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Eine leerstehende Altbauwohnung mit Parkettboden, weißen Flügeltüren, weißen Wänden und weißen Fensterrahmen. Durch die Fenster scheint Sonne in die Wohnung
© hanohiki | stock.adobe.com

Immobilienwirtschaft schlägt Alarm: Bereits 25.000 Arbeitsplätze verloren

Branchensprecher Roman Oberndorfer und Bauträger-Repräsentant Hans Jörg Ulreich fordern Kurskorrektur bei Finanzierungsbedingungen für die Immobilienwirtschaft

Lesedauer: 4 Minuten

Aktualisiert am 02.11.2026

„Die FMA verkennt, dass übermäßig restriktive Finanzierungsbedingungen längst nicht mehr nur die Immobilienbranche treffen, sondern auch Wertschöpfung und tausende Arbeitsplätze entlang der gesamten Bau- und Immobilienwirtschaft gefährden“, kritisiert Roman Oberndorfer, Obmann des Fachverbandes der Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), die Haltung der FMA zu restriktiven Finanzierungsbedingungen für die Immobilienwirtschaft.

Besonders problematisch sei, dass nach Jahren rückläufiger Bautätigkeit weitere Verschärfungen der Finanzierungsvoraussetzungen vorgesehen sind. So soll der sektorale Systemrisikopuffer für gewerbliche Immobilienfinanzierungen bis Juli 2027 auf 3,5 Prozent angehoben werden.

Nach Zahlen der Immobilienwirtschaft sind seit 2021 bereits rund 25.000 Arbeitsplätze verloren gegangen, weitere 25.000 stehen in den kommenden Jahren auf dem Spiel. Für Hans Jörg Ulreich, Berufsgruppensprecher Bauträger im Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder der WKÖ, ist die Haltung der Finanzmarktaufsicht angesichts dieser Entwicklung nicht mehr nachvollziehbar.

„Wir reden über 25.000 Menschen, deren Arbeitsplätze bereits verschwunden sind, und über weitere 25.000, die um ihre berufliche Zukunft bangen müssen. Gleichzeitig erklärt uns die Finanzmarktaufsicht, es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass ihre Maßnahmen die Bautätigkeit belasten. Man fragt sich mittlerweile, wie viele Arbeitsplätze noch verloren gehen müssen, bevor diese Behörde und Finanzminister Marterbauer die wirtschaftliche Realität zur Kenntnis nehmen und letzterer endlich handelt“, kritisiert ere

Ulreich: WIFO warnt – FMA sieht keinen Handlungsbedar

Besonders brisant ist die jüngste Auseinandersetzung zwischen Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO und Finanzmarktaufsicht: Das WIFO kommt in seiner im Juli veröffentlichten Untersuchung zum Ergebnis, dass der sektorale Systemrisikopuffer für gewerbliche Immobilienfinanzierungen die ohnehin schwache Baukonjunktur zusätzlich belastet und letztlich sogar mietensteigernde Auswirkungen haben kann.

Zielgerichtete Maßnahmen bei einzelnen Kreditinstituten wären aus Sicht der Studienautoren verhältnismäßiger als pauschale Verschärfungen. Die FMA widerspricht dieser Einschätzung. Auf die Frage, ob der Systemrisikopuffer die Bautätigkeit belaste, die Wohnungsknappheit verschärfe oder die Mieten antreibe, lautet ihre Antwort: „Dafür gibt es keine Anhaltspunkte.“

„Wenn das WIFO vor den Folgen einer Maßnahme warnt und die zuständige Behörde diese Warnungen mit einem lapidaren Satz vom Tisch wischt, dann haben wir ein ernsthaftes Problem. Eine Aufsichtsbehörde darf nicht so tun, als hätte ihre Regulierung keinerlei Auswirkungen auf die Realwirtschaft und die Menschen, die hinter den Zahlen stehen“, so Ulreich.

Oberndorfer: „Bankenstabilität und Arbeitsplatzsicherung dürfen kein Widerspruch sein“

WKÖ-Fachverbandsobmann Roman Oberndorfer fordert eine Neubewertung der Maßnahmen. „Niemand bestreitet, dass ein stabiles Bankensystem wichtig ist. Aber die Stabilität von Banken kann nicht isoliert von der Stabilität unserer Unternehmen, der Beschäftigung und der Wohnraumversorgung betrachtet werden. Wenn notwendige Investitionen nicht mehr finanziert werden können, Wohnbauprojekte unterbleiben und Betriebe Beschäftigte abbauen müssen, dann entstehen Schäden, die weit über die Immobilienwirtschaft hinausreichen“, betont er. 

„Wir befinden uns nicht in einem überhitzten Immobilienmarkt, sondern in einer Phase, in der dringend notwendige Investitionen ausbleiben. Der Wohnungsneubau ist massiv zurückgegangen, die Sanierungsquote bleibt unzureichend und der Druck auf die Mieten wächst. In dieser Situation zusätzliche Finanzierungshürden aufzubauen, ist aus unserer Sicht der falsche Weg“, erklärt Oberndorfer.

Ulreich: „Ein sicherer Bankensektor allein baut keine einzige Wohnung“

Noch deutlicher wird Bauträgersprecher Ulreich: „Was nützt uns ein bis ins letzte Detail abgesichertes Bankensystem, wenn die Unternehmen, die Wohnungen bauen sollen, keine Finanzierung mehr bekommen? Banken können noch so sicher sein – sie bauen keine einzige Wohnung und schaffen keinen einzigen Arbeitsplatz auf einer Baustelle.“

Die Konsequenzen einer weiter schrumpfenden Bautätigkeit seien bereits absehbar: weniger neue Wohnungen, weniger Aufträge für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe, weitere Arbeitsplatzverluste und langfristig steigende Wohnkosten.

„Das eigentlich Absurde ist doch: Wir diskutieren täglich darüber, wie Wohnen wieder leistbarer werden soll. Gleichzeitig halten wir an Rahmenbedingungen fest, die notwendige Investitionen erschweren und damit das Wohnungsangebot zusätzlich unter Druck setzen. Das ist keine nachhaltige Wohnbaupolitik“, so Ulreich.

Fachverband der Immobilientreuhänder fordert Überprüfung der Kreditrestriktionen

Der Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder fordert daher eine umgehende Überprüfung der bestehenden regulatorischen Rahmenbedingungen, insbesondere des sektoralen Systemrisikopuffers und seiner geplanten weiteren Anhebung. Ziel müsse eine Kreditvergabe sein, die sowohl der Finanzmarktstabilität als auch den wirtschaftlichen Realitäten der Wohnbauwirtschaft Rechnung trägt.

Fachverbandsobmann Roman Oberndorfer stellt klar: „Wir brauchen keine Entscheidung zwischen sicheren Banken und sicheren Arbeitsplätzen. Wir brauchen Rahmenbedingungen, die beides ermöglichen. Die Politik und die zuständigen Aufsichtsbehörden müssen endlich zur Kenntnis nehmen, dass eine funktionierende Immobilienwirtschaft eine wesentliche Voraussetzung für Beschäftigung, Wertschöpfung und leistbares Wohnen ist.“

Bauträgersprecher Hans Jörg Ulreich meint abschließend: „25.000 verlorene Arbeitsplätze sollten Warnung genug sein. Wenn weitere 25.000 gefährdet sind, ist es höchste Zeit, den Menschen und nicht die Bank an erste Stelle zu stellen.“