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Zwei Personen sitzen nebeneinander an einem Tisch in einem Büro. Beide lachen. Auf dem Tisch sind Zettel sowie Stifte. Hinter der einen Person steht ein Whiteboard mit Zettel mit verschiedenen Grafiken und Statistiken
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Potenziale der KI ausschöpfen

WKÖ Forderung: KI als Schlüsseltechnologie der kommenden Jahrzehnte nutzen

Lesedauer: 4 Minuten

03.02.2026

Die Entwicklung zentraler KI‑Technologien findet derzeit überwiegend in den USA und China statt – und damit auch ein Großteil der daraus entstehenden Wertschöpfung. Bis 2030 werden 70% der globalen Wertschöpfung in der Digitalwirtschaft entstehen. 

Damit Europa und Österreich an dieser Wertschöpfung teilhaben können, müssen KI‑Innovationspotenziale über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg – von der Forschung bis zur wirtschaftlichen Umsetzung – deutlich besser genutzt werden. Laut Economica‑Institut (2024) könnten durch den verstärkten Einsatz von KI in Österreich 18% zusätzliches Wachstum über einen Zeitraum von zehn Jahren erzielt werden. Dafür braucht es gezielte Investitionen, wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen sowie eine stärkere europäische Zusammenarbeit.

Derzeit nutzen lediglich 20,3% der österreichischen Unternehmen KI. Um das an die Europäische Kommission gemeldete Ziel von 75% KI‑Einsatz bis 2030 zu erreichen, braucht es substanziell mehr Maßnahmen, die den breiten, wirtschaftlich wirksamen Einsatz von KI beschleunigen. Denn KI ermöglicht höhere Produktivität, neue Geschäftsmodelle und entlastet Menschen bei Routinetätigkeiten – und schafft damit zusätzliche Wertschöpfung. Das ist besonders entscheidend, da das Wachstum der Arbeitsproduktivität in der EU seit 1995 deutlich nachgelassen hat und heute wieder unter 80% des US‑amerikanischen Niveaus liegt (Quelle: Wettbewerbs-Bericht der EU-Kommission). 

Ziele und Forderungen  

1. Die Sichtbarkeit des österreichischen KI-Ökosystems durch ein KI-Schwerpunktprogramm (vgl. LISA) erhöht

  1. Internationale Vermarktung von Österreich als exzellenter F&E-Standort zu KI, gemeinsame Dachmarke der einzelnen lokalen KI-Cluster zur Ressourcenbündelung; 
  2. Betriebsansiedlungen von KI-Leitbetrieben und Technologieunternehmen (Verzahnung mit AI Factory – Gigafactory bedenken).

2. KI-Ökosystem verbessern 

  1. Das im Digital Austria Act fixierte Ökosystem aus Unternehmen, Wissenschaft und Forschung umsetzen;
  2. Unternehmen mit anwendungsorientierten Beispielen unterstützen;
  3. bereits bestehende Initiativen besser verzahnen und Ressourcen besser nutzen;
  4. Erfolge und nachhaltige Finanzierung von Initiativen international besser sichtbar machen.

3. Exzellente regulatorische Rahmenbedingungen für Österreichs KI-Unternehmen schaffen 

  1. Serviceorientierte KI-Behörde wird umgesetzt;
  2. mehr Information und Beratung für Unternehmen (z.B. KI-Servicestelle als One-stop-shop);
  3. Umsetzung einer österreichischen KI-Regulatory Sandbox bis 2. August 2026, welche Unternehmen serviciert und ihnen einen konkreten Mehrwert bietet.

4. Exzellente Governance für exzellente Österreichs KI-Unternehmen

  1. Die KI- und Digitalisierungsthemen der Wirtschaft werden auf Regierungsebene klar strukturiert und budgetiert;
  2. der FTI-Monitor wird um die Bereiche Digitalisierung und KI erweitert;
  3. ein „Beirat für KI und Daten“ zur Koordinierung von Stakeholdern und Strategien (Daten, KI, Blockchain etc.) wird eingerichtet.

5. Österreichs KI-Unternehmen entlang der ganzen Wertschöpfungskette unterstützen

  1. Sicherung der Nachfolgefinanzierung für Services der AI Factory ab 2027/2028;
  2. landesweite Etablierung von KI-Showrooms und KI-Erlebniswerkstätten u.a. in österreichischen Betrieben, optional: um eine breite gesellschaftliche Teilhabe an der Gestaltung menschenzentrierter KI zu ermöglichen; 
  3. Ausbau von bestehenden Förderungen und Schwerpunkte zu Datennutzung und KI setzen;
  4. Datenwirtschaft und Einsatz von KI in Österreich bei den Unternehmen forcieren.

6. EU-Potenziale als Katalysator für den österreichischen KI-Standort nutzen

  1. Proaktive Beteiligung Österreichs bei Initiativen im Zusammenhang mit dem AI Continent Action Plan der Europäischen Kommission; 
  2. Teilnahme bei zukünftigen EU-Initiativen zum Ausbau von Kapazitäten, Begleitservices und Vernetzung der AI Factory – Gigafactory; 
  3. zur Erreichung von Technologiesouveränität, muss sich Österreich auf EU-Ebene für eine industriepolitische Stärkung von KI einsetzen.

7. KI-Ausbildung modern gestalten 

  1. Investitionen in KI-basierte Tools für das Lernen und die Lehre (optional: nach Beobachtungs- und Testphasen), um ein “Lernen mit der KI” zu ermöglichen; 
  2. gezielter Ausbau von Weiterbildungsangeboten für Fachkräfte, die mit KI interagieren sowie Prüfung der Anwendbarkeit für die berufspraktische Bildung; 
  3. Entwicklung einer nachhaltigen Bildungs- und Weiterbildungsstrategie zur Ausbildung von KI- und Daten-Fachkräften sowie deren kontinuierliche Evaluierung;
  4. periodische Erfassung des Bedarfs an Fachkräften, welche sowohl KI entwickeln als auch mit ihr interagieren und Anpassung des Bildungsangebots und der Curricula in enger Abstimmung mit der Wirtschaft. 

8. Wirtschaftsrelevante Stiftungsprofessuren für KI werden bedarfsorientiert geschaffen 

Stiftungsprofessuren in Schlüsselbereichen der industriellen Transformation aufbauen: Förderung international sichtbarerer Professuren mit Schwerpunkt auf: Künstliche Intelligenz in der industriellen Anwendung, Entwicklung und Einsatz von KI-basierten Lösungen zur Verbesserung von Produktion, Qualität, Energieeffizienz und Wartung – mit Fokus auf sichere, transparente und praxisnahe Umsetzung in industriellen Prozessen. 

9. Schaffung gezielter Anreize für energieeffiziente KI-Praktiken, um ökologische Verantwortung mit technologischer Innovation zu verbinden. 


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