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Kurzfristige Liquiditätsplanung

Zahlungsfähig in Krisenzeiten

Es ist eine besondere Zeit: Betriebe sind in ihrer Tätigkeit stark eingeschränkt, die Außengrenzen sind geschlossen und Kunden kommen, wenn sie dürfen, mit Masken und müssen Abstand halten. Einnahmen bleiben damit aus, obwohl die Kosten weiterlaufen.

Was tun, um in dieser schwierigen Situation den Überblick zu bewahren?

Verschaffen Sie sich zunächst einen Überblick über den aktuellen Stand:

  • Welche Reserven sind vorhanden? Wie ist der Stand von Bankguthaben, Bargeld oder besteht die Möglichkeit, das Bankkonto noch weiter zu überziehen?
  • Mit welchen Einnahmen können Sie nach Betriebsöffnung rechnen?
  • Hatte die Krise Einfluss auf ihre Kunden und deren Zahlungsverhalten?
  • Gibt es offenen Forderungen? Sind diese einbringlich?
  • Welche Ausgaben fallen an?
  • Zu welchen Terminen sind Zahlungen an die Bank fällig (monatlich, vierteljährlich?).
  • Behalten Sie bereits erteilte Daueraufträge und Bankeinzüge im Auge.
  • Haben Sie Geschäftsausgaben mit Kreditkarte bezahlt? Welche Belastung kommt aus Vormonaten auf Sie zu?
  • Vergessen Sie nicht die fällige Umsatzsteuer bzw. lohnabhängige Abgaben sowie die SV-Beiträge aus den vergangenen Monaten zu berücksichtigen.
  • Denken Sie an Sonderzahlungen für Mitarbeiter/innen und die damit verbundenen höheren Kosten.

Prüfen Sie ihre Handlungsmöglichkeiten:

  • Analysieren Sie Ihr Geschäftsmodell: Gibt es Möglichkeiten unter den geänderten Rahmenbedingungen neue Einnahmequellen zu erschließen.
  • Welche (säumigen) Kunden sind zu kontaktieren?
  • Welche Ausgaben können gekürzt oder eingespart werden?
  • Verhandeln Sie mit Ihrem Vermieter/Verpächter – suchen Sie nach einer Lösung für die Zeit, in der Sie das Mietobjekt nicht oder nur eingeschränkt nutzen können.
  • Viele Institutionen haben Verständnis für Zahlungsschwierigkeiten, die in dieser besonderen Situation auftreten – setzen Sie sich rechtzeitig in Verbindung und suchen Sie nach Lösungen.
  • Verschieben Sie geplante Investitionen auf einen späteren Zeitpunkt.
  • Welche Zuschüsse und Beihilfen werden aktuell angeboten?
    Informieren Sie sich über die Förder-Voraussetzungen.
  • Wie hoch sind ihre geplanten Privatentnahmen? Sind Einsparungen möglich?
  • Welche Ausgaben müssen dringend beglichen werden? Reicht das Geld?
  • Wenn das Geld nicht reicht, welche Möglichkeiten zur Stundung gibt es?
    • Was bedeuten Stundungen bei Finanzamt, Gesundheitskasse, Sozialversicherung oder Banken mittelfristig für die Zahlungsfähigkeit?
    • Besteht die Möglichkeit, längere Zahlungsziele zu vereinbaren?
  • Suchen Sie beim Finanzamt bzw. bei der Sozialversicherung um Herabsetzung der Vorauszahlungen an.

 

Beachten Sie: Stundung bedeutet nur eine Verschiebung der Zahlung auf einen späteren Zeitpunkt.

Bereit für den Wiederbeginn?

Vieles hat sch geändert. Die Einnahmen für die nächsten Monate sind teilweise nur schwer abzuschätzen. Das öffentliche Leben ist global eingeschränkt. Es gelten neue Regeln. Manchen Betrieben (z. B. im Tourismus oder im grenznahen Einzelhandel) fehlen die Kunden, andere sind mit geändertem Kundenverhalten konfrontiert. All diese Überlegungen sollten Sie bei der Einnahmenplanung berücksichtigen.

