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Die umsatzsteuerliche Behandlung von Software

Besonderheiten im Verkauf von Software

Achtung:
Ab 1.1.2015 gelten für die Besteuerung von Softwareprodukten teilweise geänderte Vorschriften.
Die umsatzsteuerliche Einordnung von Software als „Lieferung“ oder „sonstige Leistung“ hängt zum Einem von der Art, zum Anderen von der Übertragungsmodalität ab. Drei verschiedene Konstellationen sind möglich: 
  • Verkauf von Standardsoftware auf Datenträger => „Lieferung“
  • Verkauf von Individualsoftware auf Datenträger => „Sonstige Leistung – Überlassung von Informationen“
  • Verkauf (Übertragung) von Standard- oder Individualsoftware auf elektronischem Weg => „Sonstige Leistung – elektronisch erbrachte Dienstleistung“

Unter Individualsoftware versteht man ein Programm, das speziell nach den Anforderungen des Kunden erstellt wird. 

Die Unterscheidung zwischen Lieferung, elektronisch erbrachter Dienstleistung und Überlassung von Informationen ist wichtig, wenn die Software ins Ausland verkauft wird.  

Verkauf von Software im Inland  

Der Verkauf von Software an Abnehmer, die im Inland Wohnsitz, Sitz oder Betriebsstätte haben, unterliegt der österreichischen Umsatzsteuer. Auf die Unterscheidung zwischen Standard- und Individualsoftware und auf die Übermittlungsmodalität (Datenträger oder elektronische Übermittlung) kommt es nicht an.  

Verkauf von Software ins Drittland  

Unter „Drittland“ sind alle Gebiete zu verstehen, die außerhalb des mehrwertsteuerlichen EU-Gemeinschaftgebietes liegen.  

Wird Standardsoftware auf Datenträgern ins Drittland versendet, liegt eine Lieferung vor, die bei Erfüllung gewisser oraussetzungen als Ausfuhrlieferung steuerfrei ist. Detaillierte Informationen zu umsatzsteuerfreien Ausfuhrlieferungen finden Sie in unserem Infoblatt „Exporte in Nicht-EU-Länder“. 

Stellt der Verkauf der Software eine „sonstige Leistung“ dar, ist er nach den Rechtsvorschriften des Landes zu versteuern, in dem der Kunde seinen Wohnsitz, Sitz oder gewöhnlichen Aufenthalt hat (Empfängerort). Diese Regel gilt sowohl für unternehmerische, als auch Privatkunden.

Beispiel: 

Das österreichische Softwareunternehmen Ö entwickelt ein Warenwirtschaftsprogramm für das Schweizer Handelunternehmen CH. Das Programm wird auf Diskette in die Schweiz geschickt. 

Lösung:

Da es sich um Individualsoftware handelt, liegt eine sonstige Leistung (Überlassung von Informationen) vor. Da die Schweiz ein Drittland ist, gilt die Regel über den Empfängerort. Die Leistung ist somit in Österreich nicht umsatzsteuerbar. Es sind die Schweizer

Umsatzsteuervorschriften zu beachten. Wir empfehlen in solchen Fällen, das jeweilige Außenwirtschaftscenter zu kontaktieren.

Beispiel:

Eine österreichische Computerfirma verkauft an eine Privatperson mit Wohnsitz in Serbien ein Computerspiel, das als Standardsoftware zu sehen ist. Der Kunde kann sich das Spiel gegen Entgelt aus dem Internet herunterladen. 

Lösung:

Obwohl es sich hier um Standardsoftware handelt, liegt eine sonstige Leistung vor, weil die Übertragung auf elektronischem Wege erfolgt. Da der Kunde aus dem Drittland ist, ist die Leistung am Empfängerort, also in Serbien, steuerbar. Der Umsatz unterliegt den serbischen Umsatzsteuervorschriften.

Verkauf von Software in einem anderen EU-Mitgliedstaat  

Softwareverkauf als „Lieferung“ 

Wird Standardsoftware auf Datenträgern verkauft und ist der Kunde ein Unternehmer mit Umsatzsteueridentifikationsnummer (UID) eines anderen EU-Landes, liegt eine innergemeinschaftliche Lieferung vor. Bei Erfüllung der notwendigen Nachweispflichten (gültige UID des Kunden, Nachweis der Beförderung oder Versendung des Datenträger in den anderen EU-Mitgliedsstaat) ist sie steuerfrei. Weitere Informationen dazu finden Sie in unserem Infoblatt „Innergemeinschaftliche Lieferungen“.  

Ist der Kunde ein Endverbraucher (ohne UID), ist grundsätzlich österreichische Umsatzsteuer zu verrechnen. 

