EU-Aktuell Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechnik Nr. 2 | Ausgabe Juni 2026
Aktuelle EU-Gesetzesvorhaben, Initiativen und Neuigkeiten für Installations- und Gebäudetechniker:innen
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Mit der Informationsreihe "EU-Aktuell" berichten wir regelmäßig über aktuelle EU-Gesetzesvorhaben, Initiativen, Neuigkeiten und Wissenswertes aus Brüssel und die Verbandsarbeit des europäischen Verbandes GCP Europe.
In dieser Ausgabe beleuchten wir die bedeutende Rolle der Sanitärtechnikbetriebe für die Energie-, Wasser- und Klimawende und die jüngsten Initiativen der Europäischen Interessenvertretung in den Bereichen Sanitär und Wasserhygiene bis hin zu wichtigen politischen Entwicklungen, die die tägliche Arbeit der Fachkräfte in ganz Europa betreffen.
Energieeffizienz – was kommt auf Unternehmen zu
Die EU-Energieeffizienzrichtlinie (EED III) bringt für Unternehmen deutlich strengere Vorgaben, um den Energieverbrauch in der Wirtschaft weiter senken. Das bedeutet Änderungen bei Fristen, Auditpflichten und der Verantwortung des Managements.
Eine der wesentlichsten Änderungen ist die Abkehr vom bisherigen System, das Pflichten primär an die Unternehmensgröße knüpfte. Während früher vor allem die Einstufung als KMU oder Nicht-KMU entscheidend war, orientiert sich die EED III nun an der tatsächlichen Energieintensität (Energieverbrauch pro Produktionseinheit) eines Unternehmens. Damit rückt der reale Energieverbrauch in den Mittelpunkt.
Unternehmen mit einem jährlichen Gesamtenergieverbrauch
- von mehr als 10 Terajoule (TJ) bis 85 TJ bzw. umgerechnet in die gebräuchlicheren Gigawattstunden
- von mehr als 2,8 Gigawattstunden (GWh) bis 10 GWh
müssen verpflichtend alle vier Jahre ein Energieaudit durchführen, unabhängig davon, ob sie formal als KMU gelten oder nicht.
Wird ein Verbrauch von mehr als 85 TJ bzw. 10 GWh überschritten, muss ein zertifiziertes Energie- oder Umweltmanagementsystem im Unternehmen implementiert werden, wobei beim Umweltmanagementsystem zusätzlich ein Energieaudit vorgeschrieben ist. Diese Umstellung führt dazu, dass auch energieintensive kleinere Unternehmen erstmals in den Geltungsbereich der strengeren Vorgaben fallen, während große, aber energiearme Betriebe aus der Verpflichtung fallen können.
EED III definiert Energieaudits Die EED III definiert zudem, wie Energieaudits künftig auszusehen haben. Sie müssen nach anerkannten Normen (z.B. ISO-Standards) durchgeführt werden, alle relevanten Energieflüsse erfassen und konkrete Einsparpotenziale aufzeigen. Wirtschaftlichkeitsanalysen werden verpflichtend: Unternehmen müssen Investitionskosten, Amortisationszeiten und Einsparpotenziale nachvollziehbar darstellen. Darüber hinaus verlangt die Richtlinie eine digitale Dokumentation und Übermittlung der Auditdaten an nationale Stellen, was in Österreich über die Energieeffizienz-Monitoringbehörde E-Control erfolgen wird.
Artikel jetzt lesen: Energieeffizienz – was kommt auf Unternehmen zuMärz-Energiepaket der EU: Investieren, entlasten, absichern
Die Kommission will mit einer Investitionsstrategie für saubere Energie, einem Bürgerenergiepaket und einer Neubewertung der Kernkraft Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Dekarbonisierung zugleich adressieren.
Die Europäische Kommission hat am 10. März 2026 ein nicht-legislatives Energiepaket vorgestellt, das Investitionen in saubere Energie mobilisieren, die Widerstandsfähigkeit des europäischen Energiesystems erhöhen und die Energiepreise für Haushalte und Unternehmen dauerhaft senken soll. Das Maßnahmenbündel ergänzt bestehende Initiativen wie den Aktionsplan für erschwingliche Energie vom Februar 2025 sowie den Net-Zero Industry Act aus dem Jahr 2024 und soll eine stärkere investitions- und umsetzungsorientierte Phase der europäischen Energiepolitik einläuten.
Artikel jetzt lesen: März-Energiepaket der EU: Investieren, entlasten, absichernLeistbare Energie als Standortfaktor Europas
Der Europäische Rat und der Energieminister:innen-Rat navigieren zwischen kurzfristiger Entlastung, Klimazielen und strukturellem Umbau des Energiesystems. EU-ETS und Merit-Order stehen zur Debatte.
Energiepolitik ist eines der dominierenden Themen auf europäischer Ebene – und sie stand auch im Zentrum der Beratungen des Europäischen Rates am 19. März. Vor dem Hintergrund anhaltend hoher Energiepreise, geopolitischer Unsicherheiten und von zunehmendem Druck auf die industrielle Wettbewerbsfähigkeit der EU haben die Staats- und Regierungschefs erneut deutlich gemacht, dass leistbare Energiepreise eine zentrale Voraussetzung für wirtschaftliche Stabilität und Standortattraktivität darstellen. Dabei rückte neben dem langfristigen Ausbau erneuerbarer Energien insbesondere die Frage kurzfristiger Entlastungsmaß nahmen in den Fokus.
Am 16. März fand außerdem der Energieminister:innen-Rat statt, bei dem insbesondere das European Grids Package im Mittelpunkt stand. Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner brachte zudem einen Vorschlag zur Verbesserung des Merit-Order-Systems ein, mit Fokus auf mehr Transparenz. Ziel sei eine sachliche europäische Debatte über das Zusammenspiel von CO2-Preis und Strommarkt, um sicherzustellen, dass günstige erneuerbare Energie auch tatsächlich bei der Wirtschaft und den Haushalten ankommt.
Artikel jetzt lesen: Leistbare Energie als Standortfaktor EuropasEU-Klimapolitik am Prüfstand
Mit dem Beginn der Bepreisungsphase des CBAM seit 1.1.2026 und der anstehenden Revision des Europäischen Emissionshandels (EU-ETS) befinden wir uns 2026 in einem entscheidenden Jahr im Hinblick auf die Europäische Klimapolitik.
Nicht weniger als die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Wirtschaftsstandortes steht auf dem Spiel. Bei der Vorstellung des Green Deal im Jahr 2019 bezeichnete Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen diesen als die neue Wachstumsstrategie, die beweisen sollte, dass wirtschaftliches Wachstum Hand in Hand mit der Reduktion von Emissionen gehen kann. Heute, sieben Jahre später, sehen wir uns mit der harten Realität konfrontiert. Der Wirtschaftsstandort Europa gerät immer mehr ins Wanken und die heimischen Betriebe stehen vor immensen Herausforderungen, angeführt von den global höchsten Energiepreisen und einer Flut an bürokratischen Verpflichtungen, die der Green Deal nach sich zieht. Es zeigt sich damit deutlich, dass der eingeschlagene Weg einer deutlichen Kurskorrektur bedarf. Die anstehende Revision des EU-Emissionshandels bietet nun die Möglichkeit, den Unternehmen klare Signale zu senden.
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