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Frankreich: Big Science ITER, ESO, CERN, ESA

Geschäftschancen für österreichische Firmen rund um „Big Science“

Lesedauer: 5 Minuten

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Frankreich
Stand: 16.04.2026

Big Science nimmt eine stetig größer werdende Rolle in der wissenschaftlichen Forschung ein. Zahlreiche Forschungsinstitute haben mittlerweile die Größe von internationalen Großunternehmen erreicht und treten als starke Player auf den für sie relevanten Märkten auf. Österreichische Unternehmen können hier nicht nur mit der hohen Qualität ihrer Produkte, sondern auch mit innovativen Lösungen und neuen Technologien zum wissenschaftlichen Fortschritt beitragen.

Unser Ziel ist die Förderung der internationalen Vernetzung und Stärkung der österreichischen  Wirtschaft durch Vermittlung von internationalen Forschungs- und Technologieprojekten sowie den damit einhergehenden Geschäftschancen. Um dieses Ziel zu erreichen, verfügt die AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA über ein weltweites Netzwerk von Technolgie-Expert:innen in den wichtigsten und spannendsten Märkten.

Zur Beratung über die verschiedenen Ausschreibungsarten und Möglichkeiten der Teilnahme steht Ihnen das Referat für Internationale Technologiekooperationen sowie die zuständigen AußenwirtschaftsCenter Paris (ITER & ESA), Madrid (F4E), Zürich (CERN) sowie München und Santiago de Chile (ESO) jederzeit zur Verfügung.

ESA

Die Europäische Weltraumorganisation (ESA – European Space Agency) ist die zwischenstaatliche Institution, die die Raumfahrtaktivitäten europäischer Länder koordiniert. Sie spielt eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung hochmoderner Technologien, bei der wissenschaftlichen Forschung sowie bei industrieller Innovation. Für österreichische Unternehmen bietet die ESA eine Plattform für den privilegierten Zugang zu einem strategischen und stark wachsenden Sektor.

Eine europäische Agentur mit globaler Ausrichtung

Die ESA wurde 1975 gegründet und zählt heute 22 Mitgliedstaaten – darunter Österreich seit 1987. Sie arbeitet eng mit der Europäischen Union zusammen, insbesondere in Programmen wie Galileo (Satellitennavigation) und Copernicus (Erdbeobachtung). Ihr Hauptsitz befindet sich in Paris, sie betreibt zudem wichtige technische Zentren in Noordwijk (Niederlande), Darmstadt (Deutschland), Frascati (Italien) und Kourou (Französisch-Guayana).

Mit einem Budget von 7,68 Milliarden Euro im Jahr 2025 investiert die ESA in zahlreiche Bereiche: Weltraumforschung, Telekommunikationssatelliten, wissenschaftliche Missionen, Trägersysteme (Ariane, Vega), Weltraumwetter und Sicherheit im Orbit. Diese Programme schaffen eine steigende Nachfrage nach innovativen industriellen Lösungen, eine Chance für Unternehmen aus ganz Europa, einschließlich Österreich.

Industriepartnerschaft als zentrales Prinzip

Ein zentrales Funktionsprinzip der ESA ist das der geografischen Rückvergütung: Die Beiträge der Mitgliedsstaaten fließen in Form von Aufträgen und Verträgen zu einem großen Teil an deren nationale Unternehmen zurück. Das gewährleistet einen strukturierten Zugang für österreichische Firmen zum europäischen Raumfahrtmarkt.

Mehrere österreichische KMU und Industrieunternehmen sind bereits aktiv in Bereichen wie:

  • eingebettete Systeme, Sensorik und Raumfahrtelektronik,
  • Hochleistungsmaterialien und Verbundstrukturen,
  • optische Systeme und Photonik,
  • Satellitendatenverarbeitung und Softwareentwicklung,
  • Downstream-Dienste (Kartierung, Analyse, Umweltmonitoring).

Darüber hinaus unterstützt die ESA Start-ups über Business Incubation Centres (BIC) und fördert den Technologietransfer vom Weltraum- in den Industriesektor.

