Zum Inhalt springen
Zwei Personen sortieren Pakete. Sie tragen Arbeitskleidung, ihre Gesichter sind nicht sichtbar.
© Photographee.eu | stock.adobe.com

EU-Zollreform erschwert Paketversand aus Kanada

Österreich weiterhin auf Aussetzungsliste von Canada Post

Lesedauer: 3 Minuten

Kanada Logistik
07.08.2026

Seit 1. Juli 2026 gelten in der Europäischen Union neue Zollvorschriften für Kleinsendungen aus Drittstaaten. Die Reform sieht unter anderem eine pauschale Zollabgabe von 3 Euro pro Sendung mit einem Warenwert von bis zu 150 Euro vor und beendet die bisherige Zollfreigrenze für derartige Importe. Ziel der Maßnahme ist es, auf das starke Wachstum des grenzüberschreitenden Online-Handels zu reagieren, faire Wettbewerbsbedingungen für europäische Unternehmen zu schaffen sowie Zollbetrug und die Einfuhr nicht konformer Waren wirksamer zu bekämpfen. 

Nach Angaben der Europäischen Kommission wurden allein im Jahr 2025 rund 5,9 Milliarden Niedrigwertsendungen in die Europäische Union eingeführt. Diese machten rund 97 Prozent aller importierten Einzelstücke aus. Die EU argumentiert daher, dass die bisherigen Regelungen nicht mehr den Anforderungen des modernen E-Commerce entsprechen.

Technische Umsetzung sorgt für Probleme

Die neuen Vorschriften haben jedoch bereits kurz nach ihrem Inkrafttreten Auswirkungen auf den Warenverkehr zwischen Kanada und mehreren EU-Mitgliedstaaten. Canada Post hat die Annahme von Paketsendungen in zwölf EU-Länder, darunter Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien und Spanien, vorübergehend eingestellt.

Auslöser sind Schwierigkeiten bei der praktischen Umsetzung der neuen Regelung. Nach Angaben von Canada Post erhielt das Unternehmen die entsprechenden Durchführungsrichtlinien der Europäischen Kommission erst Anfang Juni 2026. Zudem kann das bestehende Import One Stop Shop-System (IOSS), das bislang für bestimmte Importabgaben genutzt wurde, derzeit nicht für die Einhebung der neuen Gebühr verwendet werden. Dadurch entstanden kurzfristig Unsicherheiten bei der technischen und administrativen Abwicklung von Sendungen in die Europäische Union.

Österreich derzeit auf der Suspendierungsliste

Für 18 EU-Mitgliedstaaten konnten bereits Übergangslösungen gefunden werden, bei denen die neue Gebühr bei der Zustellung oder Abholung der Sendung eingehoben und an die zuständigen Behörden abgeführt wird.

Für mehrere Staaten, darunter Österreich, liegt eine solche Lösung derzeit noch nicht vor. Es bestehen weiterhin offene Fragen hinsichtlich der Behandlung von Sendungen, für die die neue Zollgebühr nicht vorab entrichtet werden kann. Canada Post führt diese Länder deshalb weiterhin auf einer sogenannten „Suspension List“ und nimmt bis auf Weiteres keine Paketsendungen an. Betroffen sind sowohl private als auch kommerzielle Sendungen. Die Einschränkung gilt ausschließlich für Warensendungen. Briefpost und internationale Einschreibesendungen können weiterhin angenommen werden. Bereits eingelieferte Pakete könnten jedoch an die Absender retourniert werden.  

Auswirkungen auf Unternehmen und E-Commerce

Für österreichische Unternehmen und Privatpersonen, die Waren direkt aus Kanada über Postversand beziehen oder kanadische Online-Händler als Lieferanten nutzen, können dadurch vorübergehende Lieferverzögerungen und Einschränkungen im Versand entstehen. Auch kanadische Exporteure sehen sich mit zusätzlichen administrativen Anforderungen konfrontiert. Canada Post betont, dass es sich um eine vorübergehende Maßnahme handelt. Nach Angaben des Unternehmens wird gemeinsam mit der Europäischen Kommission, nationalen Postbetreibern und weiteren Partnern an einer rechtskonformen Lösung gearbeitet. Ein konkreter Termin für die Wiederaufnahme des regulären Paketverkehrs wurde bislang jedoch nicht genannt.


Für weitere Informationen oder allgemeine Fragen zum kanadischen Markt wenden Sie sich bitte an: 

Mag. Gregor Postl
AußenwirtschaftsCenter Toronto
T +1 416 967 3348 
E toronto@wko.at

Weitere interessante Artikel
  • Lenkrad und Armaturenbrett

    17.06.2026

    Estland erlaubt selbstfahrende Autos: Grünes Licht für die Zukunft
    Weiterlesen
  • Parkende LKWs und Autos auf einem Parkplatz, Topshot

    30.07.2026

    Ungarn: LKW-Wochenendfahrverbot Sommer 2026
    Weiterlesen
  • Eine Person mit Warnweste, Walkie-Talkie, einem Helm, Schutzbrille und Klemmbrett im Arm steht vor einem Stapel Container. Die Person spricht in das Walkie-Talkie.

    02.07.2026

    Luanda-Korridor gewinnt an Bedeutung für Angolas Logistikstrategie
    Weiterlesen