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Porträt von fünf Personen. Jede Person trägt ein blaues Oberteil. Die Personen stehen in zwei Reihen. Alle haben die Mundwinkel leicht nach oben gezogen
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Lehre: Warum die Zahl der Ausbildungsbetriebe wirklich sinkt

Der Rückgang der Lehrlingszahlen und Ausbildungsbetriebe hat vielfältige Ursachen, bei denen man mit den richtigen Mitteln ansetzen muss. Strafsteuern sind keines davon.

Lesedauer: 1 Minute

Aktualisiert am 11.02.2026

Sinkende Lehrlingszahlen werden in Österreich häufig als Zeichen mangelnder Ausbildungsbereitschaft der Betriebe gedeutet. Ein Blick auf die Fakten zeigt jedoch ein anderes Bild: Der Rückgang ist vor allem das Ergebnis tiefgreifender demografischer, wirtschaftlicher und struktureller Entwicklungen – und keineswegs eines Rückzugs der Unternehmen aus der Ausbildung. 

Fakten statt Mythen: Warum die Zahl der Ausbildungsbetriebe wirklich gesunken ist 

Der massive Rückgang der Lehrlinge seit 1980 ist in erster Linie demografisch bedingt. Laut Statistik Austria gibt es heute gut 235.000 weniger Jugendliche im Alter von 15 bis 20 Jahren als noch vor 45 Jahren. Diese fehlen zwangsläufig für die Lehrlingsausbildung.

Gleichzeitig zeigt sich ein deutliches Ungleichgewicht: Ende Jänner 2026 standen laut AMS österreichweit 17.564 offene Lehrstellen lediglich 13.507 Lehrstellensuchenden gegenüber. Es gibt also mehr offene Lehrstellen bei den Betrieben als Suchende.  

Hinzu kommt die Struktur der heimischen Wirtschaft: 99,6 % der Betriebe sind KMU mit wenigen Mitarbeitern, fast die Hälfte der Ausbildungsbetriebe (48,1 %) bildet aktuell nur einen Lehrling aus.

Wer keinen ausbildungswilligen Jugendlichen findet, fällt aus der Statistik – ohne dass sich an der grundsätzlichen Ausbildungsbereitschaft etwas geändert hätte. Diese ist nach wie vor hoch: Mehr als die Hälfte der Betriebe (55 %) würde mehr Lehrlinge ausbilden, wenn sie dafür ausreichend geeignete Jugendliche finden könnten.

Ein Balkendiagramm zur Entwicklung der Anzahl der Lehrlinge in Österreich von 1961 bis 2025. Die größte Anzahl gab es Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre. Die kleinste Anzahl gab es in den späten zehner Jahren und den Jahren 2024 und 25
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Neben der demografischen Entwicklung verschärfen weitere Faktoren die Situation. Zunehmende schulische Defizite erhöhen den Betreuungs- und Personalaufwand in den Betrieben erheblich. Regionale Ungleichgewichte zwischen offenen Lehrstellen und Suchenden erschweren zusätzlich das Matching.

Nach mehreren Jahren wirtschaftlicher Schwäche stoßen insbesondere kleine und mittlere Unternehmen an finanzielle und organisatorische Grenzen, wenn es um die Ausbildung junger Menschen geht. 

Strafsteuer verkennt betriebliche Realität

Vor diesem Hintergrund geht auch der von der Gewerkschaft jüngst ins Spiel gebrachte Vorschlag einer Strafsteuer für Betriebe ohne Lehrlinge völlig am Kern der Sache vorbei: Eine zusätzliche Abgabe würde zwar belasten, aber ohne zusätzliche Lehrstellen zu schaffen – während Ausbildungsbetriebe bereits rund 3 Milliarden Euro jährlich in die Ausbildung investieren und die betriebliche Lehrstellenförderung trotz stark gestiegener Lehrlingseinkommen gedeckelt bleibt. 

Fazit: Wer Fachkräfte sichern will, muss Betriebe entlasten statt belasten 

Österreichs Ausbildungsbetriebe sind eine tragende Säule der Fachkräftesicherung und des sozialen Zusammenhalts. Wer mehr Lehrlinge will, muss Betriebe stärken und entlasten, statt sie mit zusätzlichen Abgaben zu konfrontieren.

Eine Strafsteuer würde keinen einzigen zusätzlichen Ausbildungsplatz schaffen. Erforderlich sind Maßnahmen, die Ausbildung wieder leistbar machen, neue Zielgruppen für die Lehre erschließen und die betriebliche Ausbildungsleistung nachhaltig absichern.

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