Labels, Zertifizierungen und Managementsysteme zu Nachhaltigkeit
Unabhängige Dritte prüfen Produkte und Prozesse
Lesedauer: 9 Minuten
ISO-Standards und Richtlinien
Mithilfe der ISO-Standards können Sie Abläufe und Prozesse in Ihrem Unternehmen vereinheitlichen und „standardisieren“. So können Sie Themen wie Qualität, Umwelt oder Sicherheit strategisch verankern. Falls Sie eine ISO-Zertifizierung anstreben, können Sie anhand von unabhängigen externen Audits prüfen lassen, ob Ihre Prozesse den Vorgaben entsprechen.
Detaillierte Informationen zu den ISO-Standards erhalten Sie über ISO − International Organization for Standardization oder Austrian Standards.
Für die Themen Qualität, Umwelt und Sicherheit sind folgende Standards besonders relevant.
ISO 50001
Die ISO 50001 ist eine internationale Norm für betriebliches Energiemanagement. Die Norm ist branchenübergreifend anwendbar und eignet sich sowohl für kleine als auch große Betriebe.
Mithilfe der ISO 50001 können Sie die energiebezogene Leistung Ihres Unternehmens kontinuierlich verbessern – durch technische, organisatorische und strategische Maßnahmen. Konkret unterstützt die ISO 50001 Ihr Unternehmen dabei,
- Energieflüsse systematisch zu analysieren,
- Einsparpotenziale zu identifizieren und
- den Energieverbrauch zu senken.
Diese Maßnahmen unterstützen Sie dabei, die Treibhausgasemissionen Ihres Unternehmens nachhaltig zu reduzieren.
ISO 14001
Die ISO 14001 ist der international anerkannte Standard für Umweltmanagementsysteme. Die Norm ist branchenübergreifend anwendbar und gut mit der ISO 50001 kombinierbar.
Mithilfe der ISO 14001 können Sie die Umweltauswirkungen Ihres Unternehmens durch technische, organisatorische und strategische Maßnahmen fortlaufend reduzieren. Konkret unterstützt die ISO 14001 Ihr Unternehmen dabei, Faktoren wie Energieverbrauch, Emissionen und Ressourceneinsatz systematisch zu erfassen und kontinuierlich zu verbessern.
ISO 26000
Die ISO 26000 ist ein internationaler Standard, der Unternehmen dabei unterstützt, gesellschaftlich verantwortungsvoll zu handeln.
Die ISO 26000 basiert auf folgenden Grundsätzen:
- Rechenschaftspflicht
- Transparenz
- Ethisches Verhalten
- Achtung der Interessen von Anspruchsgruppen
- Achtung der Rechtsstaatlichkeit
- Achtung internationaler Verhaltensstandards
- Achtung der Menschenrechte
Aus diesen Grundsätzen ergeben sich folgende Kernthemen:
- Organisation und Organisationsführung
- Menschenrechte
- Arbeitspraktiken
- Umwelt
- Faire Betriebs- und Geschäftspraktiken
- Konsumentinnen- und Konsumentenanliegen
- Einbindung und Entwicklung der Gemeinschaft (ISO 2010: ISO 26000)
ONR 192500
Diese Richtlinie ist ein zertifizierbarer österreichischer Standard, der auf der ISO 26000 basiert und für den deutschsprachigen Raum entwickelt wurde. Sie bietet unter anderem konkrete Umsetzungshilfen für Corporate Social Responsibility (CSR) und Nachhaltigkeitsmanagement. Außerdem beinhaltet die ONR 192500 die Kernthemen der European Sustainability Reporting Standards (ESRS).
Sie können die ONR 192500 außerdem in bestehende Managementsysteme integrieren (z. B. ISO 9001 oder ISO 14001).
ISO 37301
Die ISO 37301 legt Anforderungen und Leitlinien fest, wie Organisationen ein wirksames Compliance-Management-System aufbauen, betreiben und verbessern können. Dies hilft Ihnen dabei, gesetzliche, regulatorische und interne Vorgaben einzuhalten.
Die Bundessparte Handel hat ein „Compliance Tool“ entwickelt, mit dem Sie Compliance Schritt für Schritt umsetzen können. Die Vorlagensammlung ist an den ISO 37301 angelehnt und eignet sich für Unternehmen jeder Größe sowie Risikostufe. Denn es unterstützt von der Selbstverpflichtung bis hin zum umfangreichen Compliance-Management-System. Obwohl das Tool für Handelsunternehmen entwickelt wurde, kann es auch branchenübergreifend als grundlegende Hilfestellung dienen.
