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SPIK - Sozialpolitik informativ & kurz

Newsletter Abteilung Sozialpolitik und Gesundheit 1.7.2026

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Aktualisiert am 02.07.2026

Inhaltsübersicht

  • Alle (Last Minute)-Änderungen im Sozialbereich, die die Budgetsanierung bringt
  • Fehlzeitenreport 2026: Krankenstände bleiben hoch
  • Online-Plattformarbeit: Realität und Regulierung klaffen auseinander
  • Linke Sozialwissenschaften
  • ZAS-Tag am 7.10.2026: Schwerpunkt Einkommenstransparenz



Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Hitzewelle, Budgetsanierung, internationale Krisen, Wirtschaftsflaute, hohe Krankenstände – vieles bringt Unternehmen derzeit ins Schwitzen. Vor der Sommerpause werden noch massive Änderungen beschlossen. Positiv ist die größte Lohnnebenkostensenkung aller Zeiten. Negativ: Mangels Strukturreformen ist das Budget nicht saniert, sondern gewinnt nur eine kurze Atempause. Wir haben alle Änderungen zusammengefasst.

4 Prozent des Arbeitsvolumens sind 2025 durch Krankenstände entfallen. Weniger als 2023/24, aber weit mehr als in den 20 Jahren vor Covid. Interessante Hintergründe im neuen Fehlzeitenreport.

Online-Plattformarbeit ist ein neues Phänomen. Nach einer Studie ist sie meist nicht prekär, sondern qualifiziert.

Metastudien kommen zum Schluss, dass die Sozialwissenschaften seit langem nach links driften und Studien zu Degrowth meist nicht wissenschaftlich sind.

Am 7.10. ist wieder ZAS-Tag mit einem Update zu Gesetzgebung und Judikatur und dem Schwerpunkt – wie könnte es anders sein – Entgelttransparenz.

Alles Gute! 

Rolf Gleißner 



Alle (Last Minute)-Änderungen im Sozialbereich, die die Budgetsanierung bringt

Kalt-Warm für die Wirtschaft: Keine neuen Abgaben für Beschäftigung, aber in letzter Sekunde werden noch massive Änderungen bei Altersteilzeit und Lohnnebenkosten beschlossen. 

Es ist die Quadratur des Kreises: Das Budgetdefizit ist unter 3% zu senken, gleichzeitig sollen die seit 2023 stagnierende Wirtschaft und Beschäftigung nicht abgewürgt werden. Positiv ist die größte Lohnnebenkostensenkung aller Zeiten. Als negativ vermerken alle Ökonomen, dass mangels Strukturreformen das Budget nicht saniert ist, sondern nur eine Atempause von wenigen Jahren gewinnt. Dazu kommt ein bunter Mix an Belastungen und (vielfach vernünftigen) Einsparungen.

Zu den schon bekannten Änderungen (siehe unten) wollte die Regierung noch temporäre Beendigungen („Zwischenparken“) massiv einschränken und plante dazu eine Auflösungsabgabe. Die Wirtschaft lehnt aber neue Abgaben, die noch dazu auf Beschäftigung eingeführt werden sollten, strikt ab. Am 8./9. Juli soll der Nationalrat stattdessen u.a. beschließen:

  • Die Mehrkosten bei der Altersteilzeit werden dem Arbeitgeber ab 1.11.2026 nur mehr bis zu einem Bruttoeinkommen von 6.930 Euro (vor Altersteilzeit) erstattet.
  • Der Arbeitslosenversicherungsbeitrag für Männer endet nicht mehr spätestens mit 63 Jahren, sondern erst ab dem Vorliegen eines Anspruchs auf Alterspension.
  • Die Dienstgeberabgabe für geringfügig Beschäftigte steigt von 19,3 auf 23%.
  • Die Krankenversicherungsgutschrift für Selbständige mit bis zu 2.900 Euro Monatseinkommen entfällt.

Schon länger bekannt sind die Senkung des FLAF-Beitrags um 1% sowie die Wiedereinführung des Beitrags für Beschäftigte 60+ per 1.1.2028. Das entlastet die Wirtschaft insgesamt um rund 1,5 Mrd. Euro pro Jahr. Bekannt sind auch die schrittweise Wiedereinführung des DN-Arbeitslosenversicherungsbeitrags für Geringverdiener sowie die Wiedereinführung der Weiterbildungsbeihilfe mit 7. Juni, des wesentlich günstigeren Nachfolgemodells zur Bildungskarenz.

Dazu kommen zahlreiche weitere Änderungen in Lohnverrechnung, die Aktivpension und eine große BUAG-Novelle. Die Gesetzwerdung ist vielfach abzuwarten, vieles wird erst am 8./9.Juli im Nationalrat beschlossen.  

