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Steuerliche Maßnahmen zum Jahreswechsel

Tipps für Unternehmen

Alle Jahre wieder empfiehlt es sich, rechtzeitig alle Möglichkeiten steuerlicher Gestaltungen vor dem Jahreswechsel zu überprüfen.

Was ist vor dem 31.12. noch unbedingt zu erledigen? Mit der nachfolgenden Aufzählung möchten wir Sie, ohne Anspruch auf Vollständigkeit auf einige Steuerthemen hinweisen, die für Ihr Unternehmen relevant sein könnten.


Steuertipps im Rahmen der betrieblichen Einkünfte

Verlustberücksichtigung durch Verlustrücktrag bei abweichendem Wirtschaftsjahr

Die mit dem Konjunkturstärkungsgesetz 2020 befristet vorgesehene Möglichkeit eines Verlustrücktrages, kann im Falle von vom Kalenderjahr abweichenden Wirtschaftsjahren noch genützt werden. Bei abweichendem Wirtschaftsjahr besteht die Möglichkeit, dass COVID-19-bedingte Verluste erst im abweichenden Wirtschaftsjahr 2020/2021 eintreten; sie würden damit erst in der Veranlagung 2021 berücksichtigt werden. Daher hat der Steuerpflichtige in diesem Fall ein Wahlrecht, den Verlust alternativ aus der Veranlagung 2020 oder aus der Veranlagung 2021 rückzutragen.

Wird der Verlust aus der Veranlagung 2021 rückgetragen, kann dieser im Rahmen der Veranlagung 2020 (bzw. unter bestimmten Voraussetzungen im Rahmen der Veranlagung 2019) abgezogen werden. Der sorgfältig geschätzte und glaubhaft gemachte voraussichtliche Verlust 2021 kann dann bereits bis zu maximal 60 % der Einkünfte 2020 (max. jedoch € 5 Mio.) bei der Veranlagung 2020 vorläufig berücksichtigt werden. Sollte der Verlust 2021 nicht geschätzt oder glaubhaft gemacht werden können und betragen die Vorauszahlungen für 2021 bereits null bzw. wurden diese in Höhe der Mindest-KÖSt festgesetzt, können bis zu 30 % der Einkünfte 2020 als vorläufiger Verlustrücktrag geltend gemacht werden.

Degressive Abschreibung und beschleunigte Gebäudeabschreibung

Zwar anlässlich der Corona-Krise beschlossen, aber zeitlich unbegrenzt anwendbar, sind die Neuerungen bei der Abschreibung für Abnutzung: Für Investitionen ab 1.7.2020 kann alternativ zur linearen AfA eine degressive AfA in der Höhe von max. 30 % geltend gemacht werden. Dieser Prozentsatz ist auf den jeweiligen Buchwert (Restbuchwert) anzuwenden. In den ersten Jahren kann dadurch eine wesentlich höhere Abschreibung von Investitionen und dadurch eine geringere Steuerbemessungsgrundlage erreicht werden. Anwendbar ist diese Regelung für seit dem 30.6.2020 angeschaffte oder hergestellte Wirtschaftsgüter.

Ausgeschlossen ist die degressive Abschreibung allerdings für folgende Wirtschaftsgüter: Wirtschaftsgüter, für die eine Afa- Sonderform vorgesehen ist (Gebäude Firmenwerte und KFZ (ausgenommen E-Autos)), unkörperliche Wirtschaftsgüter, sofern sie nicht den Bereichen Digitalisierung, Ökologisierung sowie Gesundheit/Life-Science zuzuordnen sind, gebrauchte Wirtschaftsgüter, Anlagen, die der Förderung, dem Transport oder der Speicherung fossiler Energieträger dienen sowie Anlagen, die fossile Energieträger direkt nutzen.

Für Gebäude, die nach dem 30. Juni 2020 angeschafft oder hergestellt worden sind, gilt eine beschleunigte Afa. In dem Jahr, in dem die Afa erstmalig zu berücksichtigen ist, beträgt die AfA das Dreifache des normalerweise anzuwendenden Prozentsatzes. (7,5 % im betrieblichen Bereich bzw. 4,5 % im außerbetrieblichen Bereich), im darauffolgenden Jahr das Zweifache (5 % bzw. 3 %), ab dem dritten Jahr gilt der einfache Wert (2,5 % bzw. 1,5 %).

