Gesundheitsmanager des Monats Mai/Juni 2026
Markus Müller
Lesedauer: 3 Minuten
Berufliche und persönliche Eckdaten
- Markus Müller studierte an der Universität Wien Medizin und promovierte 1993 „sub auspiciis praesidentis“. Neben der Facharztausbildung für Innere Medizin am AKH Wien war er vielfach international tätig, unter anderem in Schweden und in den USA.
- 2004 wurde er zum Universitätsprofessor an der Medizinischen Universität Wien und Leiter der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie am AKH Wien ernannt. Im Jahr 2015 wurde Müller zum Rektor der Medizinischen Universität Wien gewählt.
- Darüber hinaus ist er Präsident des Obersten Sanitätsrats und Vizepräsident der Österreichischen Universitätenkonferenz (uniko).
Ich verstehe meine Aufgabe als Rektor vor allem darin, hier in Österreich international wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen für hochqualitative medizinische Forschung, Lehre und klinische Versorgung zu schaffen, um medizinische Innovationen an der aktuellen Front des Wissens klinisch einzusetzen. Als Rektor trage ich auch Verantwortung dafür, die Medizinische Universität Wien als Leitinstitution des österreichischen Gesundheitssystems zum Wohle von Patientinnen und Patienten wirksam werden zu lassen. Ein wichtiges Motto für mich ist „think globally – act locally".
Interview:
Wie wird sich die Gesundheitswirtschaft in den nächsten Jahren entwickeln – was lernen wir aus vergangenen Herausforderungen?
Die Medizin steht heute an einem tiefgreifenden Wandel hin zu personalisierter und präventiver Daten- und AI- getriebener Medizin, also weg von klassischer Reparaturmedizin hin zu Früherkennung, maßgeschneiderten Therapien und digitalen Innovationen. Die neuen Forschungsinfrastrukturen der MedUni Wien – wie das Eric-Kandel-Institut / Zentrum für Präzisionsmedizin und das Center for Translational Medicine – verkörpern genau diesen Paradigmenwechsel.
Was möchten Sie in der Gesundheitswirtschaft, dem Gesundheitssystem bzw. in der Gesundheitsversorgung Österreichs verändern?
Im österreichischen Gesundheitssystem sind - für jeden erkennbar - Spannungszeichen zu beobachten. Das aktuelle System ist stark fragmentiert, überbürokratisiert, teuer und ineffizient geworden. Die Debatten zu „Gast-Patienten“ (wer erinnert sich noch an „Gast“-Ärzte“?), Studienplätzen, Wahlärzt:innen, Wartezeiten oder regionalen Spitalsschließungen bei gleichzeitiger inflationärer Planung von föderalen, medizinischen Universitätsstrukturen sind Stresszeichen eines strukturell überholten Systems. Die Spannungen betreffen vor allem Bereiche der versorgungswirksamen, öffentlichen Medizin. (Teil-)private Strukturen bzw. nur wenig versorgungsrelevante Bereiche sind hingegen kaum betroffen. Die reale Qualität der Arbeitsbedingungen und die Remuneration für öffentliche, versorgungswirksame Leistungen sind inadäquat und führen zu einem zunehmenden „brain drain“ aus dem öffentlichen Sektor. Sämtliche Bemühungen müssen daher darauf abzielen, den öffentlichen, versorgungswirksamen Sektor attraktiver zu machen.
Welche Rolle wird dabei Ihre Vision, Strategie bzw. Geschäftsidee spielen?
Die MedUni Wien ist ein zentraler Motor der Transformation im österreichischen Gesundheitswesen und eine Institution an der Forschung, Lehre und klinische Praxis nahtlos verknüpft werden, um Patient:innen von Innovationen profitieren zu lassen. Der Ausbau des Campus Mariannengasse, des Eric-Kandel-Instituts und des Center for Translational Medicine sind strategische Bausteine dieser Vision: Sie schaffen Raum für international sichtbare Innovation, verbessern die Verknüpfung von Grundlagenforschung und Patient:innenbehandlung und werden Wien als Medizin-Standort stärken. Ich sehe dies auch als ein „Geschenk an die nächste Generation“, mit dem die Universität nicht nur im internationalen Wettbewerb bestehen, sondern auch in Zukunft aktiv die Gesundheitsversorgung mitgestalten wird.