WKÖ-Danninger: Ältere fördern statt Betriebe bestrafen
Bonus-Malus-System geht an betrieblicher Realität vorbei – aktuelle Arbeitsmarktdaten zeigen: Beschäftigung Älterer steigt stärker als deren Arbeitslosigkeit
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„Wenn Arbeiterkammer und ÖGB erneut nach einem Bonus-Malus-System für Ältere rufen, vergessen sie dabei zwei wesentliche Dinge: Das ist zum einen die betriebliche Realität und das sind zum anderen die Fakten. Denn die aktuellen Arbeitsmarktdaten zeigen: Die Arbeitslosigkeit bei Älteren steigt zwar, aber die Beschäftigung der über 60-Jährigen steigt noch wesentlich stärker – und das trotz einer nach wie vor sehr schwachen Konjunktur“, sagt Jochen Danninger, Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Dies zeige, dass der Arbeitsmarkt den Anstieg des Frauenpensionsantrittsalters gut aufnehme. Nur elf Prozent wechseln direkt aus der Arbeitslosigkeit in die Pension.
Dass nicht jeder Betrieb ältere Mitarbeitende beschäftigt, liegt in erster Linie daran, dass 60 % der 60 bis 64-Jährigen dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stehen, meist einfach, weil sie in Pension sind. Dazu kommt die Struktur der österreichischen Unternehmen: Ein Drittel der Arbeitgeber beschäftigt nur eine Person, 70 Prozent höchstens fünf Personen.
„In Kleinbetrieben können schon rechnerisch nicht alle Altersgruppen vertreten sein. Aber auch nicht in jedem Betrieb ab 20 Beschäftigten ist dies möglich. Etwa finden sich in körperlich belastenden Branchen wie beispielsweise am Bau oder Branchen wie Fitnesscenter, Diskotheken und dergleichen in der Regel überwiegend jüngere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Solche Betriebe pauschal zu bestrafen, ist völlig fehl am Platz“, stellt Danninger klar.
WIFO bestätigt Wirksamkeit gezielter Förderung
Um noch mehr Ältere in Beschäftigung zu bringen, braucht es Danninger zufolge auch gezielte Unterstützung. Als besonders wirksam hat sich hier die Eingliederungsbeihilfe erwiesen, die die Jobaufnahme von arbeitslosen Personen im Alter von 55+ unterstützt. Erst kürzlich hat eine WIFO-Evaluierung die positiven Beschäftigungs- und Einkommenseffekte dieses Instruments bestätigt, auch über die Förderdauer hinaus.
„Wir beobachten, dass die Betriebe den Wert älterer Mitarbeiter immer mehr schätzen und die steigenden Beschäftigungszahlen untermauern das auch. Doch wenn wir noch mehr Ältere in den Arbeitsmarkt integrieren wollen, dann brauchen wir wirksame Förderungen und keine Bestrafungssysteme. Denn solche bringen dem Wirtschafts- und Beschäftigungsstandort mehr Schaden als Nutzen“, so Danninger abschließend.