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SPIK - Sozialpolitik informativ & kurz

Newsletter Abteilung Sozialpolitik und Gesundheit 29.10.2026

Lesedauer: 11 Minuten

Aktualisiert am 29.10.2026

Inhaltsübersicht

  • Mythen und Fakten zur Beschäftigung Älterer
  • Die Wirtschaft beschäftigt zu wenige Menschen mit Behinderung? 
  • Gesundheitsbefragung: Die Österreicher werden dicker und unsportlicher
  • Beschäftigung: öffentlicher Dienst baut auf, Privatwirtschaft baut ab
  • Kommentare zu Kollektivverträgen


Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Erledigung

AK und ÖGB werfen der Wirtschaft vor, zu wenige Ältere zu beschäftigen: Zu Unrecht, die Beschäftigung steigt trotz Flaute, aber das Pensionssystem verhindert mehr. Ein Bonus-Malus-System, das Betriebe bestraft, wäre daher falsch und ungerecht, zumal Junge häufiger arbeitslos sind als Ältere. Beide Gruppen sind zu unterstützen, Fakten helfen dabei mehr als Mythen.

Das gilt auch für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung: Der Rechnungshof rechnet vor, dass selbst wenn alle Arbeitslosen dieser Gruppe heute einen Job fänden, die meisten Unternehmen ihre Quote nicht erfüllen könnten. Zielgerichtete Förderungen sind gut, eine höhere Ausgleichstaxe kontraproduktiv.

Laut Gesundheitsbefragung fühlen sich die meisten Österreicher gesund, aber im Vergleich zu 2019 geht’s mit unserer Gesundheit bergab, vor allem bei Kindern und Jugendlichen.

Bergab geht´s auch mit der Beschäftigung in der Privatwirtschaft, die öffentlichen Bereiche bauen hingegen kräftig auf. Das ist nicht nachhaltig, was sich am Budget zeigt.

Erledigung

Was Kollektivverträge für die Praxis bedeuten, steckt oft im Detail. Ausgewählte Kommentare helfen bei der Orientierung.

Alles Gute! 

Rolf Gleißner 



Mythen und Fakten zur Beschäftigung Älterer

Erledigung

Bei der Erwerbsquote Älterer hinkt Österreich hinterher, und die Älteren-Arbeitslosigkeit steigt. AK, ÖGB & Co geben den Unternehmen die Schuld. Die Fakten: Die Beschäftigung Älterer steigt trotz Rezession, aber der frühe Pensionsantritt hemmt. 

Rund um die Beschäftigung Älterer werden emotionale Diskussionen geführt und viele Mythen verbreitet. Einerseits ist der Frust von Arbeitsuchenden verständlich. Andererseits sollte Politik nicht von Emotionen und Mythen, sondern von Fakten geleitet werden:

Zunächst war die nationale Arbeitslosenrate Ende September 2026 7,1%, die der Gruppe 50+ betrug 7,3%. Vor vier Jahren zu Beginn der Rezession war der Abstand größer (5,7 bzw. 6,3%). Weit höher ist übrigens die Jugendarbeitslosigkeit!

Die Beschäftigung der Altersgruppe 55-64 Jahre steigt zwar, aber immer noch sind erst 60,9% der Gruppe erwerbstätig, im EU-Schnitt waren es im Vorjahr 66,4%. Der Grund dafür ist nicht die mangelnde Bereitschaft der Betriebe, sondern das nach wie vor sehr niedrige Pensionsantrittsalter in Österreich. Das faktische Pensionsantrittsalter beträgt 61,8 Jahre – genauso wie vor 50 Jahren. Es liegt deutlich unter den gesetzlichen 65 Jahren aufgrund vieler gesetzlicher Frühpensionen (Schwerarbeitspension ab 60 Jahre, Langzeitversichertenpension ab 62, Korridorpension, ab 63, Pension für Frauen aktuell mit 61,5, Invaliditätspension schon weit früher).

Beschäftigung über 60 Jahre gering, weil die meisten in Pension sind! 

Bis zu diesen Grenzen ist die Beschäftigung hoch, darüber niedrig. So stehen 60% der 60 bis 64-Jährigen dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung, meist einfach, weil sie in Pension sind. Von denen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, sind 90% in Beschäftigung! Es gehen nur 11% aus Arbeitslosigkeit in Pension (die von AK und ÖGB oft behaupteten 30% sind schlicht falsch).

Das gilt auch für die Frauen, bei denen aufgrund des steigenden Pensionsalters die Beschäftigung weitaus stärker wächst als die Arbeitslosigkeit. Letztere steigt, weil bis 2024 praktisch alle Frauen mit 60 Jahren schon in Pension waren.