• Zum Compliance-Tool der Bundessparte Handel
ISO 45001
Die ISO 45001 ist die internationale Norm für Arbeitsschutzmanagementsysteme. Sie kann Ihrem Unternehmen helfen, die Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz systematisch zu verbessern.
Umweltmanagementsysteme
EMAS
EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) ist das Umweltmanagementsystem der Europäischen Union und baut auf die ISO 14001 auf. EMAS unterstützt Sie dabei, ökologische und wirtschaftliche Schwachstellen aufzudecken und Kosten zu senken. Denn Sie erkennen beispielsweise, wo Material oder Energie verschwendet werden.
EMAS ermöglicht Ihnen eine strukturierte Vorgehensweise. Als Ergebnis erhalten Sie ein maßgeschneidertes Umweltprogramm sowie einen Maßnahmenplan für die Umsetzung. So können Sie Maßnahmen systematisch planen, umsetzen, überwachen und fortlaufend verbessern.
Da EMAS sehr viel Wert auf Transparenz legt, beinhaltet das System unter anderem eine validierte Umwelterklärung und ein öffentliches EMAS-Register.
EMAS easy beschreibt den Weg von der Bestandsaufnahme zu einem vollständigen EMAS-System, das auch für Kleinst- und Kleinunternehmen geeignet ist.
ÖKOPROFIT
ÖKOPROFIT ist ein praxisorientiertes Umweltmanagementsystem für Unternehmen. Die Umsetzung erfolgt im Zusammenschluss mehrerer Betriebe. Weltweit wurden bereits mehr als 5.000 Unternehmen nach diesem Modell zertifiziert.
Beratungsprojekte in diesem Bereich können in einzelnen Bundesländern ebenfalls gefördert werden.
Die Stärken von ÖKOPROFIT liegen
- im Aufbau eines umsetzungsorientierten Umweltmanagementsystems (UMS),
- im Sichtbarmachen von ökologischen und ökonomischen Potenzialen und Nutzen,
- in der stärkeren regionalen Verankerung der Betriebe,
- im Voneinander-Lernen,
- im Netzwerk.
Die drei wesentlichen Eckpunkte des Programms sind:
- die Workshopreihe,
- die begleitende Analyse- und Umsetzungsberatung,
- die Zertifizierung nach ÖKOPROFIT.
Links zu ÖKOPROFIT
Integrierte Managementsysteme (IMS)
Durch den Einsatz unterschiedlicher Managementsysteme entstehen in Unternehmen und Organisationen häufig Schnittstellenprobleme, die aus Sicht des Gesamtunternehmens ineffizient sind. Durch die Entwicklung von Integrierten Managementsystemen sollen diese suboptimalen Lösungen in Unternehmen beseitigt werden.
- Handbuch: Integriertes Management „Kosten-/Nutzen-Check“
- Plattform eval.at: Arbeitsplatzevaluierung – Integriertes Managementsystem
Folgende Regelwerke werden beim Integrierten Management berücksichtigt:
- ASchG (ArbeitnehmerInnenschutzgesetz),
- Ö-SGMS (Österreichischer Leitfaden zu SGM-Systemen),
- AUVA-SGM (Sicherheits- und Gesundheitsmanagementsystem der AUVA),
- OHSAS 18001 (Occupational Health and Saftey Assessment System),
- SCC (Sicherheits-Certifkat-Contraktoren Checkliste),
- EMAS-VO (Eco-Management and Audit Scheme),
- ISO 14001 (International Standardisation Organisation),
- ISO 9001:2000 (Quality Managements Systems – Requirements)
- ISO 9004:2000 (Quality Managements Systems – Guidelines for performance improvements)
Zertifizierungsmöglichkeiten für nachhaltige Produkte und Dienstleistungen
Europäisches Umweltzeichen
Das Europäische Umweltzeichen (EU Ecolabel) dient als EU-weit einheitliche Kennzeichnung für umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen. In vielen Produktgruppen sind die Anforderungskriterien des Europäischen und Österreichischen Umweltzeichen harmonisiert.
