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Ein Kugelschreiber und ein Taschenrechner liegen auf einem Antragsformular für ein Gewerbe
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2.348 neue Kärntner Unternehmen im Jahr 2025

Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten bleibt der Gründergeist in Kärnten lebendig. Im Jahr 2025 wurden 2.348 neue Unternehmen gegründet, was einem Plus von rund vier Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Besonders erfreulich sind der hohe Frauenanteil sowie die starke Dynamik bei jungen Gründerinnen und Gründern. Die aktuellen Zahlen zeigen: Kärnten gründet – braucht aber bessere Rahmenbedingungen, damit aus Ideen nachhaltige Unternehmen entstehen können.

Lesedauer: 6 Minuten

Aktualisiert am 29.01.2026

In wirtschaftlich herausfordernden Zeiten entscheiden sich immer mehr Menschen in Kärnten für die Selbstständigkeit. Mit 2.348* Neugründungen im Jahr 2025 liegt Kärnten um rund vier Prozent über dem Vorjahreswert (2024: 2.258). Damit bestätigt sich: Unternehmergeist und Gestaltungswille bleiben ein wichtiger Motor für den Wirtschaftsstandort Kärnten. Auffallend hoch ist erneut der Frauenanteil, der mit 48,2 Prozent deutlich über dem österreichweiten Durchschnitt von 45,7 Prozent liegt. Auch das Durchschnittsalter der Gründer:innen ist mit 36,9 Jahren niedrig. Besonders stark ist die Dynamik bei jungen Gründer:innen. Die größten Zuwächse verzeichnen die unter 20-Jährigen sowie die Altersgruppe zwischen 20 und 30 Jahren. 

Regionale Schwerpunkte und starke Branchen

Die meisten Unternehmensgründungen entfielen im Jahr 2025 auf Klagenfurt-Stadt (520), gefolgt von Spittal an der Drau (287) und Klagenfurt-Land (272). Gemessen an der Einwohnerzahl wird besonders intensiv in Klagenfurt und im Bezirk Hermagor gegründet. Nach Sparten zeigt sich ein ähnliches Bild wie in ganz Österreich: Gewerbe und Handwerk liegen mit 38,2 Prozent an erster Stelle, gefolgt vom Handel mit 25,6 Prozent sowie Information und Consulting mit 21,4 Prozent. Zu den stärksten Gründungsbranchen zählen Unternehmensberatung, Buchhaltung und IT, Werbung und Marktkommunikation, Versand- und Internethandel sowie persönliche Dienstleistungen. Die bevorzugte Rechtsform bleibt das Einzelunternehmen mit 76 Prozent, gefolgt von der GmbH mit 13,1 Prozent. Kärntner Gründungen erweisen sich zudem als besonders nachhaltig: Nach drei Jahren sind noch rund 82 Prozent der Unternehmen aktiv – mehr als im österreichweiten Durchschnitt (79 Prozent). 

Gründen mit Mut, aber nicht ohne Hürden

„Die Zahlen zeigen klar, dass Kärnten gründungsfreudig ist und sich viele Menschen bewusst für das Unternehmertum entscheiden“, sagt Lucija Wakounig, Leiterin des Gründerservice der Wirtschaftskammer Kärnten. Gleichzeitig mache die Statistik auch deutlich, wo es hakt. „Der Zugang zu Kontakten, komplexe rechtliche Anforderungen, Sozialversicherung sowie Steuern und Abgaben bleiben zentrale Hürden. Genau hier braucht es spürbare Verbesserungen, damit gute Ideen nicht frühzeitig ausgebremst werden.“ Auch Nika Basic, WK-Vizepräsidentin und Landesvorsitzende der Jungen Wirtschaft Kärnten, fordert klare Reformschritte: „Die aktuelle Ganzjahresstatistik zeigt zwei Dinge klar: In Kärnten wird gegründet und gleichzeitig sagen uns Gründer:innen sehr deutlich, was sie bremst: der Zugang zu Kontakten, komplizierte rechtliche Anforderungen und Amtswege, hohe bzw. schwer planbare Sozialversicherung sowie Steuern und Abgaben. Wenn die Politik wirklich will, dass aus guten Ideen stabile Unternehmen werden, dann muss sie genau hier ansetzen – nicht mit Sonntagsreden, sondern mit spürbaren Reformen im Alltag. Wir fordern erstens einen echten Bürokratie- und Verfahrens-Turbo: One-Stop-Shop statt Behördenmarathon, digitale Prozesse mit einmaliger Dateneingabe und verbindliche Bearbeitungsfristen, damit eine Gründung nicht an Formularen und Zuständigkeitswirrwarr scheitert. Zweitens brauchen wir eine gründungsfreundliche, planbare Sozialversicherung: weniger Einstiegsbelastung in den ersten Jahren, transparente Beitragsvorschauen und keine Nachzahlungs-Schocks, die jungen Unternehmen den Boden unter den Füßen wegziehen. Drittens müssen Steuern und Abgaben einfacher werden – klare Regeln, weniger Komplexität und echte Entlastung dort, wo besonders viele alleine starten. Viertens müssen wir den Marktzugang verbessern: Wer gründet, braucht Kunden und Netzwerke – deshalb braucht es Programme, die Kontakte, Mentoring und erste Aufträge ermöglichen, etwa über Pilotvergaben und öffentliche Aufträge, die auch Jungunternehmen realistisch gewinnen können. Kärnten hat Gründungsdynamik – jetzt muss die Politik liefern, damit aus dieser Dynamik Wachstum, Beschäftigung und langfristige Standortstärke werden. Unser Ziel ist simpel: Gründen muss leichter werden als Aufgeben.“ 