Beschäftigung von Frauen 60-64 J steigt weit stärker als Arbeitslosigkeit
© WKÖ

Erledigung

Warum ein Bonus-Malus-Modell ungerecht und unnötig ist 

Die AK empört sich, dass 75% der Betriebe niemanden ab 60 Jahren beschäftigen und fordert ein Bonus-Malus-System, also Strafen für Betriebe, die keine oder wenige Ältere beschäftigen. Die Wirtschaft lehnt das aus guten Gründen kategorisch ab:

Zunächst hat ein Drittel der Arbeitgeber nur einen Beschäftigten, 70% nicht mehr als fünf. In Kleinbetrieben können rein statistisch nicht alle Altersgruppen vertreten sein. Das gilt auch für viele größere Betriebe, etwa in Schwerarbeitsbranchen wie am Bau, wo man mit 60 Jahren in die Schwerarbeitspension gehen kann. Ebenso in typischen Frauenbranchen, in denen jede Frau spätestens mit 61,5 Jahren ausscheidet. Und schließlich gibt es Branchen wie Discos, Kinos, Teile der Gastronomie, Fitnessstudios, Sportvereine, etc., die sich gut für Junge eignen, teilweise weil sie leicht mit einer Ausbildung kombinierbar sind. Angesichts der hohen Jugendarbeitslosigkeit Jungen eine Chance zu geben, verdient wohl keinen Malus, also eine Strafe!

Dabei ist klar, dass es Ältere, die keinen Job haben und Arbeit suchen, besonders schwer haben und unterstützt werden müssen. Eine aktuelle Evaluierung durch das WIFO bestätigt die positive Wirkung der Eingliederungsbeihilfe, die befristet an Betriebe geht, die ältere Arbeitsuchende und Langzeitarbeitslose einstellen. Auch nach Auslaufen der Beihilfe bleiben die Personen meist in Beschäftigung und erhöhen ihre Einkommen. Das WIFO bedauert daher, dass die Förderquote ab 58 Jahren sinkt, und empfiehlt hier die verstärkte Förderung.

„Irgendwann schlägt Mathematik Ideologie“

Der Spruch von AMS-Chef Johannes Kopf gilt für Pensionssystem und Arbeitsmarkt. Trotz Rezession nimmt der Arbeitsmarkt das steigende Pensionsalter gut auf, die Beschäftigung 60+ steigt weit stärker als die Arbeitslosigkeit. Ein Bonus-Malus-System, das Betriebe bestraft, die keine oder wenige Ältere beschäftigen, wäre jedenfalls der falsche Weg. Wirksam ist hingegen die Eingliederungsbeihilfe, wie auch das WIFO aufzeigt.

Evaluierung der Eingliederungsbeihilfe des Arbeitsmarktservice Österreich: Einsatz, Wirkung und Gestaltungsoptionen


von Mag. Gabriele Straßegger, Mag. Maria Kaun



Die Wirtschaft beschäftigt zu wenige Menschen mit Behinderung? 

Erledigung

Nur ein Viertel der Unternehmen erfüllt die Quote zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderung. Der Rechnungshof stellt fest: Nur ein Bruchteil der Menschen, die zur Quotenerfüllung nötig wären, sind am Arbeitsmarkt überhaupt verfügbar. 

Unternehmen mit 25 oder mehr Arbeitnehmern sind verpflichtet, je 25 Arbeitnehmer einen begünstigt Behinderten (mit einer mindestens 50prozentigen Minderung der Erwerbsfähigkeit) zu beschäftigen. Für jeden nicht besetzten Platz ist eine Ausgleichstaxe von 344 bis 512 Euro pro Monat zu zahlen, die jährlich valorisiert wird. Der so dotierte Ausgleichstaxfonds fördert u.a. Unternehmen, die Menschen mit Behinderung beschäftigen, und so genannte integrative Betriebe, die speziell Jobs für diese Gruppe bieten und am freien Markt agieren.

In der politischen Diskussion dominiert seit Jahren eine einfache Erzählung: Die Arbeitslosigkeit von Menschen mit Behinderung ist seit Beginn der Wirtschaftsflaute 2023 stärker gestiegen als der Gesamtschnitt. Da nur ein Viertel der Unternehmen die Quote voll erfüllt, verletze die Wirtschaft ihre Pflicht und müsse daher mit höheren Ausgleichstaxen belastet werden. Demgegenüber zeichnet der aktuelle Rechnungshofbericht zum Ausgleichstaxfonds ein anderes, differenziertes Bild und bestätigt die Positionen der Wirtschaft.

