Kunststoffverarbeiter: Europa muss Standortpolitik für seine Betriebe machen
Bundesinnung der Kunststoffverarbeiter fordert den konsequenten Abbau regulatorischer Lasten, wettbewerbsfähige Produktionsbedingungen und mehr Pragmatismus.
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Wien (OTS). Europas Unternehmen brauchen dringend mehr Luft zum Arbeiten: Darin waren sich die Vertreter der kunststoffverarbeitenden Branchen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz bei ihrem Dreiländertreffen Ende September in Salzburg einig. Der Handlungsbedarf ist unübersehbar: Zu viel Bürokratie, hohe Energie- und Produktionskosten sowie immer neue regulatorische Vorgaben schwächen die Wettbewerbsfähigkeit und erschweren Investitionen in Europa.
„Europa muss dringend vom Verwalten zurück zum Ermöglichen kommen. Unsere Betriebe brauchen nicht immer neue Detailvorschriften, sondern verlässliche und wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen. Brüssel darf die Unternehmen nicht mit Bürokratie lähmen, sondern muss dafür sorgen, dass Produktion, Innovation und Investitionen in Europa wieder attraktiv werden“, fordert Mag. Markus Brunnthaler, Bundesinnungsmeister-Stv. der Kunststoffverarbeiter in der Wirtschaftskammer Österreich.
Weniger Regeln, mehr Praxistauglichkeit
Besonders kritisch sieht die Branche die zunehmende Dichte und Komplexität europäischer Vorschriften. Bei Regelwerken wie der EU-Verpackungsverordnung zeigt sich, wie sehr die regulatorischen Anforderungen ausufern. Das europäische Regelwerk umfasst mit 124 Seiten ein Vielfaches der Schweizer Bestimmungen mit 12 Seiten; mehr als 30 ergänzende Rechtsakte kommen in der EU noch obendrauf.
Hier brauche es nicht punktuelle Nachbesserungen, sondern einen grundlegenden Richtungswechsel. „Bürokratieabbau heißt nicht, aus 100 Seiten 90 zu machen. Wir brauchen einen echten Rückbau. Jede Vorschrift muss auf ihre Notwendigkeit, Praxistauglichkeit und Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit geprüft werden. Regeln, die Betriebe unverhältnismäßig belasten, müssen gestrichen werden“, so Bundesinnungsmeister-Stv. KommR Erika Lottmann. Auch im Bereich Gebäude, Verpackungen oder in der Fahrzeugverwertung müssten die Regelungen in der betrieblichen Realität umsetzbar sein.
Kreislaufwirtschaft braucht funktionierende Märkte
Beim Ausbau der Kreislaufwirtschaft bzw. dem für Ende 2026 angekündigten Circular Economy Act plädiert die Branchenvertretung für einen praxisnahen Zugang, der Kunststoffabfälle als wertvolle Rohstoffe möglichst im Stoffkreislauf hält.
„Kunststoffe, die recycelt oder weiterverwertet werden können, gehören nicht auf die Deponie. Wir müssen Rohstoffe im Kreislauf halten und dafür sorgen, dass Recycling wirtschaftlich funktioniert“, sagt Bundesinnungsmeister Ing. Frank Böhler.
Europa darf seine Kostenprobleme nicht ignorieren
Neben der Bürokratie belasten vor allem die hohen Energie- und Produktionskosten den Standort. Die Unternehmen der Kunststoffverarbeitung stehen in einem besonders intensiven internationalen Wettbewerb mit Anbietern aus Regionen, in denen Energie deutlich günstiger ist. Initiativen wie „Made in EU“ werden grundsätzlich begrüßt, dürfen aber zugleich bestehende und gut funktionierende Wertschöpfungsketten nicht gefährden.
„Dauerhaft höhere Energiepreise, steigende Auflagen und langwierige Verfahren sind eine gefährliche Kombination. Europa muss endlich wieder Standortpolitik betreiben, die Unternehmen stärkt und nicht belastet. Die entscheidende Frage muss künftig bei jeder neuen Regel lauten: Macht sie Europa stärker oder schwächer?“, so Böhler abschließend.