Positive Signale für Kärntens Wirtschaft, Herausforderungen bleiben
Leichte Stimmungsaufhellung, aber weiter großer Handlungsbedarf: Das aktuelle Kärntner Konjunktur- und Investitionsbarometer wurde bei der KIKK präsentiert.
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Nach mehreren wirtschaftlich schwierigen Jahren zeigt die aktuelle Pulsmessung der Kärntner Wirtschaft erste Anzeichen einer Stabilisierung. Die Stimmung in den Unternehmen verbessert sich leicht, gleichzeitig bleiben hohe Standort- und Energiekosten, bürokratische Belastungen sowie eine zurückhaltende Investitionstätigkeit wesentliche Herausforderungen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung.
Vor diesem Hintergrund lud die Wirtschaftskammer Kärnten zur 24. Kärntner Investitions- und Konjunkturkonferenz (KIKK). WK-Präsident Jürgen Mandl begrüßte dazu Landeshauptmann Daniel Fellner erstmals in seiner Funktion bei einer KIKK sowie LHStv. Martin Gruber, LHStv.in Gaby Schaunig und Wirtschaftslandesrat Sebastian Schuschnig.
„Die KIKK ist seit vielen Jahren ein wichtiger wirtschaftspolitischer Seismograf für Kärnten. Sie bringt jene an einen Tisch, die Verantwortung für die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes tragen. Auf Basis konkreter Daten und Einschätzungen der Unternehmen diskutieren wir nicht nur die aktuelle Konjunkturlage, sondern vor allem die Maßnahmen, die notwendig sind, um den Wirtschaftsstandort Kärnten nachhaltig zu stärken. Gerade in herausfordernden Zeiten ist dieser direkte Austausch zwischen Wirtschaft und Politik wichtiger denn je“, betonte WK-Präsident Jürgen Mandl.
Im Mittelpunkt der Konferenz stand die aktuelle Lage der Kärntner Wirtschaft auf Basis des Kärntner Konjunktur- und Investitionsbarometers. Die Ergebnisse wurden von Herwig Draxler, Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik der Wirtschaftskammer Kärnten, präsentiert. Für die Erhebung wurden im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 359 Kärntner Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größenklassen befragt. Die Beteiligung stieg gegenüber dem Vorjahr um 3,8 %.
Die aktuelle Erhebung zeigt eine vorsichtige Verbesserung der wirtschaftlichen Erwartungen. Draxler: „So rechnen 13 % der Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten mit steigenden Umsätzen. Besonders positiv fällt die Entwicklung bei den Exporten aus: 57 % der Betriebe erwarten steigende Exportumsätze, 28 % gehen von einer stabilen Entwicklung aus. Erstmals seit längerer Zeit liegen auch die Beschäftigungserwartungen wieder im positiven Bereich und erreichen +13 %. Gleichzeitig bleibt die Auftragslage mit -6 % leicht negativ, die Investitionserwartungen liegen bei -26 %.“
Die gute Nachricht lautet: Die Stimmung verbessert sich.
„Erstmals seit längerer Zeit zeigen wichtige Indikatoren wieder nach oben. Das ist ein ermutigendes Signal, aber noch keine Trendwende, auf die wir uns verlassen können. Viele Betriebe stehen weiterhin unter erheblichem Kostendruck, Investitionen werden verschoben und notwendige Projekte dauern oft zu lange. Umso wichtiger ist es, die Wettbewerbsfähigkeit Kärntens weiter zu stärken und die richtigen Rahmenbedingungen für Wachstum, Investitionen und Beschäftigung zu schaffen. Wenn wir jetzt konsequent handeln, können aus den ersten positiven Signalen nachhaltige wirtschaftliche Dynamik und neue Chancen für den Standort Kärnten entstehen“, so WK-Präsident Mandl.
