Norwegen: Autonomer Linienbus ohne Begleitperson
Europa-Premiere in Stavanger
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In der norwegischen Ölhauptstadt Stavanger ist seit Mai 2026 ein autonomer Linienbus ohne Begleitperson im regulären Fahrgastbetrieb unterwegs. Das ist eine Premiere in ganz Europa. Die Strecke führt durch das Innere der rund 150.000 Einwohner starken Stadt und umfasst mehrere komplexe Verkehrssituationen, darunter stark befahrene Kreuzungsbereiche sowie einen rund 800 Meter langen Tunnel.
Zum Einsatz kommt ein autonomer Midibus des Typs Karsan e-ATAK, der sich im normalen Straßenverkehr mit einer Geschwindigkeit von bis zu 40 km/h bewegt. Als technologische Grundlage dient die Plattform xFlow des norwegischen Unternehmens Applied Autonomy, die die Fernüberwachung und Steuerung der Fahrzeuge ermöglicht.
Vom Pilotprojekt zum regulären Betrieb
Die aktuelle Zulassung markiert den vorläufigen Höhepunkt eines mehrjährigen Entwicklungsprojekts, bei dem bereits im Mai 2022 eine erste autonome Pilotlinie in Stavanger den Betrieb aufgenommen hatte. Damals befand sich aber noch eine Begleitperson im Fahrzeug, die bei Bedarf eingreifen konnte. Die 2,6 Kilometer lange Strecke entlang des Hafens führte über mehrere Kreisverkehre und Fußgängerüberwege und diente dazu, Erfahrungen unter realen Verkehrsbedingungen zu sammeln.
In den folgenden Jahren wurde das Projekt schrittweise erweitert. Die Strecke wurde verlängert, die zulässige Höchstgeschwindigkeit angehoben und zusätzliche Streckenabschnitte für den autonomen Betrieb freigegeben. Mit der jüngsten Genehmigung entfällt nun erstmals die Verpflichtung, eine Aufsichtsperson im Fahrzeug mitzuführen. Stattdessen wird der Betrieb von einer Leitstelle aus überwacht, die bei Bedarf eingreifen kann.
Möglich wird dieser Schritt durch Systeme zur Fernüberwachung und Fernunterstützung. Während in der Testphase jedes Fahrzeug noch einzeln betreut wurde, können die Mitarbeitenden in der Leitstelle heute mehrere Fahrzeuge gleichzeitig überwachen. Dadurch sinkt der Personalaufwand, was als wichtiger Faktor für einen wirtschaftlichen Einsatz autonomer Fahrzeuge gilt.
Chancen für den öffentlichen Verkehr
Die Entwicklung wird auch außerhalb Norwegens aufmerksam verfolgt. Viele Verkehrsunternehmen in Europa stehen vor ähnlichen Herausforderungen: steigende Betriebskosten, Fahrpersonalmangel und der politische Wunsch, das Angebot im öffentlichen Verkehr auszubauen. Autonome Busse könnten künftig eine ergänzende Rolle übernehmen, etwa auf weniger stark frequentierten Linien, in Tagesrandzeiten oder in Regionen, in denen es zu wenige Fahrer:innen gibt. Deswegen blickt aktuell auch Österreich nach Norwegen.
Stavanger dient damit als eines der bislang wichtigsten Praxisbeispiele für den Einsatz autonomer Fahrzeuge im öffentlichen Verkehr unter realen Betriebsbedingungen. Ob sich das Modell auch in anderen europäischen Städten durchsetzt, hängt von den regulatorischen Rahmenbedingungen, den Kosten und den Erfahrungen im laufenden Betrieb ab.