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Leicht schräg stehende Solarkollektoren. Im Hintergrund sind grüne Bäume und eine Bergkette
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Diversifizierung und Erneuerbare Energie: Marokko im Wandel

Mit Wind-, Solar- und Wasserkraft setzt Marokko konsequent auf die Energiewende. Die Ambitionen reichen von der Unabhängigkeit von Kohle bis hin zu einer führenden Rolle als Anbieter in der Produktion von grünem Wasserstoff.

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Marokko Erneuerbare Energien Schienenverkehr Verkehrsinfrastruktur/Tiefbau Urban Technologies
28.04.2026

Dank seiner geografischen Lage, hoher Sonneneinstrahlung und großer verfügbarer Flächen positioniert sich Marokko zunehmend als regionaler Vorreiter für Solarenergie und grünen Wasserstoff, der insbesondere in Europa als Schlüsseltechnologie zur Dekarbonisierung energieintensiver Industrien gilt. Diese strategische Ausrichtung wird durch energiepolitische Ziele gezielt gefördert, darunter der schrittweise Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2040 sowie der konsequente Ausbau erneuerbarer Energien. Parallel dazu setzt das Land auf innovative Planungsinstrumente wie ein nationales Mapping-System zur Identifikation optimaler Standorte für Solar- und Windprojekte, wodurch Investitionen gezielter gesteuert werden können.

Der Ausbau der Windenergie entwickelt sich zu einem zentralen Treiber der marokkanischen Energiewende. Im Jahr 2024 stieg die Stromproduktion aus Windkraft um 43 % auf rund 9.363 GWh und machte damit etwa 21 % der gesamten nationalen Stromerzeugung aus. Insgesamt trugen erneuerbare Energien damit rund 27 % zur Stromproduktion bei. Die wichtigsten Windparks befinden sich entlang der Atlantikküste und im Norden des Landes. Trotz steigender Tendenz bleibt der Anteil der Solarenergie in Marokko bislang vergleichsweise begrenzt: Die installierte Leistung beträgt rund 1.063 MW und entspricht etwa 19 % der gesamten erneuerbaren Stromproduktion – in einem Land mit einer der höchsten Sonneneinstrahlungen weltweit. Für Unternehmen ergeben sich hier vielfältige Möglichkeiten entlang der gesamten Solar-Wertschöpfungskette, insbesondere durch die Teilnahme an Großprojekten sowie ein erhebliches Kooperationspotenzial in den Bereichen Projektentwicklung, Bau und Betrieb. Darüber hinaus bieten innovative Segmente für Solaranlagen, Energiespeicherung und die Kopplung mit Wasserstoff- oder Entsalzungsprojekten zusätzliche Ansatzpunkte für Partnerschaften und Wachstum.

Am Standort Jorf Lasfar, eineinhalb Stunden südlich der wirtschaftlichen Metropole Casablanca, zeigt sich der Wandel anhand des staatsnahen Phosphatkonzerns OCP: von einem klassischen Rohstoffexporteur hin zu einem integrierten Industrie- und Technologiekonzern. Auf Basis der weltweit größten Phosphatreserven entwickelt sich OCP zunehmend zu einem globalen Akteur in der Agrar- und Industriechemie, mit dem Ziel, mehr Wertschöpfung im Inland zu generieren und spezialisierte Produkte entlang der gesamten Wertschöpfungskette anzubieten. Gleichzeitig investiert das Unternehmen massiv in erneuerbare Energien – unter anderem durch Solaranlagen mit einer Gesamtkapazität von über 200 Megawatt – sowie in Meerwasserentsalzung, um die eigene Produktion langfristig nachhaltig und ressourceneffizient abzusichern.

Im Rahmen der nationalen Initiative „Offre Maroc“ für grünen Wasserstoff konzentrieren sich die geplanten Großprojekte insbesondere auf die südlichen und atlantischen Regionen des Landes, darunter Laâyoune, Dakhla und Tarfaya, die über hervorragende Wind- und Solarressourcen sowie große verfügbare Flächen verfügen. Die Umsetzung erfolgt durch eine Auswahl internationaler und nationaler Konsortien, darunter das Konsortium ORNX (bestehend aus Ortus aus den USA, Acciona aus Spanien und Nordex aus Deutschland), das sich auf die Produktion von grünem Ammoniak fokussiert, sowie ein spanisch-emiratisches Konsortium aus Cepsa (Spanien) und Taqa (Vereinigte Arabische Emirate) im Bereich synthetischer Kraftstoffe. Ergänzt wird dies durch weitere Schlüsselakteure wie ACWA Power aus Saudi-Arabien, Nareva aus Marokko sowie ein chinesisches Konsortium mit UEG und China Three Gorges, die Projekte entlang der gesamten Wertschöpfungskette entwickeln. Im Februar 2026 hat Marokko mit den ausgewählten Investoren erste Landreservierungsverträge unterzeichnet und damit den Übergang von der strategischen Planung in die konkrete Projektvorbereitung vollzogen; die Vorhaben befinden sich aktuell in der Phase detaillierter Machbarkeitsstudien, Flächensicherung und struktureller Ausarbeitung und sind noch nicht in der Bauphase.

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