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Vortrag mit Präsentation eines Waldmotivs vor Publikum auf einer Bühne
© Daniel Zottl
Berufsfotografie, Landesinnung

AI Fusion oder die Kunst, Realität neu zu denken

Bildwelten zwischen Technologie und visueller Innovation

Lesedauer: 4 Minuten

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12.05.2026

Am Vorabend ihres KI-Workshops am 17. April 2026 im „Digital Store“ waren die AI Fusion-Expert:innen Ines Thomsen und Martin Dörsch in der Wiener „Blumenfabrik“ zu Gast. In einem intensiven, eindrucksvollen Vortrag zeigten sie, wie KI manch Perspektive verschiebt und bisher Undenkbares denkbar macht.

Das Saallicht geht aus, die Bühnenscheinwerfer blenden auf. Im Lichtkegel zwei Menschen, die innerhalb von Sekunden die Aufmerksamkeit des Publikums fesseln: Content-Creator Martin Dörsch und People-Fotografin Ines Thomsen. Beide aus Oberösterreich, bodenständig, klar in ihrer Haltung – und aktuell äußerst gefragte AI-Fusion-Produzent:innen. Ihre Arbeiten werden ausgezeichnet, ihre Bildwelten vielfach publiziert. Doch was sie zeigen, ist mehr als technisches Können. Es ist ein neuer Zugang zur Fotografie.

Einladung zum Experiment

Mit dem rasanten Fortschritt künstlicher Intelligenz wurde in der Fotografie ein völlig neues Kapitel aufgeschlagen. Aus einer vagen Zukunftsvision ist praktisch über Nacht ein konkretes Arbeitsmittel geworden, das eine ganze Branche vor neue Fragen stellt. Für manche ist das beängstigend, für andere eine spannende Einladung zum Experiment.

Für Martin Dörsch und Ines Thomsen war jedenfalls schon früh klar, dass sie sich dieser Entwicklung nicht entziehen, sondern sie aktiv gestalten. Das Ergebnis: AI Fusion – ein Ansatz, der nicht ersetzt, sondern erweitert. Während die Debatte oft zwischen „echter“ Fotografie und künstlich generierten Bildern polarisiert, liegt die eigentliche Innovation in der Verbindung beider Welten. „Für mich ist immer der Mensch im Mittelpunkt. Ich fotografiere weiterhin echte Menschen“, betont Thomsen. Dieser Satz ist Programm. Die Menschen vor der Kamera sind real, ihre Präsenz, ihre Ausdruckskraft, ihre Individualität bleiben unantastbar. Die KI hingegen liefert die Bühne, den Raum, die Atmosphäre und den Hintergrund, der mit der „echten“ Fotografie fusioniert wird.

Verlängerung der eigenen Handschrift

Diese Arbeitsweise verändert nicht nur die Ästhetik, sondern auch die Möglichkeiten. Bildwelten, die früher an Ort, Zeit und Budget gebunden waren, lassen sich heute unabhängig davon entwickeln. Ein sommerliches Editorial mitten im Winter, ein antiker Schauplatz ohne Touristenströme, perfekte Lichtverhältnisse ohne Wetterrisiko – all das wird durch AI Fusion realisierbar. „Mit KI sind jetzt Dinge möglich, die wir uns früher nicht einmal vorstellen konnten“, sagt Dörsch.

Und doch liegt die Stärke dieses Ansatzes nicht in der Perfektion des Künstlichen, sondern in der bewussten Begrenzung. Denn mit der Vielzahl an Möglichkeiten wächst auch die Gefahr der Beliebigkeit.

Thomsen: „Generieren lässt sich vieles, aber mir ist wichtig, dass mein Stil erhalten bleibt. Dafür buchen mich meine Kunden.“

Somit verlangt AI Fusion auch Haltung. Sie funktioniert nur dann, wenn sie nicht als Ersatz, sondern als Verlängerung der eigenen Handschrift verstanden wird.

Vortrag zu „AI & Photography“ vor Publikum mit zwei Personen auf einer Bühne
© Daniel Zottl

Glaubwürdige Geschichten und echte Menschen

Interessanterweise scheint genau diese technologische Erweiterung zu einer Rückbesinnung auf das Wesentliche zu führen. Dörsch: „Je mehr wir ins Künstliche gehen, umso mehr brauchen wir das echte Menschliche.“ In einer Zeit, in der nahezu alles generiert werden kann, bekommt Authentizität einen neuen Wert. „Auftraggeber:innen suchen keine perfekten Illusionen, sondern glaubwürdige Geschichten. Und diese entstehen nach wie vor durch echte Menschen und in der Zusammenarbeit mit echten Menschen“, ist Dörsch überzeugt.

Gleichzeitig eröffnet AI Fusion auch neue Perspektiven auf das eigene Handwerk. Licht, Raum und Perspektive müssen präziser gedacht werden, weil sie die Schnittstelle zwischen Realität und digitaler Konstruktion bilden. „Ich lerne durch AI Fusion unglaublich viel über Licht“, erklärt Thomsen. Was früher intuitiv geschah, wird jetzt bewusst analysiert. Die Technik schärft den Blick – nicht nur für das Bild, sondern für das, was es glaubwürdig macht.

Künstlerische und rechtliche Verantwortung

Doch bei aller Faszination bleibt eine wichtige Konstante: Verantwortung. „AI Fusion ist kein rechtsfreier Raum“, so Dörsch, „Fragen nach Urheberrecht, Datenschutz und Persönlichkeitsrechten begleiten jede Produktion.“ Gerade deshalb gewinnt Transparenz an Bedeutung, und es ist wichtig dazuzuschreiben, wie das Bild entstanden ist.

Auch wirtschaftlich zeigt sich das Potenzial dieser Arbeitsweise. Produktionen werden flexibler, Budgets effizienter eingesetzt, visuelle Konzepte individueller umsetzbar. Gleichzeitig entstehen neue Anforderungen: klare Vereinbarungen, bewusster Umgang mit Daten und ein Verständnis dafür, wo die Grenzen der Technologie liegen.

Bewusster arbeiten

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Qualität von AI Fusion: Sie zwingt dazu, bewusster zu arbeiten. Nicht alles umzusetzen, nur weil es möglich ist – sondern zu entscheiden, was sinnvoll ist, was zur eigenen Arbeit passt und was echten Mehrwert schafft. Daher auch Thomsens Empfehlung: „Bitte nicht jedem neuen Tool, jedem Hype nachlaufen und glauben, alles mitmachen zu müssen.“ Denn am Ende ist AI Fusion weniger eine technische Entwicklung als eben eine Haltung. Es ist eine Einladung, sich auf Neues einzulassen, ohne das Bestehende aufzugeben. Damit verändert nicht die Technologie die Fotografie – sondern die Art und Weise, wie wir Technologie nutzen.

Danke, Ines und Martin, für den großartigen Vortrag und einen ebensolchen Workshop!

Hinweis
Am 2. August 2026 tritt die Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Bilder in Kraft. >>was im Detail zu beachten ist. 

Zu weiterführenden Fragen stehen Ihnen gerne die Kolleg:innen vom RSV für eine kostenlose Beratung zur Verfügung. 
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