Kreislaufwirtschaft abseits des Rampenlichts
Umweltschutz Tschiderer macht tierische Nebenprodukte seit über 50 Jahren nachhaltig nutzbar und holt verendete Tiere in ganz Tirol sicher ab.
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Es gibt Unternehmen, deren Leistungen begegnen uns jeden Tag offensichtlich. Und es gibt jene, deren Arbeit weitgehend im Hintergrund geschieht. Umweltschutz Tschiderer mit Sitz in Roppen sorgt dafür, dass tierische Nebenprodukte aus Metzgereien, Schlachtbetrieben, Lebensmittelunternehmen, Gemeinden und der Landwirtschaft fachgerecht gesammelt und einer weiteren Verwertung zugeführt werden. „Viele wissen vielleicht gar nicht, was unter tierischen Nebenprodukten zu verstehen ist. Vereinfacht gesagt: Bei einem geschlachteten Tier bleibt nichts ungenutzt“, erklärt Geschäftsführer Mathias Tschiderer.
Aus Fetten, Knochen und anderen Schlachtnebenprodukten werden etwa wertvolle Proteine und Öle gewonnen, die beispielsweise für Biodiesel, Schmierstoffe oder Dünger eingesetzt werden. Was auf den ersten Blick wie Abfall erscheint, wird damit zum wertvollen Rohstoff und bleibt Teil des Kreislaufs. Das Unternehmen leistet mit der zuverlässigen Sammlung und dem fachgerechten Transport gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Lebensmittelsicherheit, Hygiene und Seuchenprävention.
Umweltschutz, lange bevor er zum großen Thema wurde
1975 gründete Albert Tschiderer den Betrieb gemeinsam mit seinem Sohn Michael und begann mit einem gebrauchten Lkw, Knochen bei Metzgereien im Tiroler Oberland einzusammeln. Schon der Firmenname Umweltschutz Tschiderer sagt viel über die Haltung und Idee dahinter aus. „Mein Opa hat vor 50 Jahren schon erkannt, wie umfassend Umweltschutz gedacht werden muss. Damit war er seiner Zeit wohl voraus“, erzählt Mathias Tschiderer.
Aus den ersten Sammeltouren im Oberland entwickelte sich Schritt für Schritt ein Unternehmen, das heute in ganz Tirol unter strengen Hygiene- und Sicherheitsstandard täglich im Einsatz ist. Seit 2018 führen Mathias und sein Bruder Christoph den Familienbetrieb gemeinsam in dritter Generation.
Ein Kreislauf rund um verendete Tiere, der funktionieren muss
Neben der Schlachtnebenprodukten gibt es einen zweiten Aufgabenbereich, bei dem ganz hohe Sicherheitsanforderungen gelten: die Abholung verendeter Tiere (Falltierentsorgung). Stirbt ein Rind, Schaf oder anderes Tier, muss rasch und unter strengen hygienischen Vorgaben gehandelt werden. Umweltschutz Tschiderer arbeitet dabei eng mit dem Veterinärwesen zusammen. Denn hier geht es nicht nur um die Wiederverwertung, sondern vor allem um Hygiene und Seuchenprävention. Die unterschiedlichen Bereiche müssen deshalb strikt voneinander getrennt werden. Kontaminationen gilt es auszuschließen, jeder Schritt muss klar geregelt und nachvollziehbar dokumentiert sein.
Unsere Kunden schätzen unsere Sorgfalt und unsere Verlässlichkeit. Entscheidend dafür ist vor allem unser motiviertes und gut geschultes Team. Sie arbeiten professionell und zugleich mit dem nötigen Feingefühl.