Zum Europäischen Umweltzeichen
Österreichisches Umweltzeichen
Das Österreichische Umweltzeichen wurde 1990 vom Umweltministerium eingeführt und ist das einzige umfassend staatlich geprüfte Umweltsiegel in Österreich. Zu den wesentlichen Zielen zählen bewusster Konsum, umsichtiger Umgang mit Ressourcen, nachhaltiges Wirtschaften und Bildung für eine nachhaltige Entwicklung.
Die Zertifizierung steht für die hohe Umweltqualität von Produkten und Dienstleistungen, nachhaltige Betriebsführung und soziale Verantwortung. Ausgezeichnet werden jene Produkte und Dienstleistungen, die geringere Umweltauswirkungen aufweisen als vergleichbare Alternativen.
Das österreichische Umweltzeichen umfasst folgende Kategorien:
- Produkte und Dienstleistungen
- Tourismus & Gastronomie
- Schulen und Bildungseinrichtungen
- Green Meetings & Events
- Kunst & Kultur
Workshopreihe oder Individualberatung
Das Österreichische Umweltzeichen wurde 1990 vom Umweltministerium eingeführt und ist das einzige umfassend staatlich geprüfte Umweltsiegel in Österreich. Mit Stand Juni 2020 gibt es 1.117 Unternehmen als Lizenznehmer, und rund 4.500 ausgezeichnete Produkte und Dienstleistungen auf der Basis von mehr als 60 Richtlinien. Bewusster Konsum, umsichtiger Umgang mit Ressourcen, nachhaltiges Wirtschaften und Bildung für eine nachhaltige Entwicklung sind wesentliche Ziele des Österreichischen Umweltzeichens.
Den Konsument:innen und Beschaffer:innen zeigt das Hundertwasser-Siegel umweltfreundliche Alternativen auf, die einen hohen Umweltstandard mit Qualität, Produktsicherheit und Gesundheitsförderung verbinden.
AMA-Biosiegel und AMA-Biosiegel Austria
Laut AMA ist das AMA-Biosiegel neben dem EU-Bio-Logo das einzige behördliche Siegel für Bio-Lebensmittel in Österreich. Das AMA-Biosiegel steht für Lebensmittelqualität, zusätzliche Umweltstandards und die Nachvollziehbarkeit der Herkunft. Das AMA-Biosiegel AUSTRIA kennzeichnet Produkte, deren landwirtschaftliche Rohstoffe aus Österreich stammen und auch hier be- und verarbeitet wurden.
Die Richtlinie AMA Biosiegel beschreibt ein Qualitätssicherungssystem, das auf den EU-BIO-Verordnungen und dem Österreichischen Codex Alimentarius aufbaut.
FAIRTRADE-Siegel für fair angebaute und gehandelte Produkte
FAIRTRADE kennzeichnet Waren, die aus fairem Handel stammen und bei deren Herstellung bestimmte soziale, ökologische und ökonomische Kriterien eingehalten wurden. Im Zentrum der Bemühungen steht, die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Menschen im Globalen Süden zu verbessern.
Es gibt zahlreiche Gütesiegel und Auszeichnungen im Bereich Nachhaltigkeit. Damit Sie den Überblick behalten, können Sie auf Analysen von Expert:innen zurückgreifen. Zwei mögliche Informationsquellen stellen wir Ihnen an dieser Stelle vor:
Der Greenpeace Gütezeichen Guide analysiert gängige Gütesiegel für Lebensmittel, Drogerieprodukte und Kleidung in Bezug auf deren Vertrauenswürdigkeit.
• Zum Greenpeace Gütezeichen-Guide
„Green Events“: Nachhaltige Veranstaltungen
Als „Green Events“ werden nachhaltige Veranstaltungen bezeichnet, die ökologische, soziale, ökonomische und kulturelle Aspekte berücksichtigen.
Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten zur Auszeichnung bzw. Zertifizierung von nachhaltigen Veranstaltungen:
- Zertifizierung im Rahmen des Österreichischen Umweltzeichens
- Verwendung der bundesländerspezifischen Green-Event-Initiativen-Logos
Green Events organisieren
Zertifizierungsmöglichkeiten für sozial verantwortliche Unternehmen
VSE-Verified Social Enterprise
Seit 1. Dezember 2022 können sich Unternehmen, Genossenschaften und Vereine erstmals als „Verified Social Enterprise“ registrieren lassen. Es ist ein Meilenstein für die österreichische Social Entrepreneurship Community und schafft mehr Sichtbarkeit gegenüber Kund:innen, Geldgeber:innen und anderen Unterstützer:innen. Initiiert wurde das Label von SENA-Social Enterprise Network Austria und der Wirtschaftskammer Österreich, unter der Schirmherrschaft des Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus.
