WKÖ-Danninger zur Lehrstellenförderung: Betriebe brauchen Planungssicherheit
Kürzungen gefährden Lehrstellen - Wirtschaft fordert dauerhafte, nachhaltige Absicherung der Förderung im Budget
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Demnächst endet das Schuljahr, viele junge Menschen stecken ihre berufliche Zukunft ab. Auch die Betriebe haben längst begonnen, das Ausbildungsjahr 2026/2027 vorzuplanen. Sie haben aber weiterhin keinerlei Gewissheit, wie es mit der Betrieblichen Lehrstellenförderung weitergeht. Den Ausbildungsbetrieben droht damit ein böses Erwachen: In wenigen Wochen werden die Budgetmittel ausgeschöpft sein. Ein Förderstopp wäre die Folge, warnt die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) als auszahlende Stelle. Der Grund: Die staatlichen Mittel für die Lehrstellenförderung wurden 2023 gedeckelt und seither nicht an die Inflation wertangepasst (valorisiert). Eine von der WKÖ geforderte Lösung und Einigung zwischen Wirtschafts-, Finanz- und Sozialministerium ist weiterhin ausständig.
Wir brauchen mehr und nicht weniger Lehrlinge
"Wir fordern ein klares Bekenntnis zur betrieblichen Ausbildung. Wir brauchen mehr, nicht weniger Lehrlinge", betont Jochen Danninger, Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). "Unsere 26.400 Ausbildungsbetriebe nehmen hohen personellen wie finanziellen Aufwand in Kauf, um jungen Menschen eine sichere berufliche Zukunft zu bieten. Dafür verdienen sie Respekt, Wertschätzung und Unterstützung. Wir brauchen jetzt im Zuge der Budgetverhandlungen eine nachhaltige und dauerhafte Absicherung der Lehrlingsförderung. Sonst sägen wir bei der Fachkräfteausbildung an dem Ast, auf dem wir sitzen."
Konkret fehlen heuer 74 Millionen Euro, um die aus den Vorjahren übernommene Unterdotierung und die gestiegenen Kosten abzudecken. Die Basisförderung bemisst sich nämlich an den Lehrlingseinkommen, die zuletzt stark gestiegen sind (Ausbildungsbetriebe erhalten je nach Lehrjahr ein bis drei von 14 ausbezahlten Monatseinkommen abgegolten). Und auch die Internatskosten, die seit 2023 aus dem Topf der Lehrstellenförderung beglichen werden, sind stark gestiegen.
"Die Betriebe übernehmen mit der Lehrlingsausbildung eine Leistung im Interesse der Allgemeinheit und helfen dem Staat damit effektiv beim Sparen", betont Danninger.
Er weist auf die Fakten hin:
- Ausbildungsbetriebe investieren pro Jahr im Durchschnitt rund 25.500 Euro in die Ausbildung eines Lehrlings. In Summe sind das mehr als 2,5 Milliarden Euro allein für die Lehrlingsausbildung. Die Förderungen decken davon nur einen Bruchteil ab.
- Die betriebliche Ausbildung ist für die öffentliche Hand die mit großem Abstand günstigste Ausbildungsform: Alternativen wie die Überbetriebliche Ausbildung (ÜBA) im AMS-Auftrag kosten das Dreifache.
- Zwei Drittel der Betriebe in Österreich haben genau einen oder nur zwei Lehrlinge. Viele der Klein- und Mittelbetriebe sind besonders auf die Unterstützung angewiesen. Ohne ihre Ausbildungsleistung gehen Arbeitsplätze für junge Menschen besonders in strukturschwachen ländlichen Regionen dauerhaft verloren.
"Die Lehrlingseinkommen sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Die Betriebe bezahlen das und sind in Vorleistung gegangen, damit die Lehre attraktiv bleibt. Jetzt darf man sie und die jungen Menschen nicht im Regen stehen lassen", so Danninger.
Er fordert das Finanz- und das Sozialministerium auf, ihre Blockadehaltung aufzugeben. Schließlich seien in den Budgetverhandlungen auch Mittel für Beschäftigungsmaßnahmen für Arbeitslose und für einen Transformationsfonds gefunden worden. "Die Lehrlinge von heute sind unsere Fachkräfte von morgen. Wenn wir den Fachkräftemangel nicht massiv verschärfen wollen, braucht es eine zukunftsfähige Lösung und Planungssicherheit."
(PWK228/HSP)