Link zu den gesetzlichen Änderungen ab 1.7.2026

Denn ohne große Strukturreformen bleibt der Druck bestehen: Die Defizite werden aufgrund der demografischen Dynamik immer wieder in Richtung 4 oder 5 Prozent tendieren.

 

von Mag. Dr. Rolf Gleißner



Fehlzeitenreport 2026: Krankenstände bleiben hoch

Viele Muskel- und Skeletterkrankungen vermeidbar 

2022 sind die Krankenstände abrupt gestiegen und bleiben seitdem auf hohem Niveau, in Österreich wie international. Die Betriebe machen viel zur Prävention von Muskel- und Skelett-Erkrankungen. Das gilt nicht unbedingt für Lebensstil und Gesundheitssystem… 

Laut Fehlzeitenreport 2026 (erstellt vom WIFO im Auftrag von Dachverband, WKÖ und Bundesarbeitskammer) verbrachten unselbstständig Beschäftigte 2025 durchschnittlich 14,7 Kalendertage im Krankenstand – ein leichter Rückgang im Vergleich zum Rekordjahr 2023 mit 15,4 Tagen. So hohe Werte wurden zuletzt 1993 gemessen. In den 20 Jahren vor Covid waren die Österreicher zwischen 12,3 und 13,3 Tage pro Jahr krank.

Entwicklung der Krankenstandstage 1970-2025
© WIFO

Der Trend zu mehr Krankenständen seit Covid ist international und betrifft die Mehrheit der OECD-Länder inkl. Deutschland. Internationale Studien identifizieren vor allem drei Ursachen: Atemwegserkrankungen nehmen u.a. durch die neue Krankheit Covid zu, der Anteil psychischer Erkrankungen steigt. Schließlich hat sich die Sensibilität erhöht, d.h. man bleibt im Zweifel zuhause, der Präsentismus nimmt ab. Weniger ins Gewicht fallen positive Faktoren wie der Rückgang von Arbeitsunfällen oder Homeoffice, das Arbeit etwa bei leichten Atemwegserkrankungen ermöglicht.

Schwerpunkt des Fehlzeitenreports waren heuer Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems und des Bindegewebes: Mit einem Anteil von 19,1% an den Krankenstandstagen sind sie Nr. 2 hinter Atemwegserkrankungen (24,3%). Während psychische Erkrankungen überwiegend Frauen und Verletzungen (insbesondere junge) Männer betreffen, sind von MSB-Erkrankungen v.a. Ältere betroffen: 28,7% der Krankenstandstage der 55+ sind auf MSB-Erkrankungen zurückzuführen, nur 7,4% bei den bis 24-Jährigen.

Anteil der Muskel- und Skeletterkrankungen an den Krankenstandstagen nach Altersgruppen in Prozent
© WKÖ

Verbesserungen in der Arbeitswelt, Belastungen in der Freizeit 

Im Gegensatz zu anderen Erkrankungen können MSB-Erkrankungen durch gesunde Bewegung, Ernährung, Prävention und ergonomische Arbeitsabläufe langfristig wirksam verhindert werden. Und tatsächlich geht der Anteil der MSB-Erkrankungen zurück – 2011 waren sie mit einem Anteil von 22,1% an den Krankenstandstagen noch Nr. 1 vor den Atemwegserkrankungen.

Ein Grund für den Rückgang sind Verbesserungen in der Arbeitswelt. Zur Vermeidung von manuellen Lasten, die das Muskel- und Skelett-System beeinträchtigen, ist viel passiert: Hersteller und Händler haben Säcke für Zement, Futtermittel, Chemikalien von 50 kg auf 25 kg umgestellt und generell Gebindegrößen reduziert. Unternehmen haben manuelles Heben durch Förderbänder, Leitungen, Gabelstapler, Lastenaufzüge, Hebebühnen etc. ersetzt. Just-in-time-Lieferungen ersparen Umladevorgänge. Maschinen und Arbeitsplätze werden heutzutage durchwegs ergonomisch gestaltet, d.h. an die Bedürfnisse der Menschen angepasst. Das alles entlastet die Menschen am Arbeitsplatz.

Am Arbeitsplatz verbringen wir allerdings maximal 10% unserer gesamten Lebenszeit. In den restlichen 90% fördern Übergewicht und Bewegungsmangel MSB-Erkrankungen: So steigt der Anteil der fettleibigen Menschen in Österreich stetig an: 2023 war jeder sechste Österreicher betroffen, 2013 noch jeder siebte, 2003 jeder achte (OECD Health at a Glance 2025). Noch schneller steigt der Anteil bei den Jugendlichen, was nichts Gutes für die Zukunft erwarten lässt. 22% der Männer und 24% der Frauen sind im Alpenland Österreich physisch inaktiv – in Deutschland sind es nur je 15%. 