Die Beantragung des Labels erfolgt über das Einreichportal der aws − Austria Wirtschaftsservice. Geprüft wird das Vorliegen des gesellschaftlichen Beitrags von einem unabhängigen Impact Board. Bei positiver Beurteilung wird das Unternehmen zudem im WKO Firmen A-Z als Verified Social Enterprise ausgewiesen.
Weiterführende Informationen zu „Verified Social Enterprise“berufundfamilie
berufundfamilie ist ein maßgeschneiderter Zertifizierungsprozess für Unternehmen aller Branchen, Rechts- und Unternehmensformen sowie Betriebsgrößen ab fünf Mitarbeiter:innen. Der Auditprozess wird von qualifizierten Berater:innen betreut. Diese unterstützen Ihr Unternehmen dabei, familienfreundliche Maßnahmen zu definieren, zu evaluieren, nachhaltig umzusetzen und von den positiven Effekten zu profitieren.
Unterstützen Sie Ihre Mitarbeiter:innen, um Fachkräfte zu gewinnen und Mitarbeiter:innen langfristig zu binden: Neben der Vereinbarkeit von Familie und Beruf spielen auch Aus- und Weiterbildung, Gesundheit und Sicherheit oder Chancengleichheit eine wichtige Rolle. Mehr dazu erfahren Sie unter Nachhaltiges Personalmanagement.
Weiterführende Informationen zu Gütezeichen
In Bezug auf die Vertrauenswürdigkeit von Labels gibt es große Unterschiede. Die Gütezeichen-Guides von Greenpeace helfen Ihnen dabei herauszufinden, auf welche Labels Ihr Unternehmen setzen kann:
- Gütezeichen-Guide für Lebensmittel
- Gütezeichen-Guide für Drogerieprodukte
- Gütezeichen-Guide für Kleidung
Webinare zu Labels, Zertifizierungen und Managementsystemen für Nachhaltiges Wirtschaften
In diesem Abschnitt finden Sie unsere bisherigen Webinare, in denen Expert:innen Labels, Zertifizierungen und Managementsystemen für Nachhaltiges Wirtschaften vorstellen.
Webinare zum Thema Nachhaltigkeit
Diese Webinar-Aufzeichnung zeigt, wie Sie durch Nachhaltigkeitszertifizierungen Kostenvorteile, Wettbewerbsvorsprünge und Marktzugang gewinnen können:
- Überblick: Was leisten ISO 14001, EMAS, ISO 50001 und weitere relevante Standards?
- Welche Vorteile ergeben sich für Betriebe konkret – ökonomisch, ökologisch, strategisch?
- Zertifizierungen als Türöffner für Aufträge, Partnerschaften und Förderungen
- Integration in bestehende Prozesse und Managementsysteme
- Erfahrungsberichte: So gelingt die Umsetzung in der Praxis
- Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten
- Tipps zur Auswahl der passenden Zertifizierung und zum Aufwand-Nutzen-Verhältnis
Weiterführende Informationen:
Vortragender: Otto Leodolter, Löffler GmbH
Dieser Vortrag beleuchtet die Bedeutung von Transparenz und Sorgfaltspflicht in der textilen Lieferkette aus der Perspektive von Löffler − einem Hersteller von Sportbekleidung. Der Schwerpunkt liegt auf der Verantwortung und den Maßnahmen, die entlang der Wertschöpfungskette gesetzt werden können, um ethische und nachhaltige Praktiken sicherzustellen.
Weiterführende Informationen:
Vortragende: Kerstin Zimmermann, Lenzing AG
Dieser Vortrag beleuchtet die Bedeutung von Transparenz und Sorgfaltspflicht in der textilen Lieferkette aus der Perspektive des Faserproduzenten Lenzing. Der Schwerpunkt liegt auf der Verantwortung und den Maßnahmen, die entlang der Wertschöpfungskette gesetzt werden können, um ethische und nachhaltige Praktiken sicherzustellen.
Weiterführende Informationen:
Besuchen Sie unsere österreichweite Webinar-Übersicht für nachhaltiges Wirtschaften. Die Themenpalette reicht von Richtlinien & gesetzliche Verpflichtungen über Services & Tools bis hin zu konkreten Handlungsempfehlungen.
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Stand: 28.01.2026