Die wichtigste Erkenntnis des Berichts: Mehr Geld allein schafft noch keine bessere Integration in den Arbeitsmarkt. Obwohl die Mittel des Ausgleichstaxfonds seit 2019 massiv gestiegen sind, blieb der Beschäftigungserfolg weitgehend aus. Der Rechnungshof ortet daher Reformbedarf und kritisiert einen vielfältigen Mangel - an Wirkungsorientierung, an Erfolgskontrollen, an Steuerung der Fördermittel und an Abstimmung von Förderungen zwischen den Institutionen.

4.300 gemeldete Arbeitslose gegenüber 40.000 offenen Pflichtstellen 

Besonders aufschlussreich ist die Analyse des Arbeitsmarktes. Rund 40.000 offenen Pflichtstellen standen 2024 etwa 4.300 als arbeitslos gemeldete begünstigt Behinderte gegenüber. Damit wird deutlich: Selbst wenn alle 4.300 heute einen Job hätten, könnten die meisten Unternehmen ihre Quote nicht erfüllen. Tatsächlich suchen viele Unternehmen, denn niemand zahlt gern viel Ausgleichstaxe. Allerdings haben etwa der Bau oder Verkehr nur wenige Einsatzmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung.

Seitens der Wirtschaft drängt sich somit eher die Kritik auf, dass die Beschäftigungsvorgaben zu hoch, weil unerfüllbar sind, und vor allem auf hohe Einnahmen abzielen. Eine höhere Ausgleichstaxe ist daher abzulehnen und kontraproduktiv, denn in der längsten Wirtschaftsflaute seit 80 Jahren werden Mehrbelastungen nicht zu mehr Jobs führen, im Gegenteil. Fakt ist aber, dass Menschen mit Behinderung am Arbeitsmarkt verstärkt mit Menschen ohne Einschränkung konkurrieren müssen und hier Nachteile haben.

Die Wirtschaft bekennt sich klar zur Beschäftigung und Inklusion von Menschen mit Behinderungen. Der Rechnungshof stellt dazu die zentrale Frage: Wie können mehr Menschen mit Behinderungen qualifiziert, für den Arbeitsmarkt gewonnen und erfolgreich vermittelt werden? Die Antwort: Ausgleichstaxe und Fördermaßnahmen sind stärker an ihrem eigentlichen Ziel auszurichten, der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am ersten Arbeitsmarkt. 

Fazit 

Der Rechnungshof stellt dem Ausgleichstaxfonds kein gutes Zeugnis aus. Seine Kritik richtet sich jedoch nicht gegen die Unternehmen, sondern gegen die mangelnde Treffsicherheit des Systems. Ein System ist nicht erfolgreich, wenn es noch mehr Abgaben aus Unternehmen herauspresst, sondern wenn es Arbeitskräftepotenziale erschließt, Menschen nachhaltig auf den ersten Arbeitsmarkt vermittelt und nur fördert, was tatsächlich Beschäftigung schafft. Wirkung statt Symbolpolitik. 

Rechnungsbericht unter 
https://www.rechnungshof.gv.at/rh/home/home/2026_32_Ausgleichstaxfonds.pdf

 

von Mag. Pia-Maria Rosner-Scheibengraf



Gesundheitsbefragung: Die Österreicher werden dicker und unsportlicher

Erledigung

Die meisten Menschen in Österreich fühlen sich zwar gesund. Aber die meisten Indikatoren der Gesundheitsbefragung zeigen nach unten, vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Die Folgen sind schon sichtbar, werden sich aber noch verschärfen. 

„Drei Viertel der österreichischen Bevölkerung fühlten sich 2025 gesund“, titelte die Statistik Austria zur Gesundheitsbefragung, die alle sechs Jahre stattfindet. Klingt positiv, verschleiert aber den negativen Trend: Frauen können heute mit 84,6 Lebensjahren rechnen, davon 64,7 Jahre in guter Gesundheit. Männer kommen nur auf 80,1 bzw. 62,7 Jahre. ABER: Entgegen dem langjährig positiven Trend stagniert die gesunde Lebenserwartung seit 2019 bei Frauen, bei Männern ging sie sogar zurück!

2019 fühlten sich 74,5 Prozent der Befragten gesund, 2025 waren es nur mehr 72,5 Prozent. Der Anteil der chronisch Kranken stieg von 38,3 auf 40,9 Prozent, hingegen fiel der Anteil der sportlich Aktiven von 28,1 auf 23,6 Prozent.