Die Halbjahresabschreibung kommt hier nicht zur Anwendung, das heißt, auch bei Gebäuden, die in der zweiten Jahreshälfte angeschafft oder hergestellt werden, steht der volle Jahres-AfA-Betrag zu.

Halbjahresabschreibung

Abgesehen von dieser Neuregelung bei der Gebäudeabschreibung, bleibt die Regelung zur Halbjahresabschreibung aber anwendbar: Erfolgt die tatsächliche Nutzung eines im zweiten Halbjahr angeschafften Wirtschaftsgutes noch vor dem Jahresende, steht die Halbjahres-AfA zu, auch wenn die Bezahlung erst im nächsten Jahr erfolgt.

Geringwertige Wirtschaftsgüter 

Wirtschaftsgüter mit Anschaffungskosten bis 800,- EUR (Betrag ohne USt, wenn ein Vorsteuerabzug möglich ist, sonst inklusive USt) können im Jahr der Anschaffung sofort abgesetzt werden.

Hinweis:
Für Anschaffungen seit 1.1.2020 wurde die Grenze auf von 400,- EUR auf 800,- EUR erhöht.

Die Ertragsteuerbelastung für 2021 kann durch das Vorziehen von Aufwendungen bei Bilanzierern bzw. durch Vorziehen von Ausgaben und Verschieben von Einnahmen bei Einnahmen-Ausgaben-Rechnern noch beeinflusst werden.

Zum Beispiel können Zahlungen für heuer durchgeführte Instandhaltungen bzw. Reparaturen von Betriebsgebäuden oder Maschinen etc. 2021 zur Gänze als Betriebsausgabe abgesetzt werden, wenn sie heuer noch geleistet werden. 

Als Betriebsausgabe anerkannt werden auch Vorauszahlungen auf GSVG-Beiträge, wenn sie das laufende Jahr betreffen und der voraussichtlichen GSVG-Nachforderung entsprechen.

Einnahmen-Ausgaben-Rechner müssen aber bei bestimmten Ausgaben (z.B. Beratungs-, Miet-, Vertriebs-, Verwaltungs-, Zinskosten etc.) beachten, dass lediglich eine Vorauszahlung für das laufende und maximal das folgende Jahr steuerlich sofort abzugsfähig ist. Darüber hinaus ist eine Verteilung erforderlich.

Regelmäßig wiederkehrende Einnahmen oder Ausgaben, sind aber jenem Kalenderjahr zuzurechnen, welches sie wirtschaftlich betreffen, wenn sie innerhalb von 15 Tagen vor oder nach dem 31.12. zu- oder abfließen.

Gewinnfreibetrag (GFB)

Dieser steht allen natürlichen Personen unabhängig von der Gewinnermittlungsart zu und beträgt bis zu 13 % des Gewinnes. Ein GFB kann bis zu einem Gewinn von 580.000,- EUR geltend gemacht werden. Durch die Staffelung des Prozentsatzes für Gewinne ab 175.000,--EUR beträgt der maximale GFB 45.350,- EUR pro Jahr.

Bis 30.000,- EUR Gewinn steht der GFB jedem Steuerpflichtigen automatisch zu, das ist der sogenannte Grundfreibetrag in Höhe von maximal 3.900,- EUR. Ist der Gewinn höher als 30.000,-EUR, steht ein über den Grundfreibetrag hinausgehender investitionsbedingter GFB zu, wenn noch vor Jahresende Investitionen in bestimmte körperliche Wirtschaftsgüter (ungebrauchte, abnutzbare Wirtschaftsgüter mit einer Abschreibungsdauer von zumindest vier Jahren, keine PKWs etc.) oder bestimmte Wertpapiere getätigt werden.

Achtung:
Bei Inanspruchnahme einer Betriebsausgabenpauschalierung steht nur der Grundfreibetrag zu; in diesem Fall sind die Investitionen irrelevant.

Übrigens: Begünstigungsfähig sind Wertpapiere Wertpapiere, die gem. § 14 Abs 7 Z 4 EStG auch zur Deckung von Personalrückstellungen verwendet werden dürfen.

Details enthält unser Presseartikel zum Gewinnfreibetrag.

