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Pauschalierung im Gastgewerbe ab 2013

Regelungen im Überblick

Die „neue“ Gastgewerbepauschalierungsverordnung  war erstmalig für das Veranlagungsjahr 2013 anzuwenden. Sie sieht im Gegensatz zur bis 31.12.2012 möglichen Gewinnpauschalierung nur mehr eine teilweise Pauschalierung der Betriebsausgaben in Form eines Modulsystems vor. Die restlichen Betriebsausgaben müssen wieder mit Belegen nachgewiesen werden. Eine Pauschalierung der Vorsteuern ist nicht mehr vorgesehen. Sie kann aber nach der allgemeinen gesetzlichen Regelung in Anspruch genommen werden („Basispauschalierung“).

Diese Ausgabenpauschalierung können alle Unternehmer in Anspruch nehmen,

  • welche eine Berechtigung für das Gastgewerbe während des gesamten Jahres besitzen,
  • deren Umsatz im vorangegangenen Jahr € 255.000 (netto) nicht überschritten hat,
  • für die keine Buchführungspflicht besteht und
  • die auch freiwillig keine Bücher führen.

Die Verordnung gilt für alle Betriebsarten des Gastgewerbes, für welche eine Berechtigung nach § 111 GewO erforderlich ist, somit für

  • die Beherbergung von Gästen sowie
  • die Verabreichung von Speisen jeder Art und den Ausschank von Getränken.

Seit Mitte 2013 ist gesetzlich klargestellt, dass es sich auch bei den freien Berechtigungen (kein Befähigungsnachweis erforderlich) um Gastgewerbeberechtigungen nach § 111 GewO handelt. Somit können auch diese freien Gewerbe von der Gastgewerbepauschalierung Gebrauch machen. Dies betrifft im speziellen das so genannte „kleine Gastgewerbe“ mit nicht mehr als 8 Verabreichungsplätzen, Schutzhütten, Buschenschank und die Gästebeherbergung mit nicht mehr als 10 Betten.

Hinweis:
Unter Verabreichung und unter Ausschank ist jede Vorkehrung oder Tätigkeit zu verstehen, die darauf abstellt, dass die Speisen oder Getränke an Ort und Stelle genossen werden.

Bei der Ermittlung der Betriebsausgaben können drei Teilpauschalen im Rahmen eines modularen Systems (3 Module) zum Teil wahlweise ermittelt werden:

  • Grundpauschale mit 10%
  • Mobilitätspauschale mit 2%
  • Energie – und Raumpauschale mit 8%

Das Grundpauschale beträgt 10% des Umsatzes (mindestens jedoch € 3.000 und höchstens € 25.500), wobei allerdings durch den Ansatz des Pauschalbetrags kein Verlust entstehen darf. Es umfasst z.B. Bürobedarf, Werbung, Fachliteratur, Bewirtung, Fort- und Weiterbildung des Unternehmers, Arbeitszimmer im Wohnungsverband, geringwertige Wirtschaftsgüter, (Steuer)Beratung und Versicherungen soweit sie nicht liegenschaftsbezogen sind. Die Inanspruchnahme des Grundpauschales ist Voraussetzung für die Inanspruchnahme der beiden anderen Pauschalen.

Das Mobilitätspauschale beträgt 2% des Umsatzes und ist mit dem höchsten Pendlerpauschale bzw. maximal € 5.100 gedeckelt. Es umfasst Kfz-Kosten und die betriebliche Nutzung anderer Verkehrsmittel sowie die Verpflegung und Unterkunft bei betrieblichen Reisen. Wird das Mobilitätspauschale nicht in Anspruch genommen, können diese Aufwendungen in nachgewiesener Höhe gesondert berücksichtigt werden.

Strom, Wasser, Gas, Öl, Reinigung sowie liegenschaftsbezogene Aufwendungen und Versicherungen werden mit dem Energie und Raumpauschale in Höhe von 8% des Umsatzes (maximal € 20.400) abgedeckt. Nicht erfasst sind jedoch Ausgaben für Instandhaltung und Instandsetzung, die AfA sowie Ausgaben für Miete und Pacht. Auch für dieses Pauschale ist Voraussetzung die Inanspruchnahme des Grundpauschales. Außerdem müssen die Räumlichkeiten, die der Ausübung des Gastgewerbes dienen, außerhalb des Wohnungsverbandes liegen. Wird dieses Pauschale nicht in Anspruch genommen, können diese Aufwendungen mit in Belegen nachgewiesener Höhe gesondert berücksichtigt werden.