Wird Standardsoftware in großem Umfang auf Datenträger an Endverbraucher verschickt, ist die so genannte Versandhandelsregelung zu beachten. Diese kann bewirken, dass die Umsatzsteuer des Empfängerstaates zu verrechnen ist. Detaillierte Informationen dazu finden Sie in unserem Infoblatt „Der Versandhandel“.  

Softwareverkauf als „sonstige Leistung“ 

Ist der Kunde ein Unternehmer mit UID eines anderen EU-Landes, unterliegt der Umsatz im anderen Mitgliedstaat der Umsatzsteuer (Empfängerort). Bei der Durchführung der Besteuerung sind die Rechtsvorschriften des anderen Mitgliedstaates zu beachten. Das gilt sowohl für sonstige Leistungen, die als „elektronisch erbrachte Dienstleistungen“ als auch für sonstige Leistungen, die als „Überlassung von Informationen“ gelten. 

In derartigen Fällen gilt in allen EU-Ländern das so genannte Reverse-Charge-System (RCS). Das bedeutet, dass die Steuerschuld nicht beim Rechnungsaussteller verbleibt, sondern auf den Kunden übergeht. Voraussetzung für den Übergang der Steuerschuld ist, dass  

  • der leistende Unternehmer weder einen Wohnsitz (Sitz) noch einen gewöhnlichen Aufenthalt oder eine an der Leistungserbringung beteiligte Betriebsstätte im Land   des Kunden hat und  
  • der Kunde Unternehmer oder eine juristische Person des öffentlichen Rechtes ist. 

Die Anwendung des RCS ist zwingend. Es darf keine Mehrwertsteuer verrechnet werden. Die Rechnung muss folgende Zusatzangaben enthalten: 

  • UID des Leistungsempfängers (Kunden) 
  • Hinweis, dass die Steuerschuld auf den Leistungsempfänger übergegangen ist (zB     „Rechnungsbetrag enthält keine Umsatzsteuer - Steuer wird vom Leistungsempfänger   geschuldet“) 

Die sonstigen Leistungen müssen dem Finanzamt gesondert in der Zusammenfassenden Meldung (ZM) mitgeteilt werden.

Beispiel:

Eine österreichische Computerfirma Ö verkauft Individualsoftware an einen Unternehmer mit Sitz in Italien. 

Lösung:

Da der Leistungsempfänger ein Unternehmer ist, unterliegt der Umsatz der italienischen Umsatzsteuer (Empfängerort). Die italienischen Vorschriften sehen in derartigen Fällen den Übergang der Steuerschuldvor. Ö darf keine Mehrwertsteuer verrechnen. Auf der Rechnung ist die italienische UID des Leistungsempfängers und auf den Übergang der Steuerschuld hinzuweisen. Eine ZM ist an das Finanzamt zu erstellen.

Ist der Kunde ein Endverbraucher (ohne UID) gilt für Umsätze ab 1.1.2015 folgendes: 

Handelt es sich um Standard- oder Individualsoftware, die elektronisch übermittelt wird („auf elektronischem Weg erbrachte Dienstleistung“), ist der Verkauf in dem EU-Land umsatzsteuerpflichtig, in dem der Endverbraucher seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt hat. Das bedeutet, dass dem Endverbraucher die ausländische Umsatzsteuer verrechnet werden muss. Zur Durchführung der Besteuerung und Bezahlung der ausländischen Umsatzsteuer hat der Unternehmer zwei Möglichkeiten: 

  • Die eine Möglichkeit besteht darin, dass sich der Unternehmer bei der Finanzverwaltung des Abnehmerlandes registriert und die Umsatzsteuer direkt an das ausländische Finanzamt zahlt.
  • Die andere Möglichkeit ist der Mini One Stop Shop (MOSS). Der Unternehmer meldet sich über FinanzOnline zu MOSS an. Er meldet die Umsätze aufgegliedert nach den EU-Abnehmerländern. Er zahlt die Umsatzsteuer an die österreichische Finanzverwaltung, die sie dann an die Abnehmerländer weiterleitet. Weiterführende Informationen zu MOSS finden Sie auf wko.at und auf der Homepage des Finanzministeriums www.bmf.gv.at.
Hinweis:

Bis 31.12.2014 waren diese Umsätze in Österreich steuerpflichtig.

Handelt es sich um Individualsoftware, die auf Datenträger übermittelt wird („Überlassung von Informationen“), ist der Verkauf (weiterhin) in Österreich umsatzsteuerpflichtig. 

Sonderregelung für Software von Drittlandsunternehmern  

Wird eine elektronische Dienstleistung von einem Drittlandsunternehmer an einen Nichtunternehmer mit (Wohn)sitz bzw. gewöhnlichen Aufenthalt im Gemeinschaftsgebiet erbracht, erfolgt abweichend von der allgemeinen Regel die Besteuerung im Land des Leistungsempfängers (also in der EU).

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