Erstellen Sie eine Vorschau ihrer Zahlungsfähigkeit für die nächsten Monate:

  • Wie schätzen Sie die Einnahmensituation in den nächsten Monaten ein?
  • Mit welchen neuen Rahmenbedingungen müssen Sie konkret rechnen?
    (neue Regel, Social Distancing, Wegfall von Kunden, neue (online) Absatzwege, Verlagerung der Einkäufe auf andere Bezugswege, Digitalisierung von Prozessen)?
  • Wird die Krise Auswirkungen auf das Verhalten Ihrer Kunden haben?
    (Vorsichtigeres Konsum- bzw. Investitionsverhalten, neue Verhaltensmuster, andere Erwartungen, etc.)
  • Überdenken Sie Ihr Geschäftsmodell – welche Märkte werden wegbrechen? Welche neuen Möglichkeiten können Sie nützen?
  • Welche Aufwendungen werden für den Wiederbeginn entstehen?
  • Was kostet der Neueinkauf von Waren, welche Werbekosten etc. entstehen?
  • Welche Personalkapazität benötigen Sie für den Wiederbeginn?
    Übernehmen Sie nicht einfach den bisherigen Personalstand - überlegen Sie alternative Beschäftigungsmodelle (z. B. Teilzeit, geringfügige Beschäftigung).
  • Wie hoch sind Ihre sonstigen Fixkosten?
  • Mit welchem „Rucksack“ (Zahlungsverpflichtungen) starten Sie in den Neubeginn?

Das gilt es bei Liquiditätsproblemen besonders zu beachten …

  • Nehmen Sie Kontakt mit Ihrem Steuerberater auf.
  • Sprechen Sie mit Ihrer Bank über eine Ausweitung des Dispositionsrahmens, Zins- und Tilgungsfreistellungen, eine Verlängerung der Kreditlaufzeit, eventuell auch über die Möglichkeit, einen Überbrückungskredit aufzunehmen.
  • Holen Sie sich Unterstützung durch einen spezialisierten Unternehmensberater.

Erstellen Sie eine Liste Ihrer Handlungsoptionen:

  • Einbringung ausstehender Forderungen – konsequentes Mahnwesen, Kontaktaufnahme mit säumigen Kunden.
  • Längere Zahlungsziele mit Lieferanten vereinbaren.
  • Nicht betriebsnotwendiges Vermögen verkaufen, Sale & Lease Back Vereinbarungen treffen (z. B. Liegenschaft verkaufen und wieder zurück leasen).
  • Lagerbestände abbauen.
  • Liquidität von Dritter Seite besorgen (Familie, Freunde, Verwandte, etc.). 
Tipp!

Unterstützung bieten folgende Services der Wirtschaftskammern:

  • Der Liquiditätsrechner der Wirtschaftskammer Steiermark unterstützt bei der raschen Ermittlung des Liquiditätsbedarfs.
  • Erstellen Sie ein Prognose für das laufende Jahr – das xls-Tool Zahlen im Griff ermöglicht die Darstellung verschiedener Szenarien im Bereich Umsatz, Kosten und Gewinn.
  • Überblick über über Zuschüsse und Unterstützungsangebot finden Sie hier: wko.at/corona

Das sollten Sie im Falle drohender Zahlungsunfähigkeit beachten …

Fallen Verhandlungen mit der Bank negativ aus, droht Zahlungsunfähigkeit und das Unternehmen steht kurz vor der Insolvenz. Bei Erkennen der Zahlungsunfähigkeit muss der Unternehmer spätesten nach 120 Tagen (auf Grund der Corona Krise, ansonsten 60 Tage) den Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahren beim Landesgericht einbringen. Die Vermögensgegenstände müssen nun zumeist bereits nach Zerschlagungsgesichtspunkten bewertet werden.

Aktionismus oder Panik sind nicht angebracht. Bewahren Sie Ruhe, versuchen Sie zunächst, ihr Geschäftsmodell zu verändern und (auch mit externer Hilfe) an die neue Situation anzupassen. Scheuen Sie sich nicht, alles zu hinterfragen – brechen Sie mit Traditionen und nehmen Sie auch schmerzliche Einschnitte in Kauf. Stellen Sie nicht zuletzt ihr persönliches Interesse, den Betrieb unter den neuen Rahmenbedingungen weiterzuführen, auf den Prüfstand.

Nur wenn alle Möglichkeit ausgeschöpft sind und sich keine Lösung abzeichnet, ist ein Sanierungsverfahren vorbereitend einzuleiten.

Mehr dazu unter Insolvenzrecht - WKO.at