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Nahaufnahme eines Ausschnitts einer Tastatur. Eine Taste ist rot und auf ihr steht Export. Daneben ist eine Flagge mit der Österreich-Flagge
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Österreichs Exportwirtschaft blickt verstärkt nach Zentralasien

WKÖ-Wirtschaftsdelegation mit 17 österreichischen Betrieben in Astana und Taschkent – Geopolitisch sensible Region mit wirtschaftlichem Potenzial

Lesedauer: 5 Minuten

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Aktualisiert am 04.05.2026

Anlässlich des Besuchs von Außenministerin Beate Meinl-Reisinger und Innenminister Gerhard Karner in Kasachstan und Usbekistan organisieren die AußenwirtschaftsCenter der WKÖ in Astana und Taschkent zwischen 4. und 8. Mai ein hochrangiges Wirtschaftsprogramm, um neue Exportchancen zu erschließen und die wirtschaftliche Zusammenarbeit gezielt auszubauen.

Mit der von WKÖ-Generalsekretär-Stellvertreterin Eva Liebmann geleiteten Wirtschaftsdelegation reisen 17 heimische Betriebe nach Zentralasien. Auf der Agenda stehen unter anderem Treffen mit dem Minister für Industrie und Bauwesen der Republik Kasachstan, Ersain Nagaspayev (2bc), sowie dem Investitions-, Handels- und Industrieminister Usbekistans, Laziz Kudratov. Außerdem finden in beiden Ländern Netzwerktreffen heimischer Unternehmen mit lokalen Geschäftspartnern statt.

Die Wirtschaftsdelegation will den guten Ruf Österreichs in der Region nutzen und konkrete Geschäftschancen erschließen. Sowohl Kasachstan als auch Usbekistan sind Märkte mit einer jungen, stark wachsenden Bevölkerung und dynamischer Wirtschaftsentwicklung. Für 2026 erwartet der Internationale Währungsfonds trotz der aktuellen Konflikte Wachstumsraten von 4,6 bzw. 6,5 Prozent. Allerdings hängt die Entwicklung der Wirtschaft stark von internationalen Rohstoffpreisen ab.

„Zentralasien steht im Spannungsfeld globaler Interessen: Als Drehscheibe entlang der Seidenstraße verbindet die Region China mit Europa und bewegt sich zugleich in einer geopolitisch herausfordernden Nachbarschaft zu Russland. Als WKÖ sehen wir hier einen klaren strategischen Auftrag: Österreichs Exportwirtschaft muss sich frühzeitig in diesem sich neu ordnenden eurasischen Raum positionieren. Mit unserer Wirtschaftsdelegation wollen wir diese Potenziale nutzen und die Wirtschaftsbeziehungen gezielt vertiefen“, betont Eva Liebmann.

Mehr als 400 österreichische Unternehmen in Kasachstan aktiv

Wichtigste Exportdestination für Österreich in Zentralasien ist Kasachstan mit rund 21 Mio. Einwohner:innen. Im Vorjahr lieferten heimische Unternehmen Waren im Wert von knapp 330 Mio. Euro, ein Plus von 9 Prozent gegenüber 2024. Zu den Exportschlagern „Made in Austria“ zählen medizinische und pharmazeutische Erzeugnisse, Maschinen und Anlagen sowie Mess- und Prüfinstrumente. Mehr als 400 österreichische Unternehmen sind im Markt aktiv, rund 40 betreiben Niederlassungen vor Ort. Gleichzeitig erwirtschaftet Österreich mit Importen von 2,4 Mrd. Euro ein deutliches Handelsbilanzdefizit von zwei Mrd. Euro. Die Einfuhren bestehen zu 99 Prozent aus Erdöl und Erdölprodukten.

Die WKÖ-Internationalisierungsagentur AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA sieht beim Handel mit Kasachstan zusätzliches Potenzial: Das noch nutzbare Exportpotenzial für Österreichs Exportwirtschaft liegt bis 2030 bei rund 290 Mio. Euro.

