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Sparte Industrie

FTI-Pakt: Starkes Innovationssignal mit offenen Fragen

Informationen der Bundessparte Industrie

Lesedauer: 4 Minuten

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13.03.2026

Die österreichische Bundesregierung hat kürzlich den FTI-Pakt 2027-2029 vorgelegt. Aus Sicht der Industrie erfreulich ist vor allem die dadurch gegebene, mehrjährige Planungs- und Finanzierungssicherheit. Das Gesamtvolumen von rund 5,5 Mrd. Euro stellt – trotz budgetär schwieriger Rahmenbedingungen – eine stabile Basis für den Forschungs‑, Technologie- und Innovationsstandort Österreich dar.

Der Ministerratsbeschluss vom 24. Februar 2026 sieht mit einem Gesamtbudget der drei forschungsrelevanten Ministerien für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF), für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) und für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWEF) von rund 5,5 Milliarden Euro eine Erhöhung der Forschungsausgaben gegenüber der Planungsperiode 2024-2026 vor. Budgetzuwächse betreffen den Bereich der Grundlagenforschung, wogegen die Mittel für die angewandte und wirtschaftsnahe Forschung im Wesentlichen fortgeschrieben werden.

Diese Verschiebung der Schwerpunktsetzung ist aus Sicht der Industrie grundsätzlich problematisch: Vor dem Hintergrund des starken internationalen Wettbewerbsdrucks, den hohen Anforderungen an die industrielle Transformation und den generell (und damit auch im personalintensiven Forschungsbereich) stark steigenden Kosten sind stagnierende Budgets für die angewandte und wirtschaftsnahe Forschung nicht ausreichend.

Die konkrete Aufteilung zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung wird sich aber erst in der Umsetzung des FTI-Pakts zeigen. Ein beachtliches Volumen von 2,6 Milliarden Euro entfällt nämlich auf die neue Schlüsseltechnologie-Offensive im Rahmen der Industriestrategie der Bundesregierung: Dabei sollen industrielle Stärkefelder im Rahmen der gesamten Wertschöpfungskette unterstützt werden, unter besonderer Beachtung des Transfers von Forschung in marktfähige Anwendungen. Und auch hinsichtlich der Grundlagenforschung betont der FTI-Pakt explizit das Zusammenspiel zwischen Grundlagenforschung und angewandter, wirtschaftsnaher Forschung und möchte die Verwertung von Forschungsergebnissen stärker in den Fokus rücken.

Aus Sicht der Industrie wird die konkrete Wirkung des FTI‑Pakts maßgeblich davon abhängen, wie die Budgetmittel auf die Forschungsförderungseinrichtungen verteilt werden und ob die daraus resultierenden Fokusthemen konsequent auf Transfer, Skalierung und industrielle Umsetzung ausgerichtet sind.

Grundsätzlich muss ein Ziel sein, dass sich die führende Position Österreichs innerhalb der EU bei den F&E-Aufwendungen (hier liegt Österreich mittlerweile in den TOP-3) stärker übersetzt in andere Innovationskennzahlen (wie etwa das European Innovation Scoreboard, wo Österreich klar überdurchschnittlich abschneidet, aber – noch – keinen Spitzenplatz erreicht). Der FTI-Pakt bietet dafür Ansatzpunkte, bleibt aber hinsichtlich der Instrumente unklar.

Erfreulich ist, dass der FTI-Pakt – neben der auf neun Technologiebereiche fokussierenden Schlüsseltechnologie-Offensive – weiter auf themenoffene, bottom‑up‑orientierte Förderformate setzt. Diese sichern die unternehmerische Freiheit und Innovation auch außerhalb definierter Technologiefelder und sorgen so für Innovationsdynamik, Flexibilität und Breite des FTI‑Systems. Gerade bei den themenoffenen Basisprogrammen zeigen Evaluierungen immer besonders günstige Hebelwirkungen: Ein Fördereuro löst in diesem Bereich durchschnittlich 3,4 Euro an F&E-Investitionen der Industrieunternehmen aus und führt zu 19 Euro an Umsatz. Die Industrie tritt daher entschieden für eine ausreichende Dotierung themenoffener Programme ein.

