Zum Inhalt springen
Banner zur „1. WPBI-Jahreskonferenz“ am 29. September 2026 von 14:30 bis 18:00 Uhr an der WU Wien, Festsaal 2.<br />
Block 1 behandelt Industriepolitik. Als Keynote-Speaker ist Timo Wollmershäuser vom ifo Institut angegeben. Block 2 behandelt internationalen Handel. Als Keynote-Speaker ist Gabriel Felbermayr vom WIFO angegeben. Neben den Programminformationen steht die Aufforderung „Jetzt anmelden!“.
© WKO

Rückblick: 1. WPBl-Jahreskonferenz

29. September 2026 in Wien: Einblicke und Debatten zu Industriepolitik sowie Internationalem Handel

Lesedauer: 5 Minuten

07.10.2026
Podiumsteilnehmer:innen der „1. WPBI-Jahreskonferenz“ am 29. September 2026
© WKO

Wirtschaftspolitischer Dialog in Zeiten des Umbruchs

Was kann, soll und darf Industriepolitik heute leisten? Und ist der Freihandel, wie wir ihn kannten, vorbei oder braucht er ein Update? 

Diese beiden Leitfragen standen am 29. September 2026 im Mittelpunkt der 1. WPBl-Jahreskonferenz. Im Festsaal der WU Wien diskutierten renommierte Expert:innen aus Wissenschaft und Praxis über den industriellen Strukturwandel, die Wettbewerbsfähigkeit Europas und die Neuordnung des internationalen Handels. Angelehnt and die vorangegangenen Hefte der Wirtschaftspolitischen Blätter (WPBl) boten sie fundierte Einblicke in den Themenblöcken Industriepolitik (Heft 2 | 2025) und internationaler Handel (Heft 1 | 2026). 

Geopolitische Spannungen, Protektionismus und tiefgreifende technologische Veränderungen stellen Unternehmen und die Wirtschaftspolitik vor neue Herausforderungen. Umso wichtiger ist ein fundierter Austausch darüber, wie wirtschaftliche Offenheit, Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz künftig miteinander verbunden werden können.

Die Konferenz führte den Anspruch der Wirtschaftspolitischen Blätter in einem neuen Format weiter: wissenschaftliche Erkenntnisse allgemein verständlich aufzubereiten, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und damit Orientierung für wirtschaftspolitische Entscheidungen zu geben. Seit ihrer Neuauflage im Herbst 2024 haben die WPBl vier Ausgaben mit 44 Beiträgen von insgesamt 80 Autor:innen veröffentlicht. Die Jahreskonferenz schuf nun erstmals einen eigenen Raum für den direkten wirtschaftspolitischen Austausch. 

Das gesamte WPBl-Team bedankt sich herzlich bei allen Speaker:innen, Teilnehmenden und Partnern für die gelungene Veranstaltung!  

Block 1: Industriepolitik 

Den ersten Themenblock eröffnete Timo Wollmershäuser, Leiter der Konjunkturforschung und -prognosen am ifo Institut für Wirtschaftsforschung mit einer Keynote zum Strukturwandel und zur Zukunft der Industrie. Seine zentrale Botschaft: Industrieunternehmen verkaufen längst nicht mehr nur Güter. Digitale Lösungen, datenbasierte Dienstleistungen und kontinuierliche Services gewinnen zunehmend an Bedeutung. 

Am Beispiel der Automobilindustrie verdeutlichte er diese Entwicklung mit dem Bild des Übergangs vom SUV zum SDV, dem „Software Defined Vehicle“. Der industrielle Strukturwandel verändert damit nicht nur Produkte und Geschäftsmodelle, sondern auch die Anforderungen an Kompetenzen, Investitionen und wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen. 

In der von Claudia Huber, Leiterin der Abteilung Wirtschaftspolitik in der WKÖ, moderierten Panel-Diskussion wurden insbesondere vier Handlungsfelder hervorgehoben: Fachkräfte und Qualifikationen, Finanzierung und Investitionen, Energie und Resilienz, sowie Technologie und Daten.

Holger Bonin, Direktor des IHS, verwies auf die Verschiebung industrieller Arbeitsplätze hin zu service- und technologieorientierten Tätigkeiten. Monika Köppl-Turyna, Direktorin von EcoAustria, betonte die Bedeutung verlässlicher Rahmenbedingungen und ausreichender Investitionsmöglichkeiten. Andreas Reinstaller vom Büro des Produktivitätsrates der OeNB hob die Bedeutung industrieller Daten und des europäischen Know-hows hervor. Europa müsse seine bestehenden Stärken rasch nutzen und weiterentwickeln. 

