Statusbericht 2026 Österreich zur Digital Decade 2030
Österreich muss digitale Stärken gezielt in Wertschöpfung übersetzen Österreich muss digitale Stärken gezielt in Wertschöpfung übersetzen
Lesedauer: 4 Minuten
Am 16. Juni 2026 wurde der Statusbericht 2026 zur EU Digitalen Dekade 2030 veröffentlicht. Der „Austria 2026 Digital Decade Country Report“ zeigt, dass Österreich in zentralen Bereichen der digitalen Transformation gut positioniert ist, gleichzeitig aber insbesondere bei der Nutzung fortgeschrittener Technologien deutlichen Aufholbedarf hat.
Für Unternehmen bedeutet das: Die digitale Basis ist vielerorts geschaffen, nun rückt die vertiefte Nutzung von Cloud, Datenanalyse und Künstlicher Intelligenz in den Fokus, um Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität nachhaltig zu sichern.
Kernergebnisse 2026
Österreich zeigt weiterhin starke Leistungen bei den digitalen Grundkompetenzen. Rund 69,8 % der Bevölkerung verfügen über grundlegende digitale Fähigkeiten, womit das Land EU-weit zu den Top-5 zählt. Auch bei digitalen öffentlichen Dienstleistungen ist Österreich gut positioniert: 88 % der Services für Unternehmen und 83 % für Bürger:innen sind digital verfügbar.
In der Digitalisierung von KMU wurde eine solide Basis geschaffen. 73 % der KMU erreichen eine digitale Basisintensität und liegen damit leicht über dem EU-Durchschnitt. Allerdings hat sich das Wachstum zuletzt deutlich verlangsamt, was auf eine nachlassende Dynamik hindeutet.
Stärken und Aufholbedarf bei Technologien
Besonders deutlich wird die Differenz zwischen Basisdigitalisierung und fortgeschrittener Nutzung von Technologien. Während die Nutzung von Künstlicher Intelligenz stark gestiegen ist, von 20 % auf 30 % der Unternehmen, konzentriert sich diese vor allem auf Anwendungen wie Texterkennung, -verarbeitung und Sprachgenerierung. Komplexere Anwendungen wie Datenanalyse oder Prozessautomatisierung entwickeln sich hingegen kaum.
Deutlicher Aufholbedarf besteht bei Cloud Computing und Datenanalyse. Mit 41 % beziehungsweise 26 % liegt Österreich hier klar unter dem EU-Durchschnitt, insbesondere im Bereich Datenanalyse gehört das Land zu den Schlusslichtern.
Auch bei der Konnektivität zeigt sich ein gemischtes Bild: Zwar wurden Fortschritte erzielt, doch liegt die Gigabit-Abdeckung mit 76 % weiterhin unter dem EU-Schnitt. Gleichzeitig bleibt der Anteil an IKT-Fachkräften mit 5,4 % nahezu unverändert und stellt einen strukturellen Engpass dar.
Eine klare Stärke bleibt hingegen der Forschungsbereich, insbesondere bei Quantentechnologien, wo Österreich international gut positioniert ist.
Auslaufende Maßnahmen als Herausforderung für die nächste nationale Roadmap
Im Rahmen der EU-Initiative „Digitale Dekade 2030“ hat sich Österreich zu ambitionierten Zielen in den Bereichen digitale Kompetenzen, digitale Infrastruktur und Technologieeinsatz verpflichtet. Zur Erreichung dieser Ziele sind nationale Roadmaps an die EU-Kommission zu übermitteln, in denen der Weg zur Zielerreichung mit konkreten Maßnahmen und Budgets hinterlegt wird. Die aktuelle Roadmap umfasst 85 Maßnahmen mit einem Gesamtbudget von rund 4,07 Mrd. Euro.
Eine zentrale Herausforderung ergibt sich daraus, dass fast die Hälfte der Maßnahmen mit Ende 2026 ausläuft. Diese auslaufenden Maßnahmen umfassen jedoch rund 83 % des Budgets der eingemeldeten Roadmap. Darunter fallen zentrale Initiativen in den Bereichen Breitband, Quantentechnologien sowie Förderung von Startups und Unicorns. Damit entsteht ein erheblicher Anpassungsbedarf für die nächste Aktualisierung der Roadmap.
Cloud, Datenanalyse und Künstliche Intelligenz in Wertschöpfung übersetzen
Für Unternehmen wird deutlich, dass die bisherige Digitalisierung von Basisprozessen nicht mehr ausreicht. Wettbewerbsfähigkeit hängt zunehmend davon ab, wie wirksam Cloud-Lösungen, Datenanalyse und Künstliche Intelligenz in Geschäftsmodelle integriert werden.
Gleichzeitig stellt der Fachkräftemangel eine wachsende Herausforderung dar. Ohne zusätzliche Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote wird es für viele Betriebe schwierig, die nächsten Schritte der digitalen Transformation erfolgreich umzusetzen.
Ebenso entscheidend sind stabile Rahmenbedingungen und kontinuierliche Fördermöglichkeiten, um Investitionen in digitale Technologien abzusichern und Innovationen zu ermöglichen.
Digitale Transformation gezielt in die Breite bringen
Um die digitale Transformation nachhaltig zu stärken, ist es notwendig, die Diffusion von Technologien im KMU-Bereich gezielt voranzutreiben. Dazu braucht es niederschwellige Programme und praxisnahe Formate, die Unternehmen konkret bei der Anwendung digitaler Lösungen unterstützen.
Ein besonderer Fokus sollte auf der verstärkten Nutzung von Daten und Künstlicher Intelligenz liegen. Hier ist ein anwendungsorientiertes Förderinstrument erforderlich, das Unternehmen den Einstieg in datenbasierte Geschäftsmodelle erleichtert.
Parallel dazu gilt es, die digitale Infrastruktur weiter auszubauen und europäische Technologien stärker zu berücksichtigen. Ebenso sind zusätzliche Maßnahmen notwendig, um den Anteil an IKT-Fachkräften zu erhöhen und bestehende Programme im Startup- und Innovationsbereich fortzuführen.
Insgesamt zeigt sich: Österreich verfügt über eine solide Ausgangsbasis. Entscheidend wird nun sein, den nächsten Entwicklungsschritt konsequent zu setzen und die Nutzung fortgeschrittener Technologien in die Breite der Wirtschaft zu bringen.