AccelerateEU: Revision der H2 Produktionskriterien geplant
Informationen der Bundessparte Industrie
Lesedauer: 1 Minute
Mit AccelerateEU reagiert die EU-Kommission auf die Energiepreiskrise. Industriepolitisch zentral ist die Überarbeitung der Kriterien für Wasserstoff.
Die Europäische Kommission hat am 22. April 2026 die Mitteilung „AccelerateEU – Energy Union" veröffentlicht. Anlass sind die jüngsten Preisspitzen bei importierten fossilen Brennstoffen infolge der Nahost-Krise. Das Paket bündelt zumeist bereits bekannte strukturelle Initiativen zur Stärkung der europäischen Energieunion, ergänzt um kurzfristige Krisenmaßnahmen.
Neu ist jedoch die angekündigte Überarbeitung der Produktionskriterien für erneuerbaren Wasserstoff – eine langstehende Forderung der Industrie.
Die Bundessparte Industrie begrüßt dieses Vorhaben ausdrücklich und fordert eine realitätsnähere und praxistauglichere Ausgestaltung der Produktionskriterien, damit der Wasserstoffhochlauf gelingen kann. Die BSI hat ihre Forderungen den zuständigen Stellen der Kommission bereits übermittelt. Zu den wesentlichen Forderungen zählen:
- Additionalitätsvorgabe substanziell lockern: Die strikte Vorgabe benachteiligt Standorte mit hohem Erneuerbaren-Anteil sowie Direktleitungen gegenüber Netzbezug und muss grundlegend überarbeitet werden.
- Zeitliche Korrelation dauerhaft auf Monatsbasis belassen: Der ab 2030 vorgesehene Wechsel auf Stundenbasis würde die für einen tragfähigen Business-Case nötige Auslastung der Elektrolyseure massiv erschweren.
- Gleichbehandlung aller Typen von Stromlieferverträgen (PPAs): Finanzielle, virtuelle und physische PPAs sind gleichzustellen, da physische PPAs in regulierten Märkten und Industrienetzen häufig nicht umsetzbar sind.
- Generelles Förderverbot überarbeiten: Der pauschale Ausschluss von Strom aus geförderten Erneuerbaren-Anlagen für die RFNBO-Produktion (Produktion erneuerbarer Kraftstoffe nicht biologischen Ursprungs) ist überzogen und sachlich nicht gerechtfertigt.
- Anrechenbarkeit auf alle erneuerbaren Wasserstoffformen ausweiten: Auch RED-III-konformer biobasierter Wasserstoff muss auf das europäische Ziel anrechenbar sein.
Die BSI wird sich im Rahmen der anstehenden Überarbeitung weiterhin dafür einsetzen, die regulatorischen Rahmenbedingungen an die wirtschaftlichen und technischen Realitäten der Wasserstoffproduktion anzupassen.
Autor:
Julian Grinschgl, BA MSc
E-Mail: julian.grinschgl@wko.at