Baustoff vom Grund des Neusiedler Sees
Grazer Forscher entwickeln aus Schilf und Schlamm einen Baustoff aus dem 3D-Drucker.
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„Die Eigenschaften der Seesedimente haben uns positiv überrascht“, bilanziert Milena Stavric, Professorin am Institut für Architektur und Medien an der Technischen Universität Graz. Vor ihr liegen Kubaturen mit teils komplexen geometrischen Strukturen, die allesamt ein 3D-Drucker fabriziert hat – aus Schilf und Schlamm aus dem Neusiedler See. „Grundsätzlich sehen wir großes Potenzial für die Entwicklung neuer Bauelemente aus diesen Sedimenten“, sagt sie. Es gehe dabei aber weniger darum, ganze Häuser aus diesem Material aufzubauen, sondern um funktionale Bauelemente und Fassadenkomponenten, die man mittels keramischem 3D-Druck herstellten könnte.

„Der bei den Ausbaggerungsarbeiten anfallende Schlamm lässt sich zu komplexen Strukturen verarbeiten.“
Milena Stavric
Technische Universität Graz
Das Projekt ist im Rahmen einer Kooperation mit dem Seemanagement Burgenland und der Ceramico Burgenland enstanden. Mit dem Ziel, die Forschung auch niederschwellig sichtbar zu machen, hat man am Gelände des Freilichtmuseums in Winden am See eine kleine, begehbare Schau installiert. Dort informieren die Grazer Forscher auch über die Wetterfestigkeit des potenziellen Baumaterials. „Die ungebrannten Sedimente sind derzeit noch sehr wasserempfindlich“, so Stavric über erste Testergebnisse. Durch das Brennen könne die Festigkeit aber deutlich verbessert werden: „Allerdings enstehen aufgrund des hohen Karbonatanteils beim Brennen auch poröse Strukturen, deren Wasserbeständigkeit wir noch weiter untersuchen müssen.“ Die langfristige Beständigkeit gegenüber Feuchtigkeit, Frost und wechselnden Temperaturen bleibt daher noch auf der Agenda der Wissenschaftler. „Wir untersuchen insbesondere, wie sich die Festigkeit, Wasserbeständigkeit und Verarbeitungseigenschaften verbessern lassen“, erklärt Stavric. Zudem sucht man nach Möglichkeiten, durch innovative Materialtechnologie stabile Bauelemente auch ohne energieintensive Brennprozesse herzustellen.