Die Ergebnisse zeigen damit eine Aufhellung der Stimmungslage, während insbesondere die Investitionsbereitschaft weiterhin zurückhaltend bleibt. Auch die von den Unternehmen genannten Prioritäten fallen eindeutig aus: An erster Stelle stehen die Senkung der Lohnnebenkosten, der Abbau bürokratischer Belastungen und wettbewerbsfähige Energiepreise. Ebenso wichtig sind leistungsfähige Infrastruktur, schnellere Genehmigungsverfahren und verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen. Die steigenden Kosten führen bereits zu konkreten Reaktionen in den Betrieben: 71 % geben die höheren Kosten über Preisanpassungen weiter, 40 % verschieben oder streichen Investitionen.
Standortentwicklung
Ein weiterer Schwerpunkt der Erhebung war die künftige Standortentwicklung. Die Unternehmen messen insbesondere dem Ausbau der Energie- und Netzinfrastruktur, besseren Breitbandverbindungen sowie wichtigen Verkehrsprojekten hohe Bedeutung bei. Ebenfalls hohe Priorität haben die Verbesserung von Breitbandanbindungen mit 49 %, das Projekt „Netzraum Kärnten“ mit 380-kV-Lückenschluss und 110-kV-Ausbau mit 40 % sowie der Ausbau von S37/B317 mit 35 %.
Dass sich Kärntens Unternehmen trotz schwieriger Rahmenbedingungen auf internationalen Märkten behaupten, zeigt sich besonders im Exportbereich. WK-Präsident Jürgen Mandl betont: „Die Exporterwartungen bleiben ein positives Element im aktuellen Wirtschaftsbild. Kärntens Unternehmen sind international aktiv und sehen auch im aktuellen Umfeld Chancen auf den Auslandsmärkten. Der Export bleibt damit ein wichtiger Wachstumstreiber und ein Beleg für die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe. Um dieses Potenzial bestmöglich zu nutzen, braucht es weiterhin verlässliche Rahmenbedingungen und eine konsequente Stärkung des Wirtschaftsstandorts.“
Landeshauptmann Daniel Fellner verwies auf die positiven Signale, die sich in den aktuellen Ergebnissen widerspiegeln:
„Die aktuellen Entwicklungen zeigen: Es sind deutliche positive Signale da. Das ist erfreulich, aber noch kein Grund, sich zurückzulehnen. Viele Kärntner Betriebe stehen weiterhin vor Herausforderungen und genau deshalb müssen wir jetzt anpacken. Kärnten hat starke Unternehmen, innovative Köpfe und enormes Potenzial. Dieses Potenzial wollen wir sichtbarer machen und Kärnten noch stärker als zukunftsfähigen Wirtschaftsstandort positionieren. Dafür braucht es verlässliche Rahmenbedingungen: weniger Bürokratie, schnellere Verfahren, moderne Infrastruktur sowie einen klaren Fokus auf Innovation und Digitalisierung. So schaffen wir die Basis für Investitionen, Wachstum und sichere Arbeitsplätze. Kärnten hat alles, was ein erfolgreicher Wirtschaftsstandort braucht. Jetzt gilt es, diese Chancen gemeinsam zu nutzen.“
LHStv. Martin Gruber betonte die Bedeutung guter Rahmenbedingungen für den Wirtschaftsstandort Kärnten:
„Die Lage, in der wir uns als Wirtschaftsstandort befinden, ist nicht einfach. Gerade deshalb ist es wichtig, gemeinsam Handlungsoptionen zu diskutieren. Es ist unsere Aufgabe, auch und gerade angesichts solcher Herausforderungen an besseren Rahmenbedingungen zu arbeiten“, betont Gruber. Ziel müsse es sein, Verfahrensdauern zu verkürzen, Abstimmungen zu verbessern und Investitionsprojekte frühzeitig lösungsorientiert zu begleiten. „Nur wenn wir unseren Reformkurs fortsetzen und den Wirtschaftsstandort konsequent in den Mittelpunkt stellen, können wir unsere Wettbewerbsfähigkeit weiterhin stärken.“ Zum Thema Standortabkommen und beschleunigte Verfahren sowie bessere behördliche Zusammenarbeit ergänzt Gruber: „Mit den bisherigen Strukturreformen haben wir bereits bewiesen, dass wir den Mut haben, an einer modernen Verwaltung zu arbeiten. Diesen Weg werden wir weitergehen.“ Ebenso wichtig sei es, so Gruber, als öffentliche Hand weiter in Infrastruktur zu investieren: So plant die Regierungskoalition, bis Ende der Legislaturperiode 185 bauwirksame Zukunftsprojekte umzusetzen. „Damit lösen wir rund drei Milliarden Euro an Investitionen aus. Wir investieren konsequent weiter in standortrelevante Infrastruktur.“
