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Pauschalierung für Kleinunternehmer

Voraussetzungen und Bestimmungen

Kleinunternehmern steht ab der Veranlagung 2020 eine weitere Pauschalierungsmöglichkeit zur Verfügung.

Vorbild der Neuregelung war die seit 2016 vorgesehene automatische Veranlagung für Arbeitnehmer. Durch den Wegfall des Erfordernisses einer vollumfänglichen Steuererklärung und auch unterjähriger Aufzeichnungspflichten kann die neue Pauschalierung eine wesentliche Verwaltungsvereinfachung für Kleinunternehmer bedeuten.

Inwieweit sich diese Art der Gewinn- und Vorsteuerermittlung für den konkreten Betrieb auch steueroptimal auswirkt, ist - wie auch bei bisherigen Pauschalierungen - an Hand einer Vergleichsrechnung für das konkrete Unternehmen festzustellen.

Voraussetzungen 

Voraussetzung für die Anwendbarkeit der neuen Pauschalierung ist, dass der Jahresumsatz maximal € 35.000 beträgt und Einkünfte aus Gewerbetrieb oder selbständiger Tätigkeit vorliegen.

  • Die € 35.000 Grenze korrespondiert mit der Kleinunternehmergrenze in Sozialversicherung und Umsatzsteuer bezieht aber Umsätze aufgrund von im Ausland ausgeführten Lieferungen und Leistungen ein. Nicht berücksichtigt werden Entnahmen und Einnahmen ohne Umsatzcharakter (beispielsweise durchlaufende Posten).
  • Die Pauschalierung ist unabhängig davon anwendbar, ob in der Umsatzsteuer die Kleinunternehmerregelung in Anspruch genommen wird.
  • Sonstige (nicht betriebliche) Einkünfte sind nicht in die Grenze einzubeziehen (zB Vermietung und Verpachtung)
  • Ein Überschreiten der Umsatzgrenze bis max € 40.000 ist für die Anwendung der Pauschalierung nicht schädlich, wenn die € 35.000-Grenze im vorangegangenen Jahr eingehalten wurde.
  • Gesellschafter-Geschäftsführer, Aufsichtsratsmitglieder und Stiftungsvorstände können die Kleinunternehmer-Pauschalierung unabhängig von der Umsatzhöhe nicht in Anspruch nehmen.

Gewinnermittlung 

Das Betriebsausgabenpauschale beträgt 45% der Betriebseinnahmen (ohne Umsatzsteuer) für produzierende Betriebe und 20% der Betriebseinnahmen für Dienstleistungsbetriebe. Der Gewinn ermittelt sich aus der Differenz aus den Betriebseinnahme und den pauschal ermittelten Betriebsausgaben. Die Vorgehensweise bei der Einordnung als produzierende Betreibe oder Dienstleistungsbetriebe, ebenso wie die Vorgehensweise bei Mischbetrieben wird noch durch eine gesonderte Verordnung des Finanzministers festgelegt.

Zusätzlich zur Pauschale werden die Sozialversicherungsbeiträge und der Grundfreibetrag des Gewinnfreibetrages gewinnmindernd berücksichtigt. Wurde der Grundfreibetrag schon bisher automatische durch das Finanzamt berücksichtigt, sollen künftig auch die geleisteten Sozialversicherungsbeiträge eines Jahres direkt von der Sozialversicherung an das Finanzamt gemeldet werden und automatisch in die Veranlagung einfließen.

Ob die neue Pauschalierung im Vergleich zur vollständigen Einnahmen-Ausgaben-Rechnung steuerlich vorteilhaft ist, ist immer im Einzelfall zu beurteilen. ZB im Bereich der produzierenden Unternehmen kombiniert mit voller SV-Pflicht, wird die neue Pauschalierung aufgrund der höheren Prozentsätze in den meisten Fällen nicht zur Steuerpflicht führen und damit vorteilhaft sein.

