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Zwei lächelnde Personen schütteln sich die Hände, weitere lächelnde Person beistehend, im Hintergrund zwei Personen auf Unterlagen blickend
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Betriebsübernahmen liegen im Trend

2025 gab es in der Steiermark mehr als tausend Betriebsübergaben. Tendenz steigend. Der Ruf nach Reformen wird aber laut.

Lesedauer: 4 Minuten

Aktualisiert am 09.10.2026

„Für uns war die Entscheidung eine Herzensangelegenheit, denn unser Betrieb ist gleichzeitig unser Zuhause“, begründet Lisa Ell-Mayer, warum sie vor sechs Jahren zusammen mit ihrem Mann den elterlichen Betrieb in St. Martin am Grimming übernommen hat. Das „Wirtshaus & Dorfhotel Mayer“, seit sieben Generationen in Familienhand, hat sie seither laufend renoviert, die Küchenlinie adaptiert, eine Showküche und ein Bistro sollen noch dazukommen.

Die Staffelübergabe wurde in diesem Fall innerhalb der Familie vollzogen – ein Modell, das in Österreich mit 55 Prozent zwar noch die Mehrheit aller Betriebsnachfolgen ausmacht, das jedoch rückläufig ist.

Umgekehrt gewinnen externe Nachfolgen an Bedeutung. So hat Victoria Rausch (30) vor zwei Jahren den „Nah & Frisch“-Nahversorger  in Söding-Sankt Johann übernommen. Die gelernte Einzelhandelskauffrau wollte nicht, dass der örtliche Treffpunkt verloren geht. Seither steht die zweifache Mutter an manchen Tagen schon um zwei Uhr morgens im Geschäft – „um Brötchen für die Bestellungen vorzubereiten“. 

Mit der Übernahme eines bestehenden Betriebs liegen jedenfalls sowohl Ell-Mayer als auch Rausch im Trend. So gab es 2025 mit österreichweit 8.002 Unternehmensübergaben nicht nur ein Plus von 5,3 Prozent gegenüber dem Jahr davor. Allein in der Steiermark haben die Betriebsübernahmen im vergangenen Jahr erstmals seit 2008 wieder die Marke von 1000 durchbrochen (siehe Grafik oben). Zum Vergleich: Im Jahr 2000 lag dieser Wert bei „nur“ 739. 

Hinweis
52.500 Betriebe mit 700.000 Arbeitsplätzen stehen in Österreich bis 2034 zur Übergabe an.

Politik ist gefordert

Neben dem Gründen bleibt die Betriebsnachfolge damit einer der Schmierstoffe des Wirtschaftsmotors, denn 61 Prozent der Betriebe können unter neuer Führung ihren Umsatz steigern, 36 Prozent schaffen zusätzliche Arbeitsplätze. Auch im obersteirischen „Wirtshaus & Dorfhotel Mayer“ sind mittlerweile 15 Personen beschäftigt. Früher hat die Familie alles alleine gemacht. Kein untypisches Bild in der Gastromomie, die mit bundesweit 1.575 Betriebsübernahmen allein im vergangenen Jahr die meisten aller Branchen aufweist. Das Sparten-Ranking führt das Gewerbe und Handwerk an. Fündig werden potenzielle Übernehmer auf der Nachfolgebörse, mit mehr als 1.000 aktiven Inseraten Österreichs größter Online-Plattform für Unternehmensnachfolgen. 

Jede erfolgreiche Betriebsnachfolge sichert Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung.

Damit sich die positive Entwicklung vor dem Hintergrund der bevorstehenden Übergabewelle – bis 2034 suchen 52.500 Betriebe einen Nachfolger – fortschreiben lässt, braucht es entsprechende Rahmenbedingungen. Konkret gefordert wird eine Anhebung des Freibetrags für Veräußerungsgewinne von derzeit 7.300 auf 45.000 Euro, um mehr Spielraum für den Generationenwechsel zu schaffen. Ebenso müsse das Berufsverbot für die Nutzung des Hälftesteuersatzes entfallen, um Unternehmensübergaben unabhängig von der weiteren Berufsausübung zu ermöglichen. Zudem drängt man auf einen Beteiligungsfreibetrag, der private Beteiligungen an Betriebsübernahmen bis 100.000 Euro über einen Zeitraum von fünf Jahren steuerlich absetzbar macht

Hinweis
Nachfolgebetrieb des Jahres 2026: Voting zum Follow me Award


NACHFOLGE GUT REGELN

Experteninterview: VDir. Rainer Stelzer, Raiffeisen-Landesbank Steiermark

Warum ist das Thema Betriebsnachfolge wichtig?

In der Steiermark werden im Jahr rund 1.500 Unternehmen sowie hunderte land- und forstwirtschaftliche Betriebe übergeben. Das ist selten nur eine wirtschaftliche Angelegenheit: Oft geht es um Erwartungen, Rollen und Zukunftsvorstellungen. Auch bei Unternehmensverkäufen spielen emotionale Aspekte eine Rolle; schließlich geht ein Lebenswerk in neue Hände über.

Ab welchem Alter sollte man sich mit dem Thema befassen?

Idealerweise ab Mitte 50. Nicht um sofort Entscheidungen zu treffen, sondern um Handlungsspielraum zu schaffen. Wer rechtzeitig beginnt, gestaltet selbst. Und gewinnt Zeit, familiäre, rechtliche, steuerliche und wirtschaftliche Fragen in aller Ruhe zu klären.

Wie unterstützt Raiffeisen den Übergabeprozess?

Dafür gibt es das Raiffeisen Unternehmensnachfolge Service. Unsere Coaches begleiten Übergeber:innen und Nachfolger:innen als neutrale Instanz. Zunächst klären sie die persönliche Ausgangssituation, dann wirtschaftliche Fragen und zuletzt folgt die Umsetzung mit Rechtsanwält:innen, Notar:innen oder Steuerberater:innen.