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Peter Storfer, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Kärnten
© WKK, Sabine Biedermann

Gewerbe und Handwerk Kärnten: Verhaltene Stimmung quer durch alle Branchen – Bau bleibt Sorgenkind

Die aktuelle Konjunkturerhebung der KMU Forschung Austria zeigt: Das Kärntner Gewerbe und Handwerk kommt weiterhin nicht aus dem Stimmungstief. Fehlende Investitionsimpulse, eine weiterhin schwache Baukonjunktur und zunehmende Unsicherheit bremsen die Betriebe quer durch alle Branchen. WK-Spartenobmann Storfer warnt vor einer weiteren Verschärfung der Lage und fordert rasche, gezielte Maßnahmen der Bundesregierung.

Lesedauer: 5 Minuten

Aktualisiert am 29.01.2026

Die aktuellen Konjunkturdaten der KMU Forschung Austria bestätigen die weiterhin pessimistische Grundhaltung im Kärntner Gewerbe und Handwerk. Die verhaltene wirtschaftliche Stimmung trifft nahezu alle Branchen gleichermaßen. Wesentliche Impulse bleiben aus – insbesondere aus dem Bau, der für viele Gewerbe- und Handwerksbetriebe eine zentrale Rolle spielt. Die Betriebe blicken weiterhin zurückhaltend in die Zukunft. Zwar hat sich der massive Rückgang der vergangenen Jahre zuletzt etwas abgeflacht, von einer nachhaltigen Erholung kann jedoch keine Rede sein. „Die Stimmung ist quer durch alle Branchen noch immer gedrückt. Diese allgemeine Unsicherheit ist eine der Hauptursachen für die pessimistische Grundhaltung in den Betrieben“, erklärt Peter Storfer, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Kärnten. Damit die „Industriestrategie Österreich 2035“ ihre Ziele erreichen kann, muss sie im Gewerbe und Handwerk auch ankommen. Storfer ergänzt: „Ihre Wirkung entfaltet sie vor allem dort, wo industrielle Wertschöpfung gemeinsam mit Gewerbe und Handwerk umgesetzt wird. Unsere Betriebe sind Zulieferer, Dienstleister und auch Umsetzer technologischer Innovationen.“ 

Treffsichere Maßnahmen

Konsumnahe Betriebe sind stärker von der zurückhaltenden Nachfrage der privaten Haushalte betroffen, was sich in stagnierenden Umsätzen und deutlich pessimistischen Erwartungen niederschlägt. Trotz einzelner Stabilisierungstendenzen überwiegen negative Einschätzungen und pessimistische Erwartungen. „Die Zurückhaltung der Konsumentinnen und Konsumenten bei größeren Anschaffungen macht sich in diesen Branchen besonders stark bemerkbar. Die Unsicherheit in den Haushalten führt dazu, dass Investitionen aufgeschoben werden – das trifft unsere Betriebe unmittelbar“, so Storfer.

Er betont daher die Notwendigkeit rascher und treffsicherer Maßnahmen der Bundesregierung, um Investitionen anzuregen, die Nachfrage zu stärken und wieder nachhaltiges Wachstum zu ermöglichen.

Die Auftragseingänge bzw. Umsätze im Kärntner Gewerbe und Handwerk sind im 1. bis 3. Quartal 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,2 % gesunken. Damit fiel das Minus zwar geringer aus als im Jahr davor, eine nachhaltige Erholung ist jedoch weiterhin nicht in Sicht. Im vierten Quartal 2025 beurteilten nur 15 % der Kärntner Betriebe ihre Geschäftslage als gut, während 27 % von einer schlechten Geschäftslage berichteten. Der Saldo von –12 Prozentpunkten liegt damit erneut unter dem österreichweiten Vergleichswert und zeigt eine deutliche Verschlechterung gegenüber dem Vorquartal.

Auch die Erwartungen bleiben pessimistisch: Für das erste Quartal 2026 überwiegen die negativen Einschätzungen mit einem Saldo von minus 23 Prozentpunkten. Zwar fällt der Pessimismus etwas geringer aus als im Vorjahr, dennoch rechnen deutlich mehr Betriebe mit rückläufigen als mit steigenden Auftragseingängen bzw. Umsätzen.