Klar positiv ist das Bekenntnis im FTI-Pakt 2027-2029 zur Vereinfachung des Förderwesens, zu dessen Effizienzsteigerung und Entbürokratisierung. Durch Reduktion von Fragmentierungen und dem Abbau von Doppelstrukturen soll die Förderlandschaft gestrafft werden, digitale One-Stop-Shop-Strukturen und harmonisierte Förderlogiken sollen den Zugang zu Förderungen für Unternehmen vereinfachen. Die Industrie unterstützt diese Bemühungen nachdrücklich: Aus Sicht der Unternehmen besteht vor allem das Bedürfnis nach schnelleren Verfahren beziehungsweise kürzeren Entscheidungszeiträumen sowie transparenten Förderregeln.

Der FTI‑Pakt stärkt die Anschlussfähigkeit an europäische Förderprogramme (Horizon Europe, IPCEI, Chips Act, künftiger European Competitiveness Fund). Ein spezieller Fokus liegt dabei auf Industriebeteiligungen in EU-Programmen. Damit verbunden ist die Zusage und Absicherung nationaler Ko-Finanzierungen. Für die Industrie ergibt sich daraus die Chance auf eine Stärkung europäischer Wertschöpfungsketten.

Mit hohen Ambitionen behandelt der FTI-Pakt das Thema der Kreislaufwirtschaft: Die Kreislaufwirtschaft wird im FTI‑Pakt als Querschnittsthema („Mainstreaming“) positioniert. Der Grundgedanke der Kreislaufwirtschaft ist für die Industrie von zentraler Bedeutung. Allerdings besteht aus Sicht der Industrie die Sorge, dass „circular mainstreaming“ dadurch auch in jenen Bereichen zu einem Bestandteil von Förderprogrammen wird, wo der inhaltliche Zusammenhang und die Zielsetzung das Thema der Kreislaufwirtschaft nicht berühren – womit sich die Komplexität erhöhen würde sowie Planbarkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit negativ betroffen wären.

Der FTI-Pakt 2027-2029 ist eine tragfähige Basis für industrielle Innovation in Österreich. Aus Sicht der Industrie wäre aber wichtig, einen klaren Wachstumspfad für die angewandte Forschung festzulegen, über das Jahr 2026 hinaus. Unternehmen müssen mehr denn je auf F&E setzen, um einerseits wettbewerbsfähig zu bleiben und andererseits Transformationsanforderungen – vom Energiebereich bis zur Kreislaufwirtschaft – zu erfüllen. Dazu müsste ein deutlicherer Förderungspfad im FTI-Pakt enthalten sein. Problematisch ist auch das Fehlen einer Absicherung und Dotierung des „Fonds Zukunft Österreich“, obwohl dessen Verlängerung bis zum Jahr 2030 im Regierungsprogramm der Bundesregierung explizit genannt wird; schon für das laufende Jahr 2026 muss rasch eine (Übergangs-)Lösung für diese wichtige Finanzierungsquelle von F&E gefunden werden.

Generell darf nicht übersehen werden, dass Forschung, Technologie und Innovation immer eingebunden sein müssen in eine wirtschaftspolitische Gesamtstrategie: So wichtig FTI für die Zukunft eines Standorts ist, so ist doch die FTI-Förderung nur ein einzelner Baustein in einem strategischen Rahmen, der umso wirksamer ist, je enger die einzelnen Bausteine der Standortpolitik aufeinander abgestimmt sind. Die breit aufgesetzte Industriestrategie der Bundesregierung lässt hoffen, dass auch an anderen Bausteinen – beispielhaft genannt seien die Energiekosten, die Bürokratiekosten und die Arbeitskosten – konsequent gearbeitet wird.

Autorin:

Mag. Sandra Lengauer
E-Mail: sandra.lengauer@wko.at

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