Viele Fragezeichen am steirischen Immobiliensektor
Beim 4. Sommergespräch der Immobilien- und Bauwirtschaft standen aktuelle Branchenfragen und Zukunftsperspektiven im Fokus.
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Wird Wohnen im Eigentum eine Zukunft haben? Können wir Stadt und Land neu denken? Und wie wird Planen und Bauen effizienter? Die Antworten auf diese Fragen sind vielschichtig und vor allem branchenübergreifend. Sie erfordern die Expertise und das Know-how von unterschiedlichen Playern und nicht zuletzt auch klare politische Entscheidungen, um diese Antworten auch umsetzen zu können. „Wir müssen für die Jugend Perspektiven schaffen, um Eigentum leistbar zu machen“, so Wohnbau-Landesrätin Simone Schmiedtbauer. Das umfasse auch eine soziale Komponente, denn: „Eigentum schützt vor Altersarmut“. Auf dem Weg dorthin gilt es jedoch einige Stolpersteine zu überwinden, etwa die steigenden Kosten und die komplexen Bauvorschriften und die Dauer der Bauvorhaben. „Wir sind in vielen Dingen zu langsam“, so Schmiedtbauer. Eine weitere Stellschraube liegt auch in der tatsächlichen Zweckwidmung der Beiträge zur Wohnbauförderung, die seit Jahren seitens der Branche eingefordert wird. Die daraus entstehenden finanziellen Mittel – immerhin 1 Prozent der österreichweiten Lohnsumme und somit rund 3 Milliarden Euro jährlich – würden enorm helfen, deswegen sei die Überprüfung der Wiedereinführung der Zweckwidmung auch im Regierungsprogramm des Landes. Grundsätzlich sei die budgetäre Lage schwierig, was sich auch in der Wohnbauförderung niederschlägt. Die aktuellen Regelungen sollen beibehalten werden, denn "die Wirtschaft braucht Beständigkeit.“
Rückläufiger Neubau
Dass Politik und Verwaltung die Anliegen der Branche durchaus hören und entsprechend handeln, bestätigt Andreas Kern, Obmann der Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der WKO Steiermark. „Natürlich sind die Mittel nicht in der Höhe, in der wir sie gerne hätten“, vor allem die Mittel für die Sanierung müssten deutlich höher sein. Hier schlägt Kern auch eine Brücke zur aktuellen Hitzewelle und den sich verändernden klimatischen Bedingungen, denn: „Sanierung im Bestand ist der beste Schutz vor der Überhitzung im Sommer.“ Bauen im Bestand bleibt in Zeiten einer rückläufigen Neubautätigkeit natürlich ein wichtiges Thema, ebenso die Revitalisierung und die Sanierung. Rudolf Leitner von der Landesinnung Bau verwies in diesem Zusammenhang auf unterschiedliche Ausgangssituationen in den einzelnen Orten und Städten in der Steiermark, was Altstadt- und Ortsbildschutz betrifft. Allgegenwärtig ist jedoch auch hier das Thema Verfahrensdauer. Das wurde auch bei einem Runden Tisch mit allen Beteiligten aus Bauwirtschaft und Verwaltung angesprochen. Dabei sei man auch zu einem Konsens gekommen: „Je mehr Unterlagen eingefordert werden, desto konzentrierter müsste auch die Beratung sein, die zum Ziel führt“, so Leitner.
Digitalisierung als Verfahrensbeschleuniger
Eine Entrümpelung der Regelwerke ist auch eine der dringendsten Forderungen seitens der Ziviltechniker. Rainer Wührer, Präsident der Kammer der Ziviltechniker:innen für Steiermark und Kärnten, fordert dazu auf, sich stärker auf die Zielsetzungen zu fokussieren. „Das funktioniert beispielswiese sehr gut im Brandschutz: Hier hat man immer die Möglichkeit, auch andere Maßnahmen zu treffen und die gleichen Ziele zu erreichen.“ Bei der Verfahrensvereinfachung sollten die Ziviltechniker zudem eine weitaus wichtigere Rolle spielen: „Wir übernehmen Behördenarbeit und nehmen hoheitliche Aufgaben wahrnehmen. Das wird uns aber nicht in dem Maß zugestanden, wie es unsere Ausbildung und unsere Befugnis erlaubt.“ Auch die Digitalisierung könnte einen großen Beitrag zur Beschleunigung leisten, vor allem zu Zeiten der Pandemie gab es große Hoffnungen, dass die digitale Abwicklung zum Standard werden könnte. „Leider haben wir in den letzten 6 Jahren keine großen Fortschritte gemacht.“ Dass es auch anders geht, zeigen nationale Beispiele wir etwa Wien oder internationale Vorbilder wie Estland, wo die digitale Abwicklung von Behördenwegen Standard ist.
Rechtssicherheit für alle Generationen
Einen Blick auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen warf Martin Lux, Präsident der Notariatskammer für Steiermark. Die Schwierigkeiten im Bau- und Wohnbereich – nachlassende Bautätigkeit, schwierige Finanzierung etc. – trifft vor allem die jungen Menschen. „Wir sind in einer großen Umbruchsphase. Ein aktuell sichtbarer Trend ist etwa das Wiederaufleben der Großfamilie: Viele bauen zu Hause aus und nutzen den Bestand.“ In jedem Fall gehe es aber auch um die rechtliche Absicherung, und hier sind die Notare die richtige Adresse für ein „Vorsorgegespräch“, um rechtliche Klarheit zu schaffen.