Österreichs Industrie fährt mit angezogener Handbremse: Produktion, Aufträge und Jobs unter Druck
WKÖ-Menz und Mörk: „Industriekonjunktur bleibt schwach, hohe Kosten, geopolitische Risiken belasten zunehmend, Beschäftigungsabbau beschleunigt und verfestigt sich“
Lesedauer: 3 Minuten
„Die Industrieproduktion und die Auftragseingänge in Österreich wachsen 2025 nur nominell und das geringfügig, real bleiben sie deutlich unter Druck. Das ist ein klares Warnsignal für den Standort Österreich“ - so fasste Sigi Menz, Obmann der Bundessparte Industrie der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), heute, Mittwoch, bei einer Pressekonferenz zur Industriekonjunktur die Lage zusammen.
Die aktuellen Zahlen zeigen eindeutig: Das nominelle Wachstum täuscht über die tatsächliche Lage hinweg. Real bleibt Österreichs Industrie deutlich unter ihrem Leistungsniveau, wir müssen mit angezogener Handbremse fahren.
Sigi Menz
Obmann der Bundessparte Industrie
„Um die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu sichern, braucht es gezielte wirtschaftspolitische Maßnahmen. Dazu zählen insbesondere die Senkung der Lohnnebenkosten, eine Entlastung bei den Energiepreisen sowie der Abbau bürokratischer Hürden. Der Handlungsbedarf und Lösungsvorschläge liegen mit der von der Bundesregierung beschlossenen Industriestrategie auf dem Tisch. Jetzt braucht es rasch klare Entscheidungen, um den Industriestandort wieder zu stärken und Wachstum zu ermöglichen“, forderten Bundesspartenobmann Menz und Bundessparte-Industrie-Geschäftsführer Andreas Mörk.
Verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit sind entscheidend, damit Unternehmen wieder investieren und Arbeitsplätze sichern können.
Sigi Menz und Andreas Mörk
Obmann und Geschäftsführer der Bundessparte Industrie
Handlungsbedarf ergibt sich aus den besorgniserregenden Ergebnissen der Industriekonjunktur-Erhebung. Demnach hat die österreichische Industrie 2025 zwar einen vorläufigen nominellen Produktionswert von 209 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das sind drei Prozent mehr als im Jahr davor. Dieser Zuwachs reicht jedoch nicht aus, um die massiven Verluste der Vorjahre zu kompensieren. Das Minus von rund 15 Milliarden Euro zwischen 2023 und 2024 konnte damit bei Weitem nicht aufgeholt werden. Vielmehr verliert Österreichs Industrie laufend an Substanz: Seit 2021 beträgt das Minus real rund 12 Prozent bei der abgesetzten Produktion.
Produktion und Auftragseingänge: Industrie bleibt real auf dem Niveau von 2021
Insgesamt bewegt sich die industrielle Leistungskraft nominell wieder auf einem Niveau, das in etwa jenem des Jahres 2021 entspricht. Die nominelle Produktionsleistung ist im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr in sieben von 16 Fachverbänden der WKÖ-Bundessparte Industrie gesunken. In vier davon hält der Rückgang bereits seit 2023 an. Insgesamt gelingt es zwölf von 16 Fachverbänden nicht, das Produktionsniveau von 2022 wieder zu erreichen.
Zu denken geben auch die Auftragseingänge: Nominell stagnieren sie seit mehreren Jahren, auch real bedeutet das einen Verlust, und zwar von rund 12 Prozent.
Industriestandort Österreich unter massivem Kostendruck
Hohe Energiepreise, steigende Lohn- und Lohnnebenkosten sowie zunehmende regulatorische Anforderungen setzen die Industrie massiv unter Druck. Gleichzeitig verschärfen geopolitische Unsicherheiten – wie der aktuelle Konflikt im Nahen Osten sowie die volatilen Energiepreise - die Situation und dämpfen Investitionen sowie Exportchancen nachhaltig.
„Die Kostenentwicklung hat sich zu einem strukturellen Wettbewerbsnachteil entwickelt, der unsere Betriebe zunehmend belastet. Ohne spürbare Entlastungen bei Energie- und Arbeitskosten drohen weitere Investitionsrückgänge und eine Verlagerung von Wertschöpfung ins Ausland“, warnen Bundessparte-Industrie-Obmann Menz und Geschäftsführer Mörk.
Rund 25.000 Industrie-Arbeitsplätze weniger in den vergangenen zwei Jahren
Das hat auch Auswirkungen auf die Beschäftigung: Die Anzahl der in der österreichischen Industrie Beschäftigten ist auch 2025 deutlich zurückgegangen. Der Beschäftigungsabbau zieht sich durch nahezu die gesamte Industrie: In 13 der 16 Fachverbände sinkt 2025 das Eigenpersonal im Vergleich zum Vorjahr.
Besonders deutlich fällt der Rückgang in der Metalltechnischen Industrie, der Fahrzeugindustrie sowie in der Elektro- und Elektronikindustrie aus. In diesen beschäftigungsstarken Fachverbänden zeigt sich das Minus nicht nur von 2024 auf 2025, sondern bereits auch im Jahr davor.
(PWK151/JHR)