Keynote „Industriepolitik“

Block 2: Internationaler Handel

Der zweite Themenblock widmete sich der Frage, wie internationale Handelsbeziehungen unter veränderten geopolitischen Vorzeichen gestaltet werden können. Gabriel Felbermayr, Direktor des WIFO, zeichnete in seiner Keynote die geopolitischen Veränderungen der vergangenen Jahre nach und erläuterte deren Auswirkungen auf den Freihandel sowie die Schutzwirkung des EU-Binnenmarktes. Globalisierung und Freihandel müssten unter den neuen Bedingungen anders verstanden werden.

Die internationale Arbeitsteilung bleibe ein wesentlicher Wohlstandsmotor. Gleichzeitig veränderten Handelsbarrieren, strategische Abhängigkeiten und die Rivalität großer Wirtschaftsräume die Rahmenbedingungen für Unternehmen und Volkswirtschaften.  

Im anschließenden, von Katharina Filip, Chefredakteurin der WPBl, moderierten Panel diskutierten Peter Klimek, Direktor des ASCII, Harald Oberhofer von der WU Wien und dem WIFO, Samina Sultan vom IW Institut der deutschen Wirtschaft sowie Gabriel Felbermayr über die Folgen der neuen Handelspolitik und mögliche europäische Antworten. 

Im Zentrum standen die wirtschaftlichen Folgen neuer Zölle, die Widerstandsfähigkeit internationaler Lieferketten, der Umgang mit strategischen Abhängigkeiten und die Rolle des europäischen Binnenmarktes.

Als wichtige Ansatzpunkte wurden identifiziert: die Vertiefung und Vollendung des EU-Binnenmarktes, der Ausbau internationaler Handelsabkommen, eine gezielte Diversifizierung von Liefer- und Absatzbeziehungen, eine bessere europäische Koordination, die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, sowie ein selbstbewussteres Auftreten Europas im internationalen Handel.

Der Tenor der Diskussion war klar: Offenheit und Resilienz sind keine Gegensätze. Tragfähige Lösungen lassen sich jedoch immer weniger auf nationaler Ebene allein entwickeln. Europa muss seine Kräfte bündeln, den Binnenmarkt stärken und gemeinsame handelspolitische Interessen entschlossener vertreten.  

Keynote „Internationaler Handel“

WPBl Best Paper Award erstmals vergeben 

Im Rahmen der Konferenz wurde auch erstmals der WPBl Best Paper Award vergeben. Mit dem von der Wirtschaftskammer Österreich gesponserten und mit 1.000 Euro dotierten Preis würdigen die Wirtschaftspolitischen Blätter herausragende wirtschaftswissenschaftliche Forschung von Nachwuchsökonom:innen. Das ausgezeichnete Paper wird zudem in den Wirtschaftspolitischen Blättern veröffentlicht. 

Der erste WPBl Best Paper Award ging an Philipp Steinbrunner für seinen Beitrag: „Greening electricity generation no matter what the cost? Productivity and renewable subsidies" 

Der Beitrag untersucht den Zusammenhang zwischen staatlichen Förderungen für erneuerbare Energien und der Produktivität von Unternehmen im europäischen Stromerzeugungssektor. Er leistet damit einen Beitrag zum besseren Verständnis der Wirkungen eines zentralen Instruments zur Förderung der ökologischen Transformation. Der Artikel erscheint in der Herbstausgabe der Wirtschaftspolitischen Blätter zum Schwerpunktthema „Kooperation und Stabilität“. 

Melden Sie sich jetzt zum kostenlosen Digitalversand an, um stets die aktuelle Ausgabe zu erhalten! 

Zur Anmeldung für das Digital-Abo


Aims & Scope

Im Rahmen von Keynotes und Panels beleuchten hochkarätige Expert:innen diese Themen. Sie haben bereits in den vergangenen Ausgaben der WPBl zur Debatte beigetragen und bringen ihre Perspektiven nun in den direkten Austausch ein. 

Seit 1954 zählen die Wirtschaftspolitischen Blätter zu einem der führenden österreichischen Fachjournale mit dem inhaltlichen Fokus auf angewandte wirtschaftspolitische Fragestellungen.

Die Konferenz zielt darauf ab, aktuelle wirtschaftspolitische Entwicklungen wissenschaftlich einzuordnen und Handlungsfelder zu identifizieren, um den Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis zu stärken. Sie wird von der WKÖ in Kooperation mit EcoAustria, IHS, WIFO und WU Wien veranstaltet.

Logos von LCO Austria – Institut für Wirtschaftsforschung, Institut für Höhere Studien Wien, WIFO, Wirtschaftskammer Österreich und Wirtschaftsuniversität Wien.
© EcoAustria, IHS, WIFO, WKO, WU

Kontakt

Konferenzteam der Wirtschaftspolitischen Blätter
c/o Wirtschaftskammer Österreich
Abteilung für Wirtschaftspolitik
Wiedner Hauptstraße 63
1045 Wien
E: konferenz@wirtschaftspolitischeblaetter.at
W: wirtschaftspolitischeblaetter.at