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Verlustvortrag – FAQ

Antworten auf die wichtigsten Fragen

1. Was versteht man unter "Verlustvortrag“?

Der Verlustvortrag stellt eine Sonderausgabe dar. Konkret können Verluste aus einer betrieblichen Tätigkeit vergangener Jahre (sofern kein Verlustausgleich möglich war) ohne zeitliche Beschränkung in zukünftige Jahre verlagert werden. Durch die Verrechnung mit positiven Einkünften eines Jahres kommt es zu einer Verminderung des steuerlich relevanten Einkommens. Zunächst sind die anderen Sonderausgaben des jeweiligen Jahres abzuziehen, dann erst ist der Verlustvortrag zu berücksichtigen.

2. Wie wird das Recht auf Verlustvortrag geltend gemacht?

Um den Verlustvortrag berücksichtigen zu können muss eine Einkommensteuerveranlagung durchgeführt werden. Die Höhe des vortragsfähigen Verlustes resultiert aus der Veranlagung der jeweiligen Verlustjahre.

3. Welche Voraussetzungen müssen vorliegen?

Verluste vorangegangener Jahre können grundsätzlich nur dann berücksichtigt werden, wenn diese im Rahmen einer ordnungsgemäßen Buchführung ermittelt wurden. Diese Verluste dürfen nicht bereits bei der Veranlagung für die vorangegangenen Kalenderjahre ausgeglichen oder abgezogen worden sein.

4. Besteht die Verlustvortragsmöglichkeit auch bei Gewinnermittlung durch Einnahmen-Ausgaben-Rechnung?

Infolge der Steuerreform 2015/16 können Verluste bei Einnahmen-Ausgaben-Rechnern, welche ab 2013 entstanden sind, unbeschränkt vorgetragen werden. Die Einschränkung nur die Verluste der letzten drei Kalenderjahre verrechnen zu können ist seitdem entfallen. Letztmalig anwendbar war diese Einschränkung für Verluste aus dem Jahr 2012. Diese konnten letztmalig bei der Veranlagung 2015 verwertet werden. 

5. Sind entstandene Verluste auf andere Personen übertragbar?

Der Verlustvortrag ist ein höchstpersönliches Recht und steht somit grundsätzlich nur demjenigen zu, der den Verlust erlitten hat. Verluste können nicht durch Rechtsgeschäfte unter Lebenden (z.B. durch Schenkung eines Betriebes) auf den Rechtsnachfolger übergehen. Lediglich im Todesfall des Steuerpflichtigen gehen etwaige Verlustvorträge auf denjenigen über, der den Betrieb unentgeltlich übernimmt. Unerheblich ist dabei, ob der Betrieb im Wege der Gesamtrechtsnachfolge oder einer Einzelrechtsnachfolge von Todes wegen übergeht.

6. Was ist die Verlustvortragsgrenze?

Bis zum Veranlagungsjahr 2013 war im Einkommensteuergesetz die Verlustverrechnungs- und Vortragsgrenze zu berücksichtigen. Demnach konnten Verluste aus Vorjahren nur nach Maßgabe der Verlustvortragsgrenze von 75% des Gesamtbetrages der Einkünfte eines Jahres abgezogen werden. Der Restbetrag ging nicht verloren, sondern bleibt als Verlustvortrag für zukünftige Jahre erhalten. Im Ergebnis ist somit jedenfalls ein Viertel des Gesamtbetrages der Einkünfte des betreffenden Jahres zu versteuern.

Für natürliche Personen ist die Verlustverrechnungs- und Vortragsgrenze ab dem Veranlagungsjahr 2014 zur Gänze entfallen. Im Bereich der Körperschaftsteuer bleibt die 75%-Grenze weiterhin gültig.

7. Besteht das Verlustvortragsrecht auch im Rahmen der beschränkten Steuerpflicht?

Auch beschränkt Steuerpflichtigen steht unter gewissen Einschränkungen das Recht auf Verlustvortrag für Verluste zu, die in inländischen Betriebsstätten entstanden sind. Die Verluste müssen aus einer Tätigkeit im Rahmen der Erzielung von Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft, selbständiger Arbeit oder Gewerbebetrieb resultieren. Der Verlustvortrag kann nur insoweit berücksichtigt werden, als er die nicht der beschränkten Steuerpflicht unterliegenden Einkünfte übersteigt.

8. Besteht ein Wahlrecht, in welchem Jahr ein Verlustvortrag berücksichtigt werden soll?

Es besteht kein Wahlrecht dahingehend, in welchem Jahr der Verlustvortrag berücksichtigt werden soll. Bestehen Verluste aus verschiedenen Jahren, so ist der Verlust aus dem frühesten Jahr vorrangig abzuziehen und zwingend so bald als möglich und in größtmöglichem Umfang zu verwerten.

9. Was passiert, wenn auf die Berücksichtigung eines vorhandenen Verlustes "vergessen“ wurde?

Grundsätzlich ist ein bestehender Verlustvortrag im Rahmen der Veranlagung auch von Amtswegen zu berücksichtigen. Wurde allerdings ein möglicher Verlustabzug irrtümlich nicht berücksichtigt, so gilt dieser fiktiv als verbraucht. In den Folgejahren steht nur mehr der Restbetrag zur Verfügung.

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