Energieinfrastruktur Oberösterreich
20-Monats-Bilanz
Lesedauer: 4 Minuten
Die anhaltenden geopolitischen Spannungen zeigen deutlich, wie verletzbar eine Abhängigkeit von fossilen Energieträgern aus instabilen Regionen macht. Jede Störung im globalen Energiemarkt kann unmittelbar zu Preisspitzen führen, die insbesondere Oberösterreich als das energieintensivste Bundesland treffen.
Unsere Wirtschaft ist mehr denn je auf eine sichere, leistbare und erneuerbare Energieversorgung angewiesen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Ein rascher und verlässlicher Ausbau erneuerbarer Erzeugungskapazitäten ist daher nicht nur ein Beitrag zum Klimaschutz, sondern ein entscheidender wirtschaftspolitischer Faktor.
Im Vergleich zu unserem ersten Monitoringbericht vor 20 Monaten schreitet der Ausbau erneuerbarer Energie, speziell der Photovoltaik, zwar voran. Doch die Notwendigkeit eines ausgewogenen Energiemixes und einer belastbaren Netzinfrastruktur – insbesondere in ländlichen Regionen – ist noch dringender geworden.
Deshalb tritt die WKO Oberösterreich konsequent für Projekte ein, die der Versorgungssicherheit dienen und regionale Wertschöpfung generieren.

Doris Hummer
WKOÖ-Präsidentin
Anhand der folgenden Darstellungen sehen Sie, wie es um die Energieinfrastruktur am Wirtschafts- und Industriestandort Oberösterreich bestellt ist und wo dringender Handlungsbedarf besteht.
Wirtschaftlichkeit
Alarmstufe

Die Preissituation für Strom und Gas hat sich in den letzten 20 Monaten nicht verbessert, die Wirtschaft ist im Jahr 2026 erneut mit steigenden Preisen konfrontiert.
Trotz eines hohen Anteils an erneuerbarer Eigenerzeugung schwankt der Strompreis stark und marschiert nach oben.

Die Entwicklung der Futures für 2027 zeigt, dass auch die Aussichten für das kommende Jahr keine positive Wende erwarten lassen.
Der konsequente Ausbau aller erneuerbaren Energien ist deshalb die eigentliche Energiepreisbremse - so senken wir langfristig die Erzeugungs- und Netzkosten und stärken unseren Standort!
Versorgungssicherheit
Warnstufe

Speicher helfen, kurzfristig den Unterschied zwischen Stromverbrauch und volatiler Erzeugung auszugleichen. In Österreich kann der Strombedarf im Winterhalbjahr meist nicht völlig mit Erneuerbaren gedeckt werden. Deshalb müssen Gaskraftwerke im Dauerbetrieb laufen – und bestimmen den Strompreis maßgeblich. Ein ausgewogener Technologiemix – und vor allem der Ausbau der Erneuerbaren - ist entscheidend für hohe Versorgungssicherheit und stabile Strompreise.

OÖ baut Photovoltaik rasant aus – allein 2025 wurden 15.000 Neuanlagen errichtet, die installierte Leistung stieg 2023 bis 2025 um 44 %. OÖ setzt aber damit auf die volatilste Form der Erzeugung. Die Windkraft hingegen wurde lange vernachlässigt - wirkt jedoch direkt preis-dämpfend, weil sie Gas aus der Merit Order verdrängt und so die Preise im heimischen Markt senkt. Wer also die Windkraft stärkt, verbilligt den Strom und stärkt den Wirtschaftsstandort.

Die Elektrifizierung von Industrie, Mobilität und Wärme und neue Anwendungen wie KI steigern den Energieverbrauch in OÖ stark, sodass die derzeit geplante Erzeugung nicht ausreicht. Der Ausbau Erneuerbarer ist daher eine Frage der Standortsicherung! Ein einseitiger Fokus auf PV führt zu Kapazitätsengpässen und erhöhten Netzkosten, da die Erzeugung volatil ist. Flächen für Windkraft müssen jetzt erweitert werden!

Die Auslastung der Umspannwerke ist nach wie vor hoch und in vielen Regionen ausgereizt. Der Ausbau Erneuerbarer erfordert einen synchronen Ausbau von Leitungen, Umspannwerken und Speichern. Das muss beschleunigt werden – auch durch schnellere Genehmigungsverfahren.

Die Netzbetreiber arbeiten am erforderlichen Ausbau der Infrastruktur nach dem StromnetzMasterplan, die Projekte sind eingetaktet. Nötig sind Tempo und ein koordiniertes Vorgehen.
Unser Standpunkt
Oberösterreich muss Vorreiter der Energiewende sein! Die Energiewende ist zwingend notwendig für die Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Stabilität Oberösterreichs. Als energieintensivstes Bundesland trägt Oberösterreich eine besondere Verantwortung, die Energiewende aktiv und ambitioniert voranzutreiben.
Die WKOÖ fordert:
- Beschleunigungsgebiete großzügig ausweisen und Ausschlusszonen vermeiden
Oberösterreich braucht mehr geeignete Flächen und schnellere Verfahren statt zusätzlicher Einschränkungen. - Rechtssicherheit für Projekte sicherstellen
Laufende Genehmigungsverfahren und geplante Projekte sind zu schützen. Zonierungen dürfen Projekte nicht gefährden. - Erzeugung, Netze und Speicher gemeinsam ausbauen
Erzeugungsanlagen, Netze, Umspannwerke sowie Kurz- und Langfristspeicher sind zeitlich abgestimmt auszubauen. - Ausbau beschleunigen und Standortkosten begrenzen
Genehmigungsverfahren müssen schneller werden. Wettbewerbsfähige Preise werden durch effiziente Infrastruktur sowie Entlastungen bei Steuern und Abgaben erreicht. Eigene Energieerzeugung macht den Standort resilienter. - Infrastruktur für Wasserstoff aufbauen
Oberösterreich braucht ein regionales H2-System mit überregionaler Anbindung – durch umgewidmete Gasleitungen, neue Leitungsabschnitte, Speicher, Elektrolyseure, Importe und industrielle Abnehmer.