KI-gestützte Betrugsversuche erkennen
#10TageGegenPhishing
Lesedauer: 4 Minuten
Schockanrufe, Phishing-Mails und andere Betrugsmaschen gibt es schon lange. KI eröffnet Kriminellen aber neue Möglichkeiten: Nachrichten lassen sich professioneller formulieren, Stimmen nachahmen und Bilder oder Videos verändern. Dadurch können bekannte Betrugsmaschen schwerer zu erkennen sein.
Entscheidend ist deshalb weniger, ob Sie eine KI-Fälschung als solche erkennen. Fragen Sie sich vielmehr: Was wird von mir verlangt und kann ich die Geschichte über einen anderen Weg überprüfen?
Mit unserem „Werkzeugkasten gegen Phishing" stellen wir zehn einfache Hilfsmittel vor, die dabei helfen, Phishing-Versuche zu durchschauen. Heute ist es der Schlüssel. Er steht für ein vereinbartes Codewort, also einen Schlüssel, der beweist, dass am anderen Ende wirklich die richtige Person ist.
Was ist Künstliche Intelligenz?
Künstliche Intelligenz, kurz KI, bezeichnet Computerprogramme, die zum Beispiel Texte schreiben, Bilder erstellen oder Stimmen erzeugen können.
Auch Kriminelle können solche Programme nutzen. Dadurch können betrügerische Nachrichten, Anrufe, Bilder oder Videos besonders glaubwürdig wirken.
Wie nutzen Kriminelle KI?
Mit KI lassen sich unterschiedliche Inhalte erzeugen oder verändern:
- Texte: Phishing-Mails, SMS oder Messenger-Nachrichten können schnell und sprachlich korrekt formuliert werden. Rechtschreibfehler sind deshalb kein verlässliches Warnzeichen mehr.
- Audio: Mit KI lassen sich Stimmen künstlich erzeugen oder verändern. So können Anrufe oder Sprachnachrichten täuschend echt wirken.
- Bilder: Künstlich erzeugte oder veränderte Bilder können eine erfundene Geschichte glaubwürdiger machen.
- Videos: Videos können so manipuliert werden, dass eine Person scheinbar etwas sagt oder tut, das nie passiert ist. So können etwa Prominente vermeintlich für dubiose Geldanlagen oder andere betrügerische Angebote werben.
Beispiel: Wenn das eigene Kind anruft
Wie KI einen bekannten Betrugsversuch glaubwürdiger machen kann, zeigt das Beispiel eines Schockanrufs:
„Mama, ich hatte einen Unfall. Bitte überweis mir schnell Geld."
Die Stimme klingt nach dem eigenen Kind. Gleichzeitig werden eine Notlage und Zeitdruck erzeugt. Betroffene sollen möglichst schnell handeln, bevor sie die Geschichte überprüfen.
Damit Kriminelle eine Stimme nachahmen können, benötigen sie Sprachaufnahmen der betreffenden Person. Diese können zum Beispiel aus Videos auf Instagram, TikTok oder YouTube, aus Podcasts, Interviews oder anderen öffentlich zugänglichen Aufnahmen stammen. Auch ein früheres Telefonat kann theoretisch aufgezeichnet und als Vorlage verwendet werden.
Eine vertraute Stimme allein ist kein sicherer Beweis dafür, wer tatsächlich anruft!
So schützen Sie sich vor KI-gestützten Betrugsversuchen
Ob bei einem Betrugsversuch tatsächlich KI eingesetzt wurde, lässt sich oft gar nicht so leicht erkennen. Das müssen Sie auch nicht. Folgende Maßnahmen helfen unabhängig davon:
- Prüfen Sie den Kontakt selbst: Ruft angeblich ein Familienmitglied an, legen Sie auf und rufen Sie die gespeicherte Nummer zurück. Unternehmen kontaktieren Sie über die offizielle Website, App oder Telefonnummer.
- Vereinbaren Sie ein Familienpasswort: Ein gemeinsames Codewort kann bei angeblichen Notfällen helfen. Wählen Sie kein leicht zu erratendes Wort wie den Namen des Haustiers oder einen Geburtstag.
- Öffnen Sie Links nicht vorschnell: Rufen Sie die bekannte Website einer Bank, eines Paketdienstes oder eines anderen Unternehmens lieber selbst auf.
- Hinterfragen Sie ungewöhnliche Forderungen: Auch eine vertraute Stimme, ein realistisches Bild oder ein überzeugendes Video beweisen nicht, dass etwas echt ist.
- Holen Sie eine zweite Meinung ein: Gerade bei Geldforderungen oder angeblichen Notfällen kann ein kurzes Gespräch mit einer vertrauten Person helfen.
Auf einen Betrug mit KI hereingefallen? Das können Sie tun!
- Kontaktieren Sie Ihre Bank, wenn Sie Geld überwiesen oder Zahlungsdaten weitergegeben haben.
- Ändern Sie betroffene Passwörter und aktivieren Sie, wenn möglich, eine Zwei-Faktor-Authentifizierung.
- Informieren Sie die betroffene Person oder das Unternehmen, wenn deren Identität für den Betrugsversuch verwendet wurde.
- Sichern Sie Beweise wie Nachrichten, Telefonnummern, Screenshots oder Sprachnachrichten.
- Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei.
Die wirksamste Waffe gegen Betrugsversuche ist: Wissen. Wer die gängigsten Tricks versteht, erkennt Warnsignale schneller und kann besser reagieren. Bleiben Sie deshalb stets up to date – am besten mit den Info-Angeboten von Watchlist Internet.