Eine strategische Rolle für Österreich

Österreich nimmt in der ESA eine anerkannte Rolle ein. Durch gezielte Beteiligung an optionalen Programmen kann es seine Beiträge auf technologiepolitisch relevante Schwerpunkte ausrichten. Die nationale Koordination erfolgt durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), die Unternehmen bei Ausschreibungen, Förderanträgen und der Kompetenzentwicklung unterstützt.

ITER

ITER (International Thermonuclear Experimental Reactor) ist eines der ehrgeizigsten wissenschaftlichen Projekte des 21. Jahrhunderts. In Cadarache im Süden Frankreichs gelegen, verfolgt es das Ziel, die Machbarkeit der Kernfusion als saubere, sichere und nahezu unerschöpfliche Energiequelle nachzuweisen.

Die Kernfusion, wie sie im Inneren der Sonne stattfindet, besteht darin, zwei Wasserstoffkerne zu einem Heliumkern zu verschmelzen und dabei große Energiemengen freizusetzen. Im Gegensatz zur heutigen Kernspaltung entstehen bei der Fusion weder Treibhausgase noch langlebige radioaktive Abfälle, und sie birgt kein Risiko schwerer Unfälle.

Ein internationales Großprojekt

Das Projekt wird von sieben Mitgliedern getragen: der Europäischen Union (über Euratom), den Vereinigten Staaten, China, Indien, Japan, Südkorea und Russland. Die Europäische Union übernimmt etwa 45 % der Gesamtkosten, während die anderen sechs Mitglieder jeweils rund 9 % beitragen. ITER wird von der ITER Organization koordiniert und durch die europäische Agentur Fusion for Energy (F4E) unterstützt.

Seit Beginn der Bauarbeiten im Jahr 2013 mobilisiert ITER ein breites Spektrum an wissenschaftlichen und industriellen Kompetenzen. Der Zusammenbau des Hauptreaktors – ein 23.000 Tonnen schwerer Tokamak zur Plasmaeinschließung – ist im Gange. Die erste Inbetriebnahme des Reaktors wird gemäß dem überarbeiteten Zeitplan nun etwa für 2034 angestrebt, während die ersten vollständigen Deuterium-Tritium-Fusionsversuche gegen 2039 erfolgen könnten.

Ein Wachstumsmotor für die europäische Industrie

ITER wird keinen Strom erzeugen, sondern demonstrieren, dass ein Fusionsreaktor einen Nettoenergiegewinn liefern kann. Ziel ist zehnmal mehr erzeugte als eingesetzte Energie zur Plasmeerhitzung.

Dieses Projekt, dessen Gesamtbudget üblicherweise auf 18 bis 25 Milliarden Euro geschätzt wird (oder je nach Berechnungsmethode und zugrunde gelegtem Umfang auch darüber hinaus), hat bereits rund 500 europäische Unternehmen für die Entwicklung und Lieferung technischer Komponenten und Dienstleistungen mobilisiert. Wird die gesamte industrielle Wertschöpfungskette einbezogen (einschließlich Unterauftragnehmer und indirekter Zulieferer), kann diese Zahl auf fast 2.700 Unternehmen ansteigen. Für österreichische Unternehmen mit Kompetenzen in Präzisionsengineering, Hochleistungsmaterialien, Kryotechnik, Automatisierung oder komplexer Logistik bietet ITER direkten Zugang zu einem Hochtechnologiemarkt.

Die Energiezukunft mitgestalten

Die Auswirkungen von ITER reichen weit über das eigentliche Projekt hinaus. Die dort entwickelten Technologien werden entscheidend für die Realisierung von DEMO sein, dem geplanten Demonstrationskraftwerk für elektrische Energie aus Fusion, das ab den 2050er-Jahren in Betrieb gehen soll. Ein heutiges Engagement in ITER ist daher eine strategische Investition in die Energiemärkte von morgen.

Als EU-Mitglied hat Österreich privilegierten Zugang zu Ausschreibungen und Projekten, die von Fusion for Energy koordiniert werden. Die Beteiligung an ITER ermöglicht es österreichischen Unternehmen, ihre industriellen Fähigkeiten zu zeigen und sich frühzeitig auf die kommenden Energiesysteme vorzubereiten.

Hinweis
Ausschreibungstools von ITER und F4E


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