Neugründungen als starker Motor für Wertschöpfung und Beschäftigung

Neugründungen wirken sich nicht nur auf den einzelnen Betrieb aus, sondern auch auf dessen Umfeld. Eine volkswirtschaftliche Analyse zeigt, dass neu gegründete Unternehmen im Jahr 2023 in Kärnten eine regionale Wertschöpfung von mehr als 257 Millionen Euro ausgelöst haben – einschließlich indirekter und induzierter Effekte entlang der Wertschöpfungsketten. Zudem sichern sie direkt und indirekt rund 3.500 Arbeitsplätze im Land und leisten mit jährlich etwa 156 Millionen Euro an Steuern und Abgaben einen wesentlichen Beitrag zu den öffentlichen Haushalten und zur Sozialversicherung. Damit sind sie ein zentraler Motor für Beschäftigung, Wertschöpfung und Standortstabilität in Kärnten. „Neugründungen schaffen damit nicht nur Selbstständigkeit, sondern Perspektiven für ganze Regionen. Jede Gründung setzt eine wirtschaftliche Dynamik in Gang. Umso wichtiger ist es, Gründer:innen bestmöglich zu unterstützen“, so Basic.  

Start-ups als Impulsgeber für Wachstum und Beschäftigung

Neben den klassischen Neugründungen gewinnen auch Start-ups zunehmend an Bedeutung. Seit 2013 sind in Österreich rund 3.700 Start-ups entstanden, die inzwischen etwa 30.000 Arbeitsplätze geschaffen haben. Sie stehen für Innovation, neue Geschäftsmodelle und eine hohe Wachstumsdynamik. Auch für Kärnten sind sie ein wichtiger Impulsgeber für Beschäftigung und Standortentwicklung. Mit gezielten Unterstützungsangeboten wie dem Programm „Jetzt durchstarten“ werden innovative Gründer:innen dabei unterstützt, ihre Ideen weiterzuentwickeln und sich nachhaltig am Markt zu etablieren. 

Klare Motive hinter dem Schritt in die Selbstständigkeit

Die Entscheidung für eine Unternehmensgründung erfolgt dabei überwiegend aus eigenem Antrieb. Im Vordergrund stehen der Wunsch nach mehr Flexibilität in der Zeit- und Lebensgestaltung, der lang gehegte Traum, sein eigener Chef bzw. seine eigene Chefin zu sein, sowie das Ziel, das eigene Einkommen zu steigern. Für viele Gründer:innen – insbesondere in der zweiten Lebenshälfte – bietet die Selbstständigkeit zudem eine neue berufliche Perspektive, um Erfahrung, Know-how und unternehmerischen Gestaltungswillen einzubringen. 

Gründerservice als zentrale Anlaufstelle

Damit gute Ideen auch langfristig erfolgreich werden, ist professionelle Begleitung von Beginn an entscheidend. Das Gründerservice der Wirtschaftskammer Kärnten ist dabei die zentrale Anlaufstelle für angehende Unternehmer:innen im Land. Es unterstützt Gründer:innen umfassend – von der ersten Geschäftsidee über rechtliche und steuerliche Fragen, Finanzierung und Förderungen bis hin zu Sozialversicherung, Businessplan und Unternehmensentwicklung. „Der Schritt in die Selbstständigkeit ist für viele Menschen ein großer Meilenstein. Umso wichtiger ist es, Gründer:innen frühzeitig, persönlich und praxisnah zu begleiten“, betont Wakounig. „Unser Ziel ist es, Hürden abzubauen, Orientierung zu geben und Gründer:innen die Werkzeuge an die Hand zu geben, die sie für einen erfolgreichen Start brauchen – von individueller Beratung bis zu digitalen Tools.“  

Einen kompakten Überblick über alle relevanten Themen bietet auch der Tag der Gründung, der am 26. März 2026 in der Wirtschaftskammer Kärnten stattfindet. Dort können angehende Unternehmer:innen persönliche Beratungsgespräche führen, sich mit Expert:innen austauschen und praxisnahe Informationen erhalten. Der Tag der Gründung richtet sich an alle, die den Schritt in die Selbstständigkeit planen oder sich konkret darauf vorbereiten. Weitere Details und die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es unter gruendertag.at.

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