Beispiel
   NEU  Basis-Pauschalierung 
Umsatz € 30.000 € 30.000
Betriebsausgabenpauschale 45% € -13.500 € -3.600
SV-Beiträge (automatisch gemeldet) € -3.991 € -6.385
Abschreibungen € 0 € -700
Gewinn 12.509 20.015
Gewinnfreibetrag (automatisch berücksichtigt) € -1.626 € -2.602
Bemessungsgrundlage ESt € 10.883 € 17.413
Einkommensteuer 0 1.603

Eine andere Beurteilung könnte sich bei sehr hohen Abschreibungen oder Wareneinsatz zB in Kombination mit unselbständigen Einkünften ergeben.

Verwaltungsvereinfachung 

Wie bereits oben erwähnt besteht ein wesentlicher Vorteil der neuen Pauschalierung in der Verwaltungsvereinfachung.  

  • Bei Inanspruchnahme der Pauschalierung besteht keine Verpflichtung zur Führung eines Wareneingangsbuches und einer Anlagenkartei.
  • Die Gewinnermittlung im Rahmen der Steuererklärung kann sich auf die Angabe der Branche und des Umsatzes beschränken.

Liegen keine weiteren steuerlich relevanten Tatsachen vor (zB Werbungskosten im Rahmen einer unselbständigen Tätigkeit, Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung) kann die die Veranlagung durch das Finanzamt ohne weitere Angaben seitens des Steuerpflichtigen erfolgen. 

Wird auch in der Umsatzsteuer von der Kleinunternehmerreglung Gebrauch gemacht kann die Abgabe von Steuererklärungen im besten Fall vollständig unterbeleiben  (siehe auch Infoseite Kleinunternehmerregelung in der Umsatzsteuer). 

Mitunternehmerschaften

Die neue Pauschalierung steht grundsätzlich auch Mitunternehmerschaften offen. Durch die Anwendungsvoraussetzung des maximalen Umsatzes von € 35.000 für die ganze Mitunternehmerschaft, wird die Anwendungshäufigkeit der neuen Pauschalierung in diesem Bereich vermutlich aber überschaubar bleiben.

Zusätzlich zum Umsatzkriterium darf kein Mitunternehmer die Pauschalierung für betriebliche Einnahmen außerhalb der Mitunternehmerschaft in Anspruch nehmen. Sonderbetriebseinnahmen und Sonderbetriebsausgaben sind aber berücksichtigbar.

Wahlmöglichkeiten 

Es besteht für Kleinunternehmen keine Verpflichtung zur Inanspruchnahme der neuen Pauschalierung. Soll der Umsatz aufgrund einer vollständigen Einnahmen-Ausgaben-Rechnung oder einer anderen Pauschalierungsmethode ermittelt werden (Basispauschalierung, Branchenpauschalierungen) steht dies dem Steuerpflichtigen frei.

Wechselt ein Unternehmer von der Gewinnermittlung mittels Pauschalierung zur Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, ist eine neuerliche Inanspruchnahme der Pauschalierung erst nach Ablauf von 3 Wirtschaftsjahren zulässig.

Bei Vorhandensein mehrere Betriebe ist die neue Pauschalierung nur anwendbar, wenn die Summe der Umsätze dieser Betriebe die Höchstgrenze von € 35.000 nicht überschreitet. Erzielt ein Unternehmer zB Umsätze aus zwei betrieblichen Tätigkeiten von € 10.000 und € 12.000 sowie der Vermietung einer Wohnung iHv € 30.000, fallen insgesamt Einkünfte von € 52.000 an.

Tätigkeit  Einkünfte
Betrieb 1 € 10.000
Betrieb 2 € 12.000
Vermietung € 30.000
Summe € 52.000

Dennoch kann er wählen, ob er für einen oder beide Betriebe von der neuen Pauschalierung Gebrauch macht, da nur die betrieblichen Einkünfte in die Grenze von € 35.000 einzubeziehen sind. Die Einkünfte aus der Vermietung sind nicht zu berücksichtigen. Würde die Summe der betrieblichen Umsätze die Höchstgrenze überschreiten, wäre die Pauschalierung für keinen Betrieb anwendbar.