Konkrete Marktchancen sieht der WKÖ-Wirtschaftsdelegierte in Almaty, Clemens Machal, im Projektgeschäft. Vor allem bei Projekten zur Modernisierung der Industrie ist die Nachfrage nach Qualität aus Österreich groß. Auch im Öl- und Gassektor, im Bergbau, in der Konsumgüterindustrie und beim Ausbau des Gesundheitssektors können Österreichs Firmen mit ihrem Know-how punkten. Größte Herausforderung ist der Preis, da China oder importzollbefreite Länder aus der Eurasischen Wirtschaftsunion Waren günstiger anbieten können. Zunehmend an Bedeutung gewinnt auch der Tourismus, heimische Firmen konnten ihr Know-how bei jungen Skigebieten wie Shymbulak und Oi Quaragai bei Almaty einbringen.

Clemens Machal, WKÖ-Wirtschaftsdelegierter in Almaty: „Kasachstan bietet enormes Potenzial im Projektgeschäft – von Industrie-Modernisierung bis Infrastruktur. Entscheidend ist dabei die richtige lokale Verankerung. Genau hier unterstützen wir als AußenwirtschaftsCenter österreichische Unternehmen mit Markt-Know-how, Kontakten und konkreter Geschäftsanbahnung.“

Kasachstan ist aufgrund seiner Lage zwischen China und Europa sowie seiner reichen Rohstoffvorkommen ein strategisch zentraler Partner. Neben Erdöl verfügt das Land über große Reserven an Uran, Chrom, Kupfer, Zink, Gold sowie an seltenen Erden und Metallen. Die EU hat 2022 eine Rohstoffpartnerschaft abgeschlossen.

Usbekistan: Maschinen und Ausrüstungen aus Österreich gefragt

In den vergangenen zehn Jahren ist das Interesse der österreichischen Wirtschaft an Usbekistan deutlich gestiegen. Grund dafür ist die politische und wirtschaftliche Öffnung des Landes seit 2016. Der Binnenstaat ist mit rund 38 Mio. Einwohner:innen das bevölkerungsreichte Land in Zentralasien. Aus diesem Grund hat die AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA der WKÖ 2024 ein AußenwirtschaftsCenter in Taschkent eröffnet.  

Im Vorjahr stiegen die Warenimporte um mehr als 20 Prozent auf über 150 Mio. Euro – nachdem diese im Jahr 2024 noch leicht rückläufig waren. Der Großteil der österreichischen Ausfuhren nach Usbekistan entfällt auf Maschinen, gefolgt von Messgeräten, Medizintechnik, Pharmaprodukten, Getränken und Kunststoffen. Im Gegensatz zu Kasachstan erwirtschaftet Österreich mit Usbekistan ein deutliches Handelsbilanzplus, die Importe betragen 13 Mio. Euro.

Laut WKÖ-Wirtschaftsdelegierten in Taschkent, Rudolf Lukavsky, sind die Geschäftschancen für die heimische Wirtschaft bei Energie- und Energieeffizienzprojekten, dem Infrastrukturausbau und der Modernisierung des Gesundheitswesens besonders groß. Zudem steigt die Nachfrage in der Landwirtschaft, bei der Modernisierung der Industrie und Infrastruktur, wo Maschinen und Ausrüstungen aus Österreich gefragt sind. Laut Schätzungen sind derzeit rund 40 österreichische Unternehmen mit Niederlassung oder einer Vertretung vor Ort aktiv.

Rudolf Lukavsky, WKÖ-Wirtschaftsdelegierter in Taschkent: „Usbekistan entwickelt sich rasant und öffnet sich zunehmend für internationale Partner. Für österreichische Unternehmen ergeben sich daraus vielfältige Chancen. Wir begleiten sie vor Ort mit unserem Netzwerk und helfen, diese Potenziale erfolgreich zu erschließen.“

Der WKÖ-Wirtschaftsdelegierte sieht Potenzial für eine weitere Intensivierung des Handels: Analysen des International Trade Center (ITC) weisen für heimische Unternehmen in Usbekistan ein zusätzlich nutzbares Exportpotenzial von knapp 180 Mio. Euro aus.

Gestiegen ist auch das touristische Interesse am zentralasiatischen Staat: Usbekistan punktet dank bedeutender Stätten des UNESCO-Weltkulturerbe entlang der Seidenstraße im Kulturtourismus. Wie Kasachstan ist auch Usbekistan reich an Rohstoffen.

Die beiden AußenwirtschaftsCenter in Almaty und Taschkent sind jährlich zentrale Anlaufstellen für rund 300 österreichische Unternehmen und sind damit Drehscheiben für die Markterschließung österreichischer Unternehmen in Zentralasien.