Mindestens 300 Euro Kosten je Krankenstandstag für Unternehmen 

Das heimische Gesundheitssystem „repariert“ zwar, aber verhindert zu wenig. Bei Früherkennung und -intervention gilt das biblische Prinzip „viele sind berufen, aber nur wenige sind auserwählt“: Bei über 500.000 Menschen pro Jahr werden lange Krankenstände festgestellt. Ca. 130.000 davon werden von ÖGK oder Fit2Work zur Beratung eingeladen. Aber nur 10.000 erscheinen, und noch seltener folgen Maßnahmen.

Das Regierungsprogramm sieht zwar Maßnahmen im Bereich Rehabilitation und die Weiterentwicklung von Prävention und Gesundheitskompetenz vor. Wirksame Maßnahmen sind aber – abgesehen vom Vorsorgepass der SVS – nicht in Sicht.

Den Schaden tragen abgesehen von den Betroffenen die Unternehmen: Krankenstände verringerten das Arbeitsvolumen 2025 um 4%. Je Arbeitstag, der entfällt, entstehen mindestens 300 Euro an Kosten – durch Entgeltfortzahlung, Überstunden von Kollegen, verlorene Wertschöpfung. 

Fazit 

Muskel- und Skeletterkrankungen können durch Prävention, ergonomische Arbeitsabläufe, gesunde Ernährung und Bewegung wirksam verhindert werden. Betriebe haben hier in den letzten Jahrzehnten vieles verbessert. 90% der Lebenszeit verbringen wir aber außerhalb der Arbeit, und hier lassen die Zunahme von Übergewicht und Bewegungsmangel nichts Gutes für die Zukunft erwarten. Entscheidend sind und bleiben Gesundheitskompetenz und -verhalten des Einzelnen und wirksame Präventivmaßnahmen im Gesundheitssystem.

Fehlzeitenreport 2026 - WKO


von Mag. Dr. Rolf Gleißner



Online-Plattformarbeit: Realität und Regulierung klaffen auseinander

Eine Studie zur Online-Plattformarbeit zeigt, dass diese meist qualifiziert, autonom und keineswegs prekär ist. Dennoch gelten auch hier die strengen Regeln der EU-Plattform-Richtlinie. 

Die EU-Richtlinie zur Plattformarbeit (RL (EU) 2024/2831) regelt Arbeit, die über, auf oder vermittelt durch Online-Plattformen erbracht und im Austausch gegen Bezahlung geleistet wird. Neben neuen Meldepflichten ist insbesondere die gesetzliche Vermutung eines Arbeitsverhältnisses zentral. Die Richtlinie ist bis 2.12.2026 umzusetzen.

Bei Plattformarbeit ist zu unterscheiden zwischen Leistungen, die vollständig online erbracht werden, etwa in den Bereichen Softwareentwicklung, Beratung, Übersetzung, Design oder Online-Unterricht, und solchen, die „real“ abgewickelt werden, etwa Liefer- und Fahrdienste. Während letztere Straßenbild und die politische Debatte prägen, hat Eurofound in einer Studie die Online-Plattformarbeit in der EU inkl. Österreich näher untersucht.

Online-Plattformarbeit ist tendenziell jung, männlich und qualifiziert 

Wer leistet die Online-Arbeit? Junge bis 34 Jahre sind überproportional vertreten, es überwiegt aber auch in Österreich die Altersgruppe 35-65 Jahre. Zwei Drittel sind Männer.

Online-Plattformarbeit in der EU
© Eurofound

Das Bildungsniveau ist überdurchschnittlich, können doch v.a. projektbasierte, wissensintensive Dienstleistungen online erbracht werden. Mikroaufgaben wie Dateneingabe spielen zwar weiterhin eine Rolle, stehen aber nicht mehr im Mittelpunkt. Die meisten Beschäftigten sind Inländer, der Auslandanteil ist mit 14,3% in Österreich am höchsten.

Das mittlere Jahreseinkommen liegt bei 20.000 Euro, in Österreich bei 28.000 Euro, doch erzielen hochqualifizierte Dienstleistungen deutlich höhere Einkommen. Für 55% ist Plattformarbeit allerdings nur ein Zuverdienst. Dies zeigt, dass Plattformarbeit etwa für Studenten, Personen mit Betreuungspflichten oder Arbeitssuchende als Einstieg oder Ergänzung dienen kann.