Wohnbaureferentin LHStv.in Gaby Schaunig verwies im Rahmen der Konferenz auf die große Bedeutung des gemeinnützigen Wohnbaus als Konjunktur- und Beschäftigungsmotor für Kärnten:
„Allein im heurigen Jahr sind 442 neue Wohneinheiten mit einem Fördervolumen von rund 79,2 Millionen Euro bereits in Umsetzung. Gleichzeitig wurde seit Jahresbeginn die umfassende Sanierung von 458 Wohnungen mit rund 11 Millionen Euro Förderungen und die Errichtung von 177 weiteren Wohnungen mit einer Fördersumme von 33,5 Millionen Euro neu zugesichert. Diese Investitionen schaffen Aufträge für die heimische Bauwirtschaft, sichern regionale Wertschöpfung und leisten einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung des Arbeitsmarktes. Die Wohnbauförderung ist damit nicht nur ein zentraler Baustein für leistbares Wohnen, sondern auch ein wesentlicher Impulsgeber für die wirtschaftliche Entwicklung Kärntens.“
Wirtschaftslandesrat Sebastian Schuschnig verwies auf die herausfordernden Rahmenbedingungen für den Wirtschaftsstandort Kärnten:
„Nach einem weiteren Jahr unter herausfordernden Rahmenbedingungen bleibt es, unsere zentrale Aufgabe, den Wirtschaftsmotor wieder in Schwung zu bringen. Gerade als Exportland spüren wir die Auswirkungen geopolitischer Veränderungen und einer schwächeren Konjunktur in für uns wichtigen Märkten wie Deutschland und Italien besonders stark. Er begrüßt deshalb das geplante Standortabkommen, insbesondere auch, weil darin wesentliche Inhalte aufgegriffen wurden, die gemeinsam mit der Wirtschaftskammer und der Industriellenvereinigung in einer österreichweiten Standortdeklaration bereits vereinbart wurden. Vor allem brauche es aber auch rasche, nachvollziehbare und rechtssichere Verfahren, die Investitionen erleichtern. „Deshalb haben wir ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, um überbordende Einspruchsmöglichkeiten von NGOs einzuschränken und gleichzeitig europarechtliche Vorgaben einzuhalten.“ Als erfreulich hob Schuschnig die heute dargelegte Innovationsbereitschaft der Unternehmen hervor. Das zeige, dass der aktuelle KWF-Kurs richtig sei: „Mit den neu ausgerichteten Förderangeboten des KWF setzen wir gezielt auf Zukunftsthemen wie Innovation, Künstliche Intelligenz und Qualitätsentwicklung im Tourismus, um die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe nachhaltig zu stärken.“
Resümee
Zum Abschluss der 24. KIKK zog WK-Präsident Jürgen Mandl ein klares Resümee. „Die Unternehmen haben in der aktuellen Erhebung sehr deutlich aufgezeigt, wo der größte Handlungsbedarf besteht: bei den Standortkosten, beim Bürokratieabbau, bei schnelleren Verfahren und bei Investitionen in die Infrastruktur. Jetzt geht es darum, die richtigen Weichen zu stellen und die notwendigen Maßnahmen konsequent umzusetzen. Kärnten steht im Wettbewerb um Investitionen, qualifizierte Arbeitskräfte und neue Betriebsansiedlungen. Wenn es gelingt, die Rahmenbedingungen weiter zu verbessern, können wir die Investitionsbereitschaft stärken und die aktuellen positiven Signale in nachhaltiges Wachstum, zusätzliche Wertschöpfung und sichere Arbeitsplätze verwandeln.“