Doppelt so viele junge Männer fettleibig wie vor 20 Jahren 

Dazu passt, dass die Österreicher immer dicker werden, Kinder und Jugendliche noch viel schneller als Erwachsene: Bereits jeder dritte Bub und jedes vierte Mädchen in der dritten Schulstufe ist übergewichtig oder fettleibig. Unter den Erwachsenen ab 15 Jahren haben 53 Prozent zu viel Gewicht, 18 Prozent sind adipös. 2014 waren es erst 46,7 bzw. 14,3 Prozent. 61,3 Prozent der Männer sind übergewichtig, aber „nur“ 45 Prozent der Frauen. Bestätigt wird dieser Trend von den Stellungsdaten des Bundesheeres: Vom Geburtsjahrgang 2005 waren doppelt so viele fettleibig wie vom Jahrgang 1985!

Auch wenn Übergewicht und Fettleibigkeit im Alter zunehmen: Die „Karriere“ beginnt meist in der Kindheit, die Folgen für jeden Einzelnen und das Gesundheitssystem werden erst später sichtbar: 43,6 Prozent der adipösen Menschen leiden unter Bluthochdruck. 16,1 Prozent haben Diabetes, bei Normalgewichtigen nur 3,9 Prozent. Auch chronische Rückenbeschwerden treten deutlich häufiger auf, obwohl das Heben und Tragen in der Arbeitswelt sich erheblich reduziert hat.

Kinder müssen sich bewegen! 

Wer von Adipositas betroffen ist, kann durch moderne medikamentöse Therapien wirksam unterstützt werden. Die entscheidende Frage ist aber nicht, wie viele adipöse Erwachsene Österreich in 20 Jahren behandeln kann, sondern, wie viele künftige Fälle Österreich heute verhindern kann.

Kinder lernen Gesundheit nicht aus Broschüren, sondern im Alltag. Hier zeigt sich, dass Smartphone, Social Media und Gaming in der Freizeit Sport und gemeinschaftliche Aktivitäten verdrängen. Ernährung, Bewegung, Schlaf, Medienverhalten und Gesundheitsbewusstsein werden vor allem in Familien, Kindergärten und Schulen geprägt. Deshalb brauchen Gesundheitskompetenz und Bewegung denselben Stellenwert wie Lesen, Schreiben und Rechnen!

Fazit: Die Gesundheitsbefragung zeigt klar einen negativen Trend, bei Kindern und Jugendlichen mehr noch als bei Erwachsenen. Das betrifft vor allem die Faktoren Bewegung und Übergewicht. Wer Kindern heute Gesundheitskompetenz und Freude an Bewegung vermittelt, verhindert am wirksamsten künftiges Leid, Erkrankungen, Ausfälle und Gesundheitskosten. 

Quellen:


von Mag. Maria Cristina de Arteaga



Beschäftigung: öffentlicher Dienst baut auf, Privatwirtschaft baut ab

Erledigung Seit 2022 stagniert die Wirtschaft. Bei steigender Produktivität würde man einen Rückgang der Beschäftigten erwarten, aber nein: Die Beschäftigung ist seit vier Jahren stabil. Die Gründe sind bekannt: Die durchschnittliche Arbeitszeit ist rückläufig, die Produktivität stagniert und – der Staat springt ein: Die öffentliche Verwaltung beschäftigt heute über 28.000 Menschen mehr als 2022, das Gesundheits- und Sozialwesen 38.000 mehr. Bergab ging es mit den großen privaten Sektoren – Herstellung (-24.000), Handel (-20.000) und Bau (-13.000).

Beschäftigungswachstum bzw. rückgang seit September 2022
© WKÖ

Erledigung

Das Problem dabei, auch wenn im öffentlichen Bereich wertvolle Arbeit geleistet wird: Ein Beamter belastet das Budget, ein Industriearbeiter entlastet es. Kein Wunder, dass das Budgetdefizit heuer mit 4% hoch bleibt, wie auch der Fiskalratspräsident Badelt kritisiert. Eine moderne Volkswirtschaft kann nicht davon leben, dass wir einander verwalten und pflegen.


von Mag. Dr. Rolf Gleißner



Kommentare zu Kollektivverträgen

Erledigung

Kollektivverträge sind ein zentrales Element des österreichischen Arbeits- und Wirtschaftsmodells. Sie legen branchenspezifische Mindeststandards fest, insbesondere bei Löhnen, Gehältern, Arbeitszeiten, Zulagen und Sonderzahlungen. 

In Österreich sind rund 98 % der Arbeitnehmer von Kollektivverträgen erfasst. Die großen Kollektivverträge haben insgesamt mehr Auswirkungen als viele Gesetze, umso wichtiger sind Kommentare zu Kollektivverträgen. Zuletzt sind einige hinzugekommen.




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