Die Umfrage zeigt auch ein hohes Maß an Autonomie. Mehr als die Hälfte der Befragten gibt an, selbst entscheiden zu können, welche Aufgaben sie übernimmt. D.h. Plattformen fungieren häufig nur als Vermittler zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer, ohne die klassische Rolle eines Arbeitgebers einzunehmen. Dennoch gilt nach der Plattform-Richtlinie auch hier die (widerlegbare) Rechtsvermutung für ein Dienstverhältnis zur Plattform.

Insgesamt zeichnet die Studie das Bild eines vielfältigen und dynamischen Segments. Hingegen geht die EU-Richtlinie von einem fremdgesteuerten, prekären Beschäftigungsmodell aus und reagiert darauf mit Regulierung auch im Online-Bereich, obwohl dieser mit den Problemlagen bei Liefer- und Fahrdiensten wenig gemeinsam hat.

Studie unter Online platform work in the European Union: Implications for working conditions and access to information | Eurofound

von Mag. Emanuel Ludwig, MBA



Linke Sozialwissenschaften

Was Absolventen einschlägiger Studienrichtungen ohnehin klar ist, hat nun eine Metastudie belegt: Die Sozialwissenschaften bringen überwiegend linke Inhalte hervor, ein Trend, der sich in den letzten 30 Jahren – trotz dem Scheitern kommunistischer und sozialistischer Staatsmodelle – noch verschärft hat. Untersucht wurden 600.000 (!) sozialwissenschaftliche Texte aus dem angelsächsischen Raum zwischen 1960 und 2024. 

Die Ursachen für den Linksdrall werden nicht erforscht, nur diskutiert. Vieles spricht für die These, dass Felder wie Politikwissenschaft, Soziologie etc. ideologisch klar verortete Menschen anziehen und nur diese dort „Karriere machen“, sodass sich die (linke) Ausrichtung langfristig verfestigt.

Degrowth-Studien unwissenschaftlich 

Dazu passt eine andere Metastudie, die 561 Studien zum Thema Degrowth untersucht hat. Die meisten untersuchten Studien sehen Wirtschaftswachstum kritisch und meinen, eine Abkehr davon löse soziale und ökologische Probleme. Bei Degrowth geht es um weniger Produktion, Konsum und Arbeitszeit, während es bei Decoupling um Wachstum mit geringerem Ressourcenverbrauch geht.

Die Metastudie kam zum Schluss, dass die meisten Degrowth-Studien wissenschaftlichen Anforderungen nicht genügen. Der Großteil gebe Meinungen, keine objektiven Analysen wieder, basiere auch nicht repräsentativen Stichproben und blende wesentliche Aspekte aus etc.

Keine Überraschung, wenn man an Studien über eine allgemeine Viertagewoche denkt, die auf einer zweistelligen Zahl von Unternehmen beruhen, die sich freiwillig dafür gemeldet haben, oder Studien zum Bedingungslosen Grundeinkommen, die dessen Finanzierbarkeit „belegen“, aber die negativen Auswirkungen extrem hoher Steuern und Sozialleistungen auf die Arbeits- und Investitionsbereitschaft einfach ausblenden… 

The ideological orientation of academic social science research 1960–2024
https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s11186-026-09690-2.pdf 

Reviewing studies of degrowth: Are claims matched by data, methods and policy analysis?
Reviewing studies of degrowth: Are claims matched by data, methods and policy analysis? - ScienceDirect 


von Mag. Dr. Rolf Gleißner



ZAS-Tag am 7.10.2026: Schwerpunkt Einkommenstransparenz

Traditionell bietet der Manz-Verlag in Kooperation mit der Wirtschaftskammer Österreich ein Update zum Arbeits- und Sozialrecht des Jahres in einem Tag.

  • Neues aus der Gesetzgebung
  • Einkommenstransparenz – Vorstellung des Gesetzes (bzw. Gesetzesentwurfs):
    • Objektives Vergütungsschema
    • Auskunftsrecht
    • Berichtspflichten
  • Praktische Umsetzung: Entgelttransparenzrichtlinie
    • Gruppenbildung, Berechnung und Offenlegung
  • Umgang mit Entgeltunterschieden – Vermeidung von Diskriminierungen
  • Judikatur-Update

Ort: Wirtschaftskammer Österreich, Wiedner Hauptstraße 63, 1045 Wien
Zeit: Mittwoch, 7. Oktober 2026, 9:00 (Eintreffen) – 16:00 Uhr 

Programm und Anmeldung: https://shop.manz.at/shop/events/641743




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