Stille Reserven

Stille Reserven aus der Veräußerung von mindestens sieben Jahre alten Anlagegütern können unter bestimmten Voraussetzungen auf Ersatzbeschaffungen übertragen oder einer Übertragungsrücklage zugeführt werden, wenn der Unternehmer eine natürliche Personen ist.

Energieabgabenvergütung

Ein Vergütungsantrag ist spätestens bis zum Ablauf von fünf Jahren zustellen. Das heißt für das Jahr 2016 kann ein Antrag noch bis 31.12.2021 gestellt werden. 

Hinweis:
Aufgrund einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs vom 14.11.2019 und der darauf ergangenen österreichischen Verwaltungsgerichtshofentscheidung vom 18.12.2019, ist klargestellt, dass für Zeiträume ab 2011 nur Produktionsbetriebe eine Vergütung für die Energieabgaben erhalten können.

Aufbewahrungsfrist für Bücher und Aufzeichnungen

Die 7-jährige steuerliche Aufbewahrungsfrist für Bücher, Aufzeichnungen, Belege und Geschäftspapiere des Jahres 2014 läuft zum 31.12.2021 aus. Darüber hinaus sind Belege noch so lange aufzubewahren, als sie für anhängige Verfahren im Zusammenhang mit der Abgabenerhebung von Bedeutung sind. Aufzeichnungen und Unterlagen, die Grundstücke betreffen, sind wegen allfälliger Vorsteuerrückverrechnungen jedenfalls bis zu 22 Jahre aufzubewahren. Auch gemäß Unternehmensgesetzbuch (UGB) sind Unterlagen dann weiter aufzubewahren, wenn sie für ein anhängiges gerichtliches oder behördliches Verfahren von Bedeutung sind.

Spenden aus dem Betriebsvermögen

Spenden aus dem Betriebsvermögen zur Durchführung von Forschungs- und Lehraufgaben an bestimmte Institutionen sowie Spenden für mildtätige Zwecke sind bis zu maximal 10 % des Gewinnes vor Berücksichtigung eines GFB steuerlich absetzbar. Aufgrund der COVID-19-Krise kann die 10-Prozent-Grenze in den Veranlagungsjahren 2020 und 2021 ausnahmsweise auch auf das Jahr 2019 bezogen werden. Eine Liste der begünstigten Empfänger ist auf der Homepage des BMF unter www.bmf.gv.at abrufbar. Geld- und Sachspenden bei Katastrophenfällen sind betraglich unbegrenzt als Betriebsausgaben absetzbar, wenn damit ein entsprechender Werbeeffekt verbunden ist z.B. Spenden im Zusammenhang mit einem Hochwasser. Die Zahlung muss in dem Jahr erfolgen, in welchem sich der Betrag steuermindernd auswirken soll.

Rechnungslegungsvorschriften § 189 UGB i.v.m. § 5 EStG

Bei Überschreiten eines Jahresumsatzes von 700.000,- EUR (2x überschreiten und ein „Pufferjahr“) oder eines Jahresumsatzes von 1.000.000,- EUR (1x überschreiten) muss auf eine Doppelte Buchhaltung nach § 5 EStG umgestellt werden.

Umgekehrt entfällt die Verpflichtung zur Führung einer doppelten Buchhaltung, wenn diese Grenze in zwei aufeinanderfolgenden Jahren unterschritten wird, ab dem Folgejahr. Um damit eventuell verbundene Nachteile (z.B. Entnahme des gewillkürten Betriebsvermögens, Umstellung der Gewinnermittlung auf Kalenderjahr bei abweichendem Wirtschaftsjahr) zu vermeiden, kann in der Steuererklärung ein Antrag auf Beibehaltung der Gewinnermittlung nach § 5 EStG gestellt werden (Fortführungsoption).

Registrierkassenjahresbeleg

Für die Registrierkasse ist mit Ende des Jahres ein signierter Jahresbeleg (Monatsbeleg vom Dezember) auszudrucken, zu prüfen und aufzubewahren. Die verpflichtende Überprüfung des Jahresbelegs kann manuell mittels der entsprechenden BMF-App oder automatisiert durch die Registrierkasse durchgeführt werden (laut BMF-Info bis spätestens 15. Februar des Folgejahres) Zu beachten ist auch, dass das vollständige Datenerfassungsprotokoll zumindest quartalsweise extern zu speichern und aufzubewahren ist.

Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen und private Spenden

Die „Topfsonderausgaben“ (insb. Personenversicherungen und Wohnraumschaffung) konnten nur bis zum Jahr 2020 geltend gemacht werden. Zahlungen für andere Sonderausgaben (z.B. freiwillige Weiterversicherung und Nachkauf von Versicherungszeiten) sowie außergewöhnliche Belastungen (z.B. selbst zu tragende Krankheitskosten) können für 2021 steuermindernd geltend gemacht werden, wenn sie noch heuer bezahlt werden.


Maßnahmen im Bereich der Lohnverrechnung

  • Kontrollsechstel: Ab 2020 muss sichergestellt werden, dass die Berechnung des Jahressechstels nicht dazu führen kann, dass insgesamt mehr als 1/6 der im Kalenderjahr erhaltenen laufenden Bezüge begünstigt besteuert werden. Wurde mehr als das Kontrollsechstel berücksichtigt, muss verpflichtend aufgerollt werden. Zu den Ausnahmen (z.B. Elternkarenz) siehe Infoblatt „Sonstige Bezüge- Steuerliche Behandlung“
  • Zukunftssicherung für Dienstnehmer durch Bezahlung von Prämien für Lebens-/Kranken-/Unfallversicherungen für Arbeitnehmer sind bis 300,- EUR p.a. steuerfrei.
  • Erhöhung der Steuerbefreiung auf Essensgutscheine von 4,40,-EUR auf 8,00,- EUR bzw. auf Lebensmittelgutscheine von 1,10,- EUR auf 2,00,-EUR. Diese Regelung gilt seit 1.7.2020. Diese sind auch sozialversicherungsfrei.
  • Zuwendungen von Mitarbeiterbeteiligungen bis 3.000,- EUR, p.a. sind steuerfrei, Sachzuwendungen an Mitarbeiter anlässlich eines Dienst- oder Firmenjubiläums bleiben seit 2020 bis 186,-EUR steuerfrei. Zusätzliche Sachzuwendungen aus anderem Anlass (z.B. Betriebsausflug) bleiben wie bisher bis zu einem Betrag von EUR 186,- EUR steuerfrei (z.B. Weihnachtsgeschenke).
  • Kosten für Betriebsveranstaltungen (z.B. Weihnachts- bzw. Betriebsfeiern, Betriebsausflüge) bleiben bis 365,- EUR p.a. pro Arbeitnehmer steuerfrei.
  • Ein Zuschuss des Arbeitgebers zu den Kinderbetreuungskosten für Kinder der Mitarbeiter bis 10 Jahre ist bis maximal 1.000,- EUR p.a. steuerfrei. 
  • Seit 1.7.2021 kann der Arbeitgeber auch die Kosten für eine Wochen-, Monats- oder Jahreskarte für ein Massenbeförderungsmittel für seine Arbeitnehmer steuerfrei übernehmen, sofern dieses Ticket zumindest am Wohn-oder Arbeitsort gültig ist. Die Begünstigung setzt voraus, dass die Tickets für Fahrten innerhalb eines längeren Zeitraums gelten. Einzelfahrscheine oder Tageskarten sind daher nicht begünstigt.
  • Der Sachbezug für die Privatnutzung von Firmenfahrzeugen beträgt 2 % der Anschaffungskosten − max. 960,- EUR. Bei geringerem CO2-Ausstoß des Fahrzeuges kann ein verminderter Sachbezug von 1,5 % − max. 720,-EUR angesetzt werden. Im Rahmen der Umstellung der CO2-Emissionswertmessung vom NEFZ-Verfahren auf das WLTP-Verfahren wurden die Grenzen für den höheren (2 %) oder niedrigeren (1,5 %) KFZ-Sachbezugswert für neu angeschaffte Firmen-KFZ neu festgesetzt. Der CO2- Grenzwert beträgt für 2022 angeschaffte Fahrzeuge 135 g/km. Sollte das Auto noch 2021 angeschafft werden, gilt noch die Grenze von 138 g/km für den verminderten Sachbezug. Für reine Elektro-Fahrzeuge (CO2 0g/km) ist kein Sachbezug anzusetzen.
  • Die Aufrollung der Personalverrechnung 2021 ist unter bestimmten Voraussetzungen bis 15.2.2022 zulässig.

Stand: