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Zwei Personen unterschiedlichen Alters stehen in einer Greißlerei hinter einer Vitrine. Die jüngere Person trägt Arbeitskleidung. Beide lächeln zufrieden. Im Hintergrund sind Lebensmittel und Getränke in Vitrinen und Regalen zu sehen.
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Generationenwechsel in der Wirtschaft als Chance nutzen

Rund 56.600 Arbeitgeberunternehmen stehen bis 2035 zur Übergabe an. Die WKÖ fordert dafür Steuerentlastung, bessere Finanzierung und Bürokratieabbau.

Lesedauer: 4 Minuten

Aktualisiert am 17.10.2026

Die wichtigsten Zahlen zur Unternehmensnachfolge auf einen Blick

  • 56.600 Arbeitgeberunternehmen stehen bis 2035 zur Übergabe an.
  • Fast 780.000 Arbeitsplätze sind in diesen Unternehmen angesiedelt.
  • 14 Arbeitsplätze sichert eine erfolgreiche Nachfolge im Durchschnitt.
  • Rund 1,1 Mio. Euro direkte Wertschöpfung pro Jahr stehen im Durchschnitt hinter einer erfolgreichen Nachfolge. 

Quelle: KMU Forschung Austria

Eine Studie der KMU Forschung Austria im Auftrag der WKÖ und des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) zeigt die wirtschaftliche Bedeutung des bevorstehenden Generationenwechsels in der österreichischen Unternehmenslandschaft. Mit erfolgreichen Betriebsübergaben bleiben nicht nur Arbeitsplätze erhalten, sondern auch eingespielte Teams, bestehende Kundenbeziehungen und regional verankerte Wirtschaftsstrukturen.

Unternehmensnachfolge als wirtschaftliche Chance

Eine Betriebsübernahme bietet die Möglichkeit, auf bestehenden Strukturen aufzubauen und gleichzeitig neue unternehmerische Impulse zu setzen. Mehr als die Hälfte der Nachfolgerinnen und Nachfolger steigert nach der Übernahme die Investitionen, etwa in Modernisierung und Digitalisierung.

WKÖ-Präsidentin Martha Schultz betont: „Die Übernahme eines bestehenden Betriebs ist ein attraktiver Weg in die Selbstständigkeit. Ein bestehender Kundenstock, erfahrene Fachkräfte und gewachsene Strukturen bieten eine gute Grundlage, um eigene Ideen umzusetzen und das Unternehmen weiterzuentwickeln.“

Finanzierung und steuerliche Belastung als zentrale Hürden

Bereits 55 Prozent der Unternehmensübergaben erfolgen außerhalb der Familie. Neben der Suche nach geeigneten Nachfolger:innen sind vor allem die finanziellen Rahmenbedingungen entscheidend.

Laut Studie sehen 70 Prozent der potenziellen Übergeber:innen die Finanzierung durch die Nachfolger:innen als Herausforderung. 66 Prozent nennen die steuerliche Belastung. Unter den Nachfolger:innen bezeichnen rund 60 Prozent die steuerliche Belastung beziehungsweise den Investitionsbedarf als Hürde.

Bei entgeltlichen Betriebsübernahmen müssen Nachfolger:innen häufig sowohl den Kaufpreis als auch notwendige Investitionen finanzieren.

Dazu erklärt WKÖ-Präsidentin Martha Schultz: „Wer einen Betrieb übernimmt, muss oft gleichzeitig den Kaufpreis und notwendige Investitionen stemmen. Hohe Steuern und Bürokratie machen es zusätzlich schwer.“

WKÖ fordert steuerliche Entlastungen und weniger Bürokratie

Um erfolgreiche Unternehmensnachfolgen zu erleichtern, setzt sich die WKÖ insbesondere für drei Verbesserungen ein:

1. Steuerliche Entlastungen

Der Freibetrag für Veräußerungsgewinne soll – wie im Regierungsprogramm vorgesehen – von 7.300 auf 45.000 Euro steigen. Zusätzlich fordert die WKÖ einen Sondersteuersatz von 20 Prozent sowie die Möglichkeit, steuerliche Begünstigungen miteinander zu kombinieren.

2. Bessere Finanzierungsmöglichkeiten

Ein steuerlicher Beteiligungsfreibetrag für privates Kapital von bis zu 100.000 Euro über fünf Jahre soll Investitionen in Betriebsübernahmen erleichtern und die Eigenkapitalausstattung stärken. Auch die Investitionsanreize sollen verbessert werden.

3. Weniger bürokratische Hürden

Ein österreichweit einheitlicher digitaler One-Stop-Shop soll Meldungen und Verfahren bei der Gründung im Zuge einer Betriebsübernahme bündeln. Die geplante Verlängerung der sogenannten Grace Period von drei auf fünf Jahre ist aus Sicht der WKÖ ein erster wichtiger Erfolg. Sie soll auch auf familienexterne Nachfolgen ausgeweitet werden.

Weitere Maßnahmen zur Erleichterung von Betriebsübernahmen

Mit dem KMU-Paket hat die Bundesregierung bereits Entlastungsmaßnahmen auf den Weg gebracht. Dazu zählen der bis Ende 2026 verdoppelte reguläre Investitionsfreibetrag, die ausgeweitete Basispauschalierung und die NoVA-Befreiung für leichte Nutzfahrzeuge zur Güterbeförderung.

Mit der Novelle der Gewerbeordnung sind weitere Erleichterungen vorgesehen. Die Übergangsfrist zur Erfüllung bestimmter Auflagen bei Betriebsübernahmen soll von drei auf fünf Jahre verlängert werden. Zudem soll die Gültigkeitsdauer bestehender Betriebsanlagengenehmigungen bei einer Betriebsunterbrechung von fünf auf zehn Jahre steigen.

Die gemeinsame Nachfolge-Taskforce von WKÖ und BMWET arbeitet ebenfalls daran, bestehende Hürden bei Betriebsübergaben abzubauen.

Unterstützung bei der Unternehmensnachfolge

Die Wirtschaftskammerorganisation begleitet Unternehmer:innen bei der Übergabe und Übernahme von Betrieben. Das Angebot umfasst persönliche Beratung, die kostenlose Nachfolgebörse, Leitfäden, Checklisten und die Roadmap „Einfach Nachfolgen“.

Das gemeinsame Programm NextGen4Austria von WKÖ und BMWET bereitet künftige Nachfolger:innen auf die Unternehmensführung vor. Der zweite Lehrgang startet im Jänner 2027. Bewerbungen sind bis 27. November 2026 möglich.

Mit dem Nachfolgeherbst 2026 bieten die Wirtschaftskammern gemeinsam mit dem BMWET bis Ende November österreichweit Informationsveranstaltungen, Workshops, Webinare und Beratungsformate rund um Betriebsübergaben.

Weitere Informationen und Services: gruenderservice.at/nachfolge

Unternehmensnachfolgen nach Wirtschaftssektoren

Der bevorstehende Generationenwechsel betrifft nahezu alle Wirtschaftsbereiche. Die meisten potenziellen Übergabefälle entfallen auf den Handel sowie die freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen. Besonders viele Beschäftigte sind in Produktion und Handel betroffen: zusammen rund 350.000.