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Sparte Industrie

Chefinfo

Lesedauer: 3 Minuten

19.08.2026

1. WKÖ-Menz: Klimaschutz und Transformation brauchen wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen

„Begutachtungsverfahren für notwendige Korrekturen nutzen, kein nationaler Sonderweg“ 

Anlässlich der Präsentation und des Starts der Begutachtung des Klimagesetzes kritisiert die Bundessparte Industrie der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) erneut, dass ein nationales Klimaneutralitätsziel 2040 vorgesehen ist. „Die österreichische Industrie steht zum europäischen Klimaziel 2050. Ein nationales Ziel bereits 2040 verkürzt den Transformationszeitraum jedoch um zehn Jahre und erhöht damit Investitions- und Kostendruck auf unsere Betriebe, ohne damit dem Klima zu helfen. Die Begutachtung muss daher für notwendige Korrekturen genutzt werden. Das heißt auch: kein nationaler österreichischer Sonderweg!“, fordert Bundessparte Industrie-Obmann Sigi Menz. 

Klimaschutz und Transformation brauchen wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen  

„Eine vollständige Dekarbonisierung in 14 statt in 24 Jahren treibt Kosten und Energiepreise in die Höhe und schwächt die Wettbewerbsfähigkeit. Österreich darf hier keinen teuren Sonderweg einschlagen“, gibt Menz zu bedenken. Entscheidend seien vielmehr wettbewerbsfähige Energiepreise, schnellere Umweltverträglichkeits- und Genehmigungsverfahren sowie neue Infrastruktur für Strom, CO2 und Wasserstoff. Dazu brauche es auch die Aufhebung des CO2-Speicherverbots und einen praxistauglichen Rechtsrahmen für Abscheidung und Speicherung. „Oder anders formuliert: Klimaschutz und Transformation brauchen wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen.“ 

Abwanderung statt Klimanutzen vermeiden 

Eine nationale Übererfüllung der EU-Ziele bringe aus Sicht der Bundessparte Industrie keinen zusätzlichen Klimanutzen, erhöhe aber das Risiko, dass Investitionen und Produktion in Regionen mit niedrigeren Umweltstandards verlagert werden. Weite Teile der Industrie stehen im internationalen Wettbewerb, fallen jedoch nicht unter den EU-Emissionshandel und sind daher direkt von dem Gesetz betroffen. „Wenn Wertschöpfung und Arbeitsplätze abwandern und die Emissionen nur ins Ausland verlagert werden, ist weder dem Standort noch dem Klima geholfen. Klimaschutz funktioniert nur mit einer wettbewerbsfähigen Industrie, einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft“, so Menz. 

„Tatsache ist, dass Österreichs Industriebetriebe schon heute auf einem der effizientesten Niveaus weltweit produzieren“, betont er abschließend.

2. Weniger arbeiten, aber denselben Wohlstand? Das geht sich nicht aus!

„Österreich braucht mehr Wertschöpfung, nicht weniger Arbeitsvolumen“, stellt Julian Fässler, Direktor der Wirtschaftskammer Vorarlberg, klar. Die Wirtschaftskammer Vorarlberg weist die Forderung des Gewerkschaftsrates nach genereller Arbeitszeitverkürzung zurück: Bei Arbeitskräftemangel und schwacher Produktivitätsentwicklung ist weniger Arbeit der falsche Weg. „Wer weniger arbeiten will, muss auch sagen, wer am Ende die Rechnung bezahlt. Wohlstand entsteht nicht durch Arbeitszeitverkürzung, sondern durch Wertschöpfung und Produktivität“, sagt WKV-Direktor Julian Fässler. 

Die Fakten sprechen eine deutliche Sprache: Die durchschnittliche tatsächlich geleistete Arbeitszeit ist in Österreich bereits massiv zurückgegangen. 2025 lag sie laut den verfügbaren Daten bei nur noch rund 29,4 Stunden pro Woche – deutlich weniger als vor der Pandemie. Österreich hat damit bereits eine erhebliche Verkürzung der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit erlebt. 

Fässler: „Vor diesem Hintergrund eine weitere generelle Arbeitszeitverkürzung zu fordern, ist wirtschaftspolitisch schlicht widersinnig. Gleichzeitig fehlen in vielen Branchen Arbeitskräfte und die Produktivitätszuwächse sind deutlich schwächer als in früheren Jahrzehnten. Wer jetzt pauschal weitere Arbeitszeit verkürzt, verschärft den Arbeitskräftemangel und reduziert die wirtschaftliche Leistung.“ 

Besonders problematisch sei die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich. Steigen die Lohnkosten pro Arbeitsstunde schneller als die Produktivität, verteuert sich die Produktion und Österreich verliert im internationalen Wettbewerb an Boden. 

„Man kann nicht dauerhaft weniger Arbeitsstunden leisten, gleichzeitig höhere Löhne und mehr Sozialleistungen verlangen und dabei so tun, als würde die Wertschöpfung automatisch gleichbleiben. Diese Rechnung geht nicht auf“, findet der WKV-Direktor deutliche Wort. Die zentrale wirtschaftspolitische Aufgabe lautet deshalb nicht, die vorhandene Arbeitszeit immer weiter zu reduzieren. Sie lautet: Produktivität erhöhen, Arbeitskräfte mobilisieren und Leistung attraktiver machen. Darüber sollten, so Fässler, die Gewerkschaftsfunktionäre nachdenken.