Gesundheitsmanagerin des Monats Juli/August 2026
Dr. Anna Vavrovsky, MSc, MSJ
Lesedauer: 1 Minute
Berufliche und persönliche Eckdaten
- Universitätsabschlüsse an der Universität Wien (Dr. med. univ.), Bocconi Universität Mailand (Master of Science in Healthcare Management, Economics and Policy) und Seton Hall Universität, USA (Master of Jurisprudence)
- Führungserfahrung in der Pharmaindustrie
- Gründung des Beratungsunternehmens Academy for Value in Health
Als Medizinerin und Gesundheitsökonomin betrachte ich das Gesundheitssystem sowohl aus Sicht der klinischen Notwendigkeit als auch unter den Maßgaben der ökonomischen Vernunft. Mein Ziel für die Gesundheitsversorgung in Österreich ist eine Transformation, die auf einer ganzheitlichen Wertbetrachtung und maximaler Datentransparenz basiert.
Interview:
Wie wird sich die Gesundheitswirtschaft in den nächsten Jahren entwickeln – was lernen wir aus vergangenen Herausforderungen?
Die Gesundheitswirtschaft steht im Jahr 2026 an einem entscheidenden Wendepunkt und wandelt sich von der rein reaktiven Reparaturmedizin zu einem vorausschauenden, digital gestützten System. Angesichts steigender Kosten und einer alternden Gesellschaft müssen wir endlich umsetzen, was längst bekannt ist: Prävention ist wirtschaftlicher als Heilung.
Was möchten Sie in der Gesundheitswirtschaft, dem Gesundheitssystem bzw. in der Gesundheitsversorgung Österreichs verändern?
In der österreichischen Gesundheitsversorgung sehe ich zwei Stellschrauben als entscheidend an: die ganzheitliche volkswirtschaftliche Betrachtung und maximale Datentransparenz.
Erstens müssen wir bei der Bewertung des Wertes, den Interventionen bieten, die indirekten Kosten, also den Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit und Produktivität, zwingend mit einbeziehen. Gerade bei chronischen Erkrankungen übersteigen diese oft die direkten Behandlungskosten. Werden diese Effekte ignoriert, entsteht ein verzerrtes Bild der Wirtschaftlichkeit, das Innovationen eher bremst als fördert.
Zweitens müssen wir die Digitalisierung nutzen, um eine transparente Datengrundlage für alle Stakeholder zu schaffen. Ein freier Zugriff auf valide Daten macht Analysen vergleichbar, reduziert Redundanzen und steigert letztlich die Qualität im gesamten System.
Welche Rolle wird dabei Ihre Vision, Strategie bzw. Geschäftsidee spielen?
Die Gesundheitsökonomie ist ein Kompass für diese Transformation. Meine Vision ist es, durch präzise Nutzenbewertungen den Wert medizinischer Interventionen vergleichbar zu machen. Damit liefern wir die methodische Basis, um das österreichische System von einer reinen Ausgabenverwaltung hin zu einer wertorientierten Investitionssteuerung zu führen – dort, wo jeder Euro den größten gesellschaftlichen Nutzen schafft.