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Generalsekretär Mag. Jochen Danninger sitzend im Gespräch mit einer Person in rosa Oberteil
© WKÖ | Marek Knopp

WKÖ-Danninger: Arbeitsmarktpolitik muss Bedürfnisse der Betriebe berücksichtigen

Abkehr vom erfolgreichen Prinzip „Fördern und Fordern“ bei Vorgaben des Arbeitsministeriums geht an Realität vorbei - Bonus-Malus-System wäre kontraproduktiv

Lesedauer: 1 Minute

Aktualisiert am 01.09.2026

Die Arbeitslosigkeit steigt zwar weiter, aber wir haben auch bei der Beschäftigung Zuwächse. Darauf gilt es aufzubauen und die Arbeitsmarktpolitik zukunftsfit aufzustellen.

Bei den gestern von Bundesministerin Korinna Schumann vorgestellten arbeitsmarktpolitischen Zielvorgaben für das Arbeitsmarktservice (AMS) gebe es dazu noch zu wenig wirksame Ansätze. „Die zentralen Herausforderungen für den österreichischen Arbeitsmarkt wie demografischer Wandel, Fachkräftemangel, digitale Transformation, aber auch geopolitische Konflikte sind klar. Doch die präsentierten Antworten darauf orientieren sich zu wenig an den tatsächlichen Bedürfnissen der Betriebe“, kritisiert Danninger.

Er ortet eine Abkehr vom erfolgreichen Prinzip „Fördern und Fordern“. Themen wie Leistungsmissbrauch, die die bisherigen Zielvorgaben auch adressieren, kommen nicht mehr vor. Auch eine rasche Vermittlung ist meist im Interesse der Arbeitslosen, hat aber keinen Vorrang mehr. 

„Stattdessen bei der Beschäftigung von älteren Arbeitskräften nach einem Bonus-Malus-System zu rufen, ist gerade in konjunkturell schwierigen Zeiten der falsche Weg. Das wäre bürokratisch und ungerecht. Die Beschäftigung von Frauen über 60 Jahre hat sich seit 2023 mehr als verdoppelt und das in der längsten Rezession seit 80 Jahren“, so Danninger. 

Kritik übt er auch an den vorgesehenen teuren Programmen des zweiten Arbeitsmarktes, besonders für ältere Arbeitslose ab 55 Jahren. Erwiesenermaßen wirksame und kostengünstigere Programme fehlen in den Zielvorgaben. „Wir wissen, dass etwa die Eingliederungsbeihilfe das wirksamste Förderinstrument insbesondere bei Älteren darstellt, weshalb es sämtliche Experten gerade für Arbeitslose im Alter von 55+ empfehlen. Ein Ausbau der Eingliederungsbeihilfe wäre daher die weitaus bessere Maßnahme als teure Programme, die am Bedarf der Unternehmen vorbeigehen“, so Danninger. 

Außerdem vermisst er konkrete Vorgaben zur wirksamen Bekämpfung des regionalen und qualifikatorischen Mismatch zwischen Arbeitslosen und offenen Stellen. „Dieser Mismatch wird in den Zielvorgaben zwar erwähnt und damit ein wesentliches Problem erkannt. Aber es muss hier mehr Flexibilität und Mobilität von Personen ohne familiäre Verpflichtungen geben, damit die vielen offenen Stellen im Westen besetzt werden können“, sagt Danninger. 

Nachbessern bei Rot-Weiß-Rot-Karte notwendig 

Außerdem fordert der WKÖ-Generalsekretär, die Arbeiten an der ins Stocken geratenen Fachkräftestrategie wieder aufzunehmen und dabei auch die Sozialpartner einzubinden. Ein wichtiger Bereich müsse dabei qualifizierte Zuwanderung sein.

Wir wissen, dass wir die Fachkräftelücke nur mit inländischen Arbeitskräften nicht schließen können. Angesichts der demografischen Entwicklung sind Maßnahmen zur leichteren Rekrutierung von Personen aus Drittländern unerlässlich.

Dazu seien auch Nachbesserungen bei der Rot-Weiß-Rot-Karte nötig. Wichtig sei dabei, die Rot-Weiß-Rot-Karte für Arbeitskräfteüberlasser zu öffnen sowie ein Pilotprojekt für volljährige Lehrlinge aus ausgewählten Drittländern zu starten.

(PWK407/DFS) 

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