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AK-Präsident Josef Pesserl, Yvonne Popper-Pieber (stv. AMS-Landesgeschäftsführerin), WKO Steiermark Präsident Josef Herk und Peter Riedler, Rektor Universität Graz
© Foto Fischer

Neue Orientierungshilfe für die Ausbildung

WKO, AK und AMS schaffen mit „Talent Talks“ einen Lückenschluss in der Berufsorientierung von Jugendlichen.

Lesedauer: 4 Minuten

Aktualisiert am 07.09.2026

Nach den Sommerferien geht es in Kürze wieder los: Rund 152.000 steirische Schülerinnen und Schüler – darunter 12.598 „Taferlklassler“ – und knapp 50.000 Studierende an den steirischen Universitäten starten ins neue Semester. Der Start des neuen Schul- und Studienjahres rückt aber auch das Thema berufliche Aus- und Weiterbildung in den Fokus. Die Jugendlichen sehen sich diesbezüglich einem immer vielfältiger werdenden Bildungs­angebot und einer sich tiefgreifend verändernden Arbeits- und Berufswelt gegenüber.

Angesichts des demografischen Wandels können wir es uns nicht leisten, Talente zu übersehen.

Auf der Suche nach möglichst „wasserdichten“ Antworten auf die Frage, welcher Job zu den persönlichen Interessen und Talenten passt, gibt es für Jugendliche zahlreiche Orientierungshilfen. Neben Schnuppertagen, Berufsinformationsmessen, Betriebsbesuchen und Berufsorientierungsmappen, die kostenlos an Schulen in der Steiermark verteilt werden, hat sich seit zehn Jahren mit dem von Sabine Sattler-Tremesberger geleiteten Talentcenter in Graz ein eigens entwickeltes Testlabor für indviduelle Stärken etabliert. 

Mit dem zusammen mit der Universität Graz entwickelten „Talentcheck“ bietet die Wirtschaftskammer Steiermark damit eine Anlaufstelle für Jugendliche der siebten und achten Schulstufe, aber – neu – auch Maturantinnen und Maturanten bei einer wichtigen biografischen Weichenstellung. An 48 Teststationen werden Interessen, kognitive Fähigkeiten, berufsrelevante Fertigkeiten, Motorik und Aufnahmefähigkeit erfasst. Daraus entsteht ein individueller „Talentreport“ mit passenden Berufsvorschlägen und entsprechenden Ausbildungswegen (Lehre, Schule, Studium). Dieses Profil kann als Grundlage für bevorstehende Karriere-Entscheidungen dienen. „Denn wenn junge Menschen eine Ausbildung wählen, die ihren Stärken entspricht, profitieren alle: Die Jugendlichen gewinnen berufliche Perspektiven, die Betriebe erhalten motivierte und passend qualifizierte Fachkräfte und die Volkswirtschaft spart Kosten durch Ausbildungsabbrüche und berufliche Umwege“, betont WKO-Steiermark-Präsident Josef Herk.

Schulterschluss

Eine deutlich höhere Wirksamkeit bekommen die Testergebnisse und Karrieretipps allerdings durch eine profunde Vor- und vor allem Nachbereitung. Das bestehende Beratungsangebot wird daher jetzt ausgebaut, um individuell abgestimmte Ausbildungsschritte und berufliche Aussichten besser ableiten zu können. In einem Schulterschluss bieten WKO Steiermark, die Arbeiterkammer und das AMS in eigenen „Talent Talks“ eine weiterführende Orientierungshilfe für Jugendliche. Dafür kommen die Expertinnen und Experten der zehn BerufsInfoZentren des AMS Steiermark landesweit an die Schulen. Dort besprechen sie bedarfsorientiert im Zuge einer persönlichen Bildungs- und Berufsberatung mit den Schülerinnen und Schülern die Ergebnisse des Talentreports, erklärt die stellvertretende Landesgeschäftsführerin des Arbeitsmarktservice Steiermark, Yvonne Popper-Pieber. Zudem bietet die Arbeiterkammer Unterrichtsunterlagen für Lehrpersonal sowie unter dem Titel „14 Jahre – was nun?“ eigene Workshops, so AK-Präsident Josef Pesserl.

Wie wichtig diese Weiterentwicklung ist, zeigt eine aktuelle Umfrage, die das Talentcenter anlässlich seines Jubiläums unter 2.687 ehemaligen Teilnehmern durchgeführt hat. Von den Jugendlichen mit schulischer Nachbereitung des Talentreports gaben 74,6 Prozent an, ihre eigenen Stärken und Talente nach dem Talentcheck gut gekannt zu haben. Ohne Nachbereitung waren es „nur“ 66,5 Prozent – ein signifikanter Unterschied von 8,1 Prozentpunkten. Zusätzlich gaben von den Jugendlichen mit schulischer Nachbereitung 35 Prozent an, durch den Report neben der Bestätigung bekannter neue Stärken und Talente an sich entdeckt zu haben. Ohne Nachbereitung waren es dagegen lediglich 24,2 Prozent.

Talentcenter, WKO Steiermark
© Robert Frankl Gemeinsam mit dem Institut für Psychologie der Uni Graz wurde das Testangebot am Talentcenter der WKO entwickelt.

Talentcenter der WKO feiert sein Zehn-Jahr-Jubiläum

In den um- und ausgebauten Räumlichkeiten der ehemaligen Schule Rosenhof wurde vor exakt zehn Jahren das „Talentcenter“ eröffnet. Allein in die Infrastruktur flossen damals drei Millionen Euro. Ein lohnendes Investment. Denn mit 56.154 Jugendlichen, die seither einen Talentcheck absolviert haben, wurde das ursprüngliche Ziel um mehr als zehn Prozent übertroffen. Insgesamt haben bislang 61 Prozent der steirischen Mittelschulen und AHS-Unterstufen die am WKO-Campus in Graz angesiedelte Einrichtung genutzt. Dass das Angebot gut ankommt, beweist eine aktuelle Umfrage: Demnach bewerten 87 Prozent der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler den Besuch mit „sehr gut“ oder „gut“. 

Nach dem 2019 als „Best Education and Training Project“ von der International Chamber of Commerce ausgezeichneten steirischen Modell werden mittlerweile auch Jugendliche in Bozen getestet. Infos: Talentcenter

Hinweis
6500 Jugendliche pro Jahr besuchen mittlerweile das Talentcenter.