Industrial Accelerator Act: Impulse für Europas Industrie
Informationen der Bundessparte Industrie
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Die Europäische Kommission hat den Industrial Accelerator Act vorgelegt und konkretisiert damit zentrale industriepolitische Maßnahmen der EU.
Mit der Vorlage des Industrial Accelerator Acts am 4. März 2026 konkretisiert die Europäische Kommission ihre industriepolitischen Vorhaben zur Stärkung der europäischen Produktionsbasis. Vor dem Hintergrund wachsender Abhängigkeiten von Drittstaaten, insbesondere China, sieht die Kommission darin ein Instrument zur Stärkung der europäischen Industrie.
Ziel ist es, die Nachfrage nach kohlenstoffarmen, in Europa hergestellten Technologien und Produkten zu erhöhen und damit Investitionen, Wachstum und Beschäftigung in der EU zu fördern. Stéphane Séjourné, Exekutiv-Vizepräsident für Wohlstand und Industriestrategie der Europäischen Kommission betont: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass strategische Industrien bald zu 100% aus China stammen, wenn nicht gegengesteuert wird. Der Industrial Accelerator Act ist ein Instrument der Reindustrialisierung Europas.“ Weiters soll der Anteil der verarbeitenden Industrie am EU-BIP bis 2035 auf mindestens 20 % steigen sowie die wirtschaftliche Sicherheit und Resilienz der Lieferketten gestärkt werden.
Zentral ist die Schaffung sogenannter Lead Markets für „Made in EU“- und kohlenstoffarme Produkte. Öffentliche Aufträge und Förderprogramme sollen verstärkt an Local-Content- und Low-Carbon-Kriterien geknüpft werden, insbesondere in energieintensiven Industrien wie Aluminium, Zement sowie bei Net-Zero-Technologien; für Stahl sind zusätzliche Präferenzen vorgesehen. Auch Drittstaaten sollen einbezogen werden, sofern sie europäischen Unternehmen einen vergleichbaren Zugang zu ihren Beschaffungsmärkten gewähren („Made with and in Europe“). Ergänzend sieht der Vorschlag strengere Vorgaben für ausländische Direktinvestitionen vor: Großprojekte ab 100 Millionen Euro in strategischen Sektoren sollen unter anderem Kooperationen mit EU-Unternehmen, einen Mindestanteil europäischer Beschäftigter sowie Forschungs- und Entwicklungsausgaben in der EU umfassen, um Wertschöpfung und technologischen Mehrwert in Europa sicherzustellen. Betroffen sind insbesondere Batterien, E-Mobilität, Photovoltaik sowie kritische Rohstoffe.
Zur Beschleunigung von Industrieprojekten sind zentrale Anlaufstellen („One-Stop-Shops“), vollständig digitalisierte Verfahren und nationale Beschleunigungszonen vorgesehen. Der Industrial Accelerator Act wurde im Clean Industrial Deal sowie in einer Mitteilung zur wirtschaftlichen Sicherheit angekündigt und setzt laut Kommission zentrale Empfehlungen des Draghi-Berichts um. Richtig umgesetzt könnte der Industrial Accelerator Act einige Verbesserungen für österreichische Unternehmen mit sich bringen. Die konkrete Ausgestaltung sowie die tatsächlichen Vorteile für unsere Unternehmen bleiben in den Verhandlungen mit Rat und Parlament noch abzuwarten.
Autorin:
Katja Schager, LL.M.
E-Mail: katja.schager@wko.at