbständig aus Leidenschaft
Der aktuelle EPU-Monitoringbericht 2025/2026 zeigt, dass viele EPU aus Überzeugung und mit großer unternehmerischer Leidenschaft den Schritt in die Selbständigkeit setzen. Die zentralen positiven Motive für den Schritt in die Selbständigkeit haben weiter an Bedeutung gewonnen: Unabhängigkeit erreicht mit 83 Prozent den höchsten bisher gemessenen Wert, gefolgt von Selbstverwirklichung (77 Prozent) und flexibler Zeiteinteilung (71 Prozent). Auch das Erkennen einer Marktchance beziehungsweise die Umsetzung einer Produktidee als Gründungsmotiv ist gegenüber der Erhebung 2024 deutlich gestiegen – von 42 auf 49 Prozent.
Besonders auffällig: Der Wunsch, auch in der Pension selbständig zu sein und einen Zuverdienst zu erzielen, gewinnt deutlich an Bedeutung: Er steigt von 21 auf 33 Prozent.
Drei Viertel der EPU sind hauptberuflich selbständig
Die Studie zeigt, wie vielfältig EPU heute tatsächlich arbeiten: 74 Prozent sind hauptberuflich selbständig. 26 Prozent führen ihr Unternehmen nebenberuflich. Fast die Hälfte der EPU arbeitet überwiegend von zu Hause aus, während Vollzeit-EPU häufiger einen eigenen Unternehmensstandort haben.
Selbständigkeit im Alter gewinnt an Attraktivität
Selbständigkeit in der Pension gewinnt deutlich an Bedeutung. Fast ein Fünftel (19 Prozent) der EPU sind Silverpreneure, also Unternehmerinnen und Unternehmer, die neben ihrer selbständigen Tätigkeit bereits eine Pension beziehen. 2016 waren es erst 6 Prozent. 44 Prozent der EPU im Erwerbsalter geben zudem an, auch nach dem Pensionsantritt ihre unternehmerischen Ideen weiter umsetzen zu wollen.
Als Gründe für die späte Entscheidung für das Unternehmertum werden von den pensionierten Gründer:innen vorwiegend das Interesse, die Freude und Begeisterung an der Arbeit sowie der Wunsch nach einer sinnvollen Beschäftigung im Ruhestand genannt. Finanzielle Aspekte spielen hingegen nur eine untergeordnete Rolle.
"Der Monitoringbericht zeigt: Für viele EPU endet unternehmerische Tätigkeit nicht mit dem Pensionsantritt. Sie bleiben aus Interesse, Freude und Begeisterung aktiv, wollen ihre Erfahrung einbringen und ihre Ideen auch im Ruhestand weiter umsetzen", sagt Lukas Sprenger, Abteilungsleiter Zielgruppenmanagement der Wirtschaftskammer Österreich.
Leicht verbesserte Umsatzentwicklung
Nach der Umsatzentwicklung von 2024 auf 2025 betrachtet verzeichnen drei Viertel der EPU stabile beziehungsweise wachsende nominelle Umsätze. Gleichzeitig erzielte ein Viertel der EPU 2025 einen Jahresumsatz von mehr als 100.000 Euro. Für viele kleinere Betriebe gewinnt jetzt auch die Anhebung der Kleinunternehmerregelung auf 55.000 Euro besonders an Bedeutung.
Exportaktiv sind bereits 25 Prozent der EPU. Wichtigster Auslandsmarkt ist Deutschland (80 Prozent), gefolgt von der Schweiz (35 Prozent), Italien (27 Prozent) sowie weiteren europäischen Märkten außerhalb der Nachbarländer (31 Prozent).
WKÖ: Wichtige Schritte erreicht, weiterer Handlungsbedarf bleibt
Mit der Aktivpension und dem Steuerfreibetrag von bis zu 15.000 Euro für Arbeiten über das Regelpensionsalter hinaus wurden wichtige Schritte für EPU auf den Weg gebracht. Auch die Anhebung der Kleinunternehmergrenze auf 55.000 Euro ist eine wichtige Unterstützung für kleine Unternehmen und ein konkreter Beitrag zum Bürokratieabbau. Gleichzeitig zeigt die Studie klar, dass es weiteren Handlungsbedarf gibt – insbesondere dort, wo Selbständigkeit im Alter, Investitionen und kleine Unternehmen in der Praxis noch durch Bürokratie gebremst werden.
„Mit der Aktivpension, dem Steuerfreibetrag von bis zu 15.000 Euro und der Anhebung der Kleinunternehmergrenze wurden wichtige Entlastungen für EPU erreicht. Jetzt kommt es darauf an, Bürokratie weiter abzubauen und den Entlastungskurs fortzusetzen“, so Schultz.
Daher setzt sich die WKÖ insbesondere für folgende Punkte ein:
- Bürokratieabbau, wie eine weitere Anhebung der Kleinunternehmerregelung auf die maximale Grenze von 85.000 Euro gemäß EU-Rechtsrahmen
- Verbesserungen beim Gewinnfreibetrag
- Anhebung der Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter auf 2.500 Euro, um Investitionen zu erleichtern und bürokratischen Aufwand zu senken
Zufriedenheit mit Wirtschaftskammer auf hohem Niveau
Die Nutzung der Wirtschaftskammer-Services durch EPU ist hoch: Jedes zweite EPU (50 Prozent) nutzt die vielfältigen Angebote. Auch die Zufriedenheit ist ausgesprochen positiv: 83 Prozent sind sehr oder eher mit den Wirtschaftskammer-Services zufrieden. Genutzt werden unter anderem Online-Tools wie der SV- und Steuer-Rechner, der Preisrechner, praxisbezogene Handbücher sowie eine breite Palette an Webinaren. Weitere Informationen: www.epu.wko.at
Zur Methodik: Die Strukturzahlen basieren auf der WKÖ-Statistik „Ein-Personen-Unternehmen in Österreich – Daten 2025“ (Stand: Dezember 2025). Die Befragungsergebnisse stammen aus dem EPU-Monitoringbericht 2025/2026 der KMU Forschung Austria im Auftrag der WKÖ (Stand: April 2026); dafür wurden zwischen Mitte März und Anfang April 2026 2.135 EPU befragt.