Bau als Schlüsselfaktor für viele Branchen

„Für unsere Sparte ist der Bau der zentrale Taktgeber. Leider zeigt der Trend hier noch nicht nach oben“, so Storfer. Vor allem im Hochbau fehlen nach wie vor größere Neubauprojekte, die dringend benötigte Impulse liefern könnten. Diese Zurückhaltung wirkt sich auch direkt auf das Bauneben- und Bauinstallationsgewerbe aus, das dem schwachen Bautrend mit einer gewissen Zeitverzögerung folgt. „Wenn im Hochbau nicht investiert wird, sind ganze Wertschöpfungsketten betroffen – vom Bauhilfsgewerbe bis zu den Installationsbetrieben“, betont Storfer. 

Fachkräftemangel verschärft sich

Der Fachkräftemangel spitzt sich zusätzlich zur konjunkturellen Schwäche weiter zu. Besonders problematisch ist der tendenzielle Rückgang bei den Lehrbetrieben. Obwohl das Interesse junger Menschen an einer Lehre grundsätzlich vorhanden ist, bilden immer weniger Unternehmen Lehrlinge aus. Gründe dafür sind, hohe Kosten, zunehmende Bürokratie und fehlende Planungssicherheit für die Betriebe. „Ein Unternehmen, das selbst nicht weiß, wie es wirtschaftlich weitergeht, kann sich kaum für mehrere Jahre an die Ausbildung eines Lehrlings binden“, erklärt Storfer. Langfristig verschärft diese Entwicklung den Fachkräftemangel und schwächt die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Kärnten.

Valorisierung der Lehrstellenförderung gefordert

Im abgelaufenen Jahr waren Gewerbe und Handwerk in Kärnten mit 3.287 Lehrlingen (davon 882 Lehrlinge im ersten Lehrjahr) in betrieblicher Ausbildung abermals die größte „Talenteschmiede“, mit Respektabstand. Mehr als 45 Prozent der heimischen Lehrlinge werden in Betrieben dieser Sparte ausgebildet. Der Rückgang um Minus 6,2 Prozent ist schmerzhaft, auch weil dieser höher ausfällt als in der Gesamtzahl über alle Sparten (4 Prozent). 

Angesichts der demografischen Entwicklung, der schulischen wie sozialen Defizite vieler junger Menschen, der steigenden Bürokratiebelastungen und der mittlerweile jahrelangen Rezession sei der steigende Aufwand für viele vor allem kleinere Betriebe kaum noch zu stemmen. Für den Staat hingegen ist ein Lehrling im Betrieb die mit Abstand günstigste Ausbildungsform. Ein Lehrling verursacht der öffentlichen Hand im Jahr 6.700 Euro Kosten (für Berufsschule und Förderung, abzüglich Rückflüsse aus SV-Beiträgen und Lohnsteuer). Ein Schüler/eine Schülerin einer berufsbildenden Schule (BMS, BHS) schlägt für den Staat hingegen mit 12.000 Euro zu Buche. Und eine Überbetriebliche Ausbildung im Auftrag des AMS kostet sogar mehr als 23.000 Euro, also mehr als das Dreifache. Storfer: „Wir fordern deshalb, dass die Lehrstellenförderung als Beitrag zu den Investitionskosten der Ausbildungsbetriebe gesehen und jährlich valorisiert wird, so wie das bei den Kosten von Schulen und Universitäten schließlich auch der Fall ist. Eine Kürzung kommt für uns nicht in Frage, das wäre ein fatales Signal.“

Forderung nach gezielten Impulsen

Für Storfer ist klar: „Wir brauchen endlich klare wirtschaftspolitische Impulse, insbesondere durch Investitionsanreize, ein wirksames Wohnbaupaket und spürbare Entlastungen für die Betriebe.“ Das erste Bürokratie-Abbaupaket, das die Bundesregierung am 3. Dezember 2025 präsentiert hatte, wurde seitens der Sparte begrüßt. Damit werden langjährige Forderungen erfüllt, etwa Erleichterungen bei Betriebsgenehmigungen oder der Errichtung von PV-Anlagen, eine verlängerte „Schonfrist“ bei Betriebsübergaben (Grace-Period) oder höhere Schwellenwerte für die Buchführungspflicht. Gleichzeitig müsse die duale Ausbildung gezielt gestärkt werden, etwa durch den Abbau bürokratischer Hürden für Lehrbetriebe, zusätzliche Unterstützung für ausbildende Unternehmen und verlässliche langfristige Rahmenbedingungen. „Ohne ausreichend Fachkräfte und Investitionen wird es keine nachhaltige Trendwende geben“, so Storfer abschließend.

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