Mathias Tschiderer
Geschäftsführer Umweltschutz Tschiderer
Seuchenprävention trifft auf Verkehrsbeschränkungen
Gerade bei der Entsorgung verendeter Tiere spielt neben größter Sorgfalt auch die Geschwindigkeit eine entscheidende Rolle. Tiere halten sich naturgemäß nicht an Werktage. Verendet ein Tier am Wochenende, wäre eine Abholung innerhalb von 24 Stunden aus hygienischen Gründen und im Sinne der Seuchenprävention notwendig. Gleichzeitig gelten für die eingesetzten Lkw an Sonn- und Feiertagen Verkehrsbeschränkungen. Damit treffen zwei Regelwerke aufeinander, die unterschiedliche Ziele haben: Das Veterinärrecht verlangt ein rasches Handeln, das Straßenverkehrsrecht schränkt die dafür notwendigen Transporte zu bestimmten Zeiten ein, um den Schwerverkehr zu reduzieren.
Sinnvoll ist das nicht. Es zeigt vielmehr beispielhaft, dass gesetzliche Rahmenbedingungen nicht nur für sich betrachtet, sondern auf ihre Praxistauglichkeit und ihr Zusammenspiel hin überprüft werden müssen. „Für das Lkw-Fahrverbot gibt es zahlreiche Ausnahmen. Tierische Nebenprodukte zählen in Österreich jedoch noch immer nicht dazu“, kann Mathias Tschiderer nur den Kopf schütteln. Anders ist die Situation in Deutschland, wo für diese Transporte eine entsprechende Ausnahme vorgesehen ist. Die Branche setzt sich seit Jahren gemeinsam mit der Wirtschaftskammer dafür ein, auch in Österreich in den Ausnahmekatalog aufgenommen zu werden.
Über 600.000 Kilometer Verantwortung
Welche Dimension die Arbeit von Umweltschutz Tschiderer mittlerweile erreicht hat, wird erst beim Blick auf die Zahlen sichtbar. Zwölf speziell ausgestattete Lkw sind ganzjährig in Tirol unterwegs und legen gemeinsam mehr als 600.000 Kilometer pro Jahr zurück. Mehr als 20.000 Einsatzstunden kommen dabei jährlich zusammen. Zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen dafür, dass alle Abläufe funktionieren.
Zum Leistungsspektrum gehören neben tierischen Nebenprodukten und der Falltierabholung ebenfalls die Sammlung von Häuten und Fellen sowie von PE-Folien und HDPE-Kanistern. Auch hier steht der Firmengedanke im Mittelpunkt: Materialien fachgerecht einer sinnvollen weiteren Verwertung zuzuführen.
Unsere Arbeit passiert meist im Hintergrund. Umso schöner ist es, wenn sie wahrgenommen und wertgeschätzt wird – es reicht dafür schon ein Lächeln unserer Kunden.
Mathias Tschiderer
Geschäftsführer Umweltschutz Tschiderer
Verlässlichkeit und Sicherheit 365 Tage im Jahr
2025 feierte Umweltschutz Tschiderer sein 50-jähriges Bestehen. Im selben Jahr wurde das Familienunternehmen mit dem Recht ausgezeichnet, das Tiroler Landeswappen zu führen. Wertschöpfung entsteht dort, wo ein innovatives Familienunternehmen über Generationen Know-how aufbaut, investiert und Arbeitsplätze schafft. Wo Menschen jeden Tag Verantwortung für Hygiene und Sicherheit übernehmen. Und wo Unternehmen, wie Umweltschutz Tschiderer, eine Aufgabe erfüllen, über die kaum jemand spricht, aber auf die sich eine ganze Region verlässt. 365 Tage im Jahr.
Was steckt hinter einer Branche, die kaum jemand kennt?
Im Podcast trifft WK-Präsidentin Barbara Thaler auf Mathias Tschiderer, Geschäftsführer von Umweltschutz Tschiderer. Gemeinsam sprechen sie über die Zukunft der Kreislaufwirtschaft, Familienunternehmertum, Bürokratie und darüber, wie viel Spielraum Betriebe brauchen. Ein Gespräch mit spannenden Einblicken und klaren Standpunkten. Jetzt reinhören.