Wichtig:

Es können alle drei Module in Anspruch genommen werden oder auch nur ein oder zwei. Das Grundpauschale muss dabei sein. In der Steuererklärung ist anzugeben, dass von der Pauschalierung Gebrauch gemacht wird. Wird die Pauschalierung in Anspruch genommen, gilt dies in der gewählten Variante (ein, zwei oder alle drei Module) verpflichtend für das laufende und die zwei nachfolgenden Jahre.

Wird von der Pauschalierung zur Gewinnermittlung durch Bilanzierung oder vollständige Einnahmen-Ausgaben-Rechnung gewechselt, darf eine neuerliche Pauschalierung erst wieder nach Ablauf von drei Jahren durchgeführt werden.

Hinweis:
Zusätzlich können Aufwendungen für die eigene Sozialversicherung, für Personal samt Lohnnebenkosten, für Fort- und Weiterbildung der Dienstnehmer, Zinsen, Instandhaltung, Instandsetzung, Miete und Pacht für Räume bzw. den Betrieb, Absetzung für Abnutzung von Investitionen, Wareneinkauf, ein Bildungsfreibetrag und der Grundfreibetrag als Betriebsausgaben geltend gemacht werden.

Beispiel zur Ausgabenpauschalierung

Umsatz 115.000
Pauschal ermittelte Ausgaben:  
Grundpauschale 10%                  - 11.500
Mobilitätspauschale 2% -   2.300
Energie und Raumpauschale 8% -   9.200
Mit Belegen nachgewiesene Ausgaben:  
Wareneinkauf -  32.000
Abschreibungen -  17.000
Miete -    3.000
Personal -  24.000
GSVG-Beiträge -    5.000
Gewinn vor Freibetrag = 11.000
Gewinnfreibetrag iHv 13% -    1.430
Steuerpflichtiger Gewinn =   9.570

Umsatzsteuer - Vorsteuer

Die Gastgewerbepauschalierungsverordnung ab 2013 sieht keine gesonderte Vorsteuerpauschalierung vor. Es besteht aber die Möglichkeit, die abziehbare Vorsteuer nach der gesetzlichen Pauschalierung mit 1,8% der Gesamtumsätze zu berechnen, sofern die Vorjahresumsätze € 220.000 nicht überschritten haben. Neben der Pauschale kann noch die Vorsteuer (Erwerbsteuer, Einfuhrumsatzsteuer) berücksichtigt werden für:

  • Die Anschaffung oder Herstellung von Anlagegütern, die mehr als € 1.100 netto kosten,
  • Waren, Rohstoffe, Halberzeugnisse, Hilfsstoffe, Zutaten,
  • Fremdlöhne.

Vorteile der Pauschalierung

  • einfachere Gewinnermittlung
  • Wegfall der Betriebsausgabenaufzeichnungen und der Belegsammlung für die pauschalierten Ausgaben
  • Vereinfachte Führung des Wareneingangsbuches

Welche Aufzeichnungen sind erforderlich?

Einnahmen

Alle Einnahmen sind durch exakte und lückenlos geführte Unterlagen vollständig und einzeln zu erfassen.

Ausgaben

Es müssen alle nicht pauschalierten Ausgaben erfasst werden und die Belege zumindest 7 Jahre (Unterlagen im Zusammenhang mit Grundstücken 22 Jahre) aufbewahrt werden.

Anlagenverzeichnis

Da  Abschreibungen (AfA) auf langlebige Wirtschaftsgüter nicht pauschaliert sind, ist ein Anlagenverzeichnis notwendig. Im Unterschied dazu sind Ausgaben für geringwertige Wirtschaftsgüter vom Grundpauschale abgedeckt und können nicht zusätzlich zu den Pauschalien abgezogen werden. 

Vereinfachte Führung des Wareneingangsbuches

Die Verordnung sieht vor, dass das Wareneingangsbuch vereinfacht geführt werden kann. Hierzu sind:

Während des Jahres die Belege sämtlicher Wareneingänge in richtiger zeitlicher Reihenfolge mit einer fortlaufender Nummer zu versehen und getrennt nach Warengruppen abzulegen. Dabei genügt eine brancheübliche Sammelbezeichnung wie Küche, Wein, Bier, Kaffee/Tee, Speiseeis etc.

Einmal jährlich müssen die Beträge getrennt nach den Warengruppen zusammengerechnet und die zusammengerechneten Beträge in das Wareneingangsbuch eingetragen werden.

Die Belege über den Wareneinkauf samt den Berechnungsunterlagen zu den Summenbildungen (Rechenstreifen) sind 7 Jahre aufzubewahren.

Lohnkonto

Werden Dienstnehmer beschäftigt, ist für jeden Mitarbeiter